On the road again

So hieß ein Bluessong der Gruppe Canned Heat und so fühle ich mich oft in dieser Zeit: ständig unterwegs. Ein paar Tage war ich in Flensburg und wir besuchten einen schönen See, an dem wir dieses lauschige Plätzchen fanden. Auf dem Weg zu mir machten wir einen Abstecher nach Schleswig, weil ich K. und M. die beiden Hexen im Schleswiger Dom zeigen wollte:

 

Die beiden heißen Frigga (die auf dem Besen) und Freya (auf dem Katzentier). Man fragt sich natürlich, was zwei offensichtlich gut gelaunte nackte Mädels in einer ehrwürdigen Kirche im protestantischen Norden machen. Meine Theorie: die Maler haben es für sicherer gehalten, in dem christlichen Ambiente noch die alten Göttinnen unterzubringen. Man weiß ja nicht. ob die sich sonst vielleicht rächen, weil ein gefolterter Mann am Kreuz sie von ihrem angestammten Platz verdrängt hat. Jedenfalls freue ich mich über sie.

Dann waren wir in Haithabu, der nachgebildeten Wikingersiedlung an der Schlei. Das war eine große Enttäuschung: sehr teurer Eintritt, für den ein paar Hütten und ein Boot ohne jegliche Erklärung geboten wurden, eine Toilette für Frauen und Behinderte mit Wickeltisch und eine für Männer (nicht behindertengerecht, was an der schmalen Tür zu erkennen war). Was machen behinderte Männer oder Väter, die ihrem Kind die Windeln wechseln wollen? Wirft ein schlechtes Licht auf die Planer dieser Einrichtung. Das Museum war sehr nüchtern und karg, das Café machte gerade Feierabend. Wir wurden auf das große Café unten an der Straße geschickt, wo wir für ziemlich viel Geld Kaffee und Kuchen bekamen. Immerhin schmeckte der Kuchen.

Dann fuhr ich nach Münster und stand auf der Hinfahrt ab Hamburg dreimal im Stau. Aber Fahren mit der Deutschen Bahn ist auch keine Option mehr, weil da mittlerweile wohl kaum noch was einigermaßen gut läuft. Ich bin also wieder aufs Auto umgestiegen. In Münster traf ich mich mit meinem Bruder und meiner Schwägerin. Es ging um das Konto meiner Mutter. Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause, dieses Mal ohne Stau.

Auf meinem Rücken hat sich vor Wochen ein seltsamer tiefroter Fleck gebildet, der sich erst ausbreitete und etwas blasser wurde, daraus entstand dann ein großer roter Ring, der an ein Erythema migrans (Wanderröte) erinnerte. Ich hatte schon mal eines, das aber etwas anders aussah und sich damals nicht als Beginn einer Borreliose herausstellte. Dann dachte ich an einen Hautpilz und behandelte mich nacheinander mit allen antimykotischen Mitteln, die mir einfielen: starker Ringelblumentee, Apfelessig, Knoblauchsaft, Lavendelöl und zum Schluss Teebaumöl – ohne sichtbare Besserung. Schließlich ging ich zum Arzt. Ich hatte mir vorgenommen, auch für den Fall, daß er darin ein Borreliosesymptom sehen würde, kein Antibiotikum zu nehmen, aber ich wollte wenigsten wissen, was das ist. Nun, ich weiß es immer noch nicht. Der Arzt gab zu, daß auch er ahnungslos sei und schlug vor, ich solle das Ding weiter beobachten. Er fand eine prophylaktische  Antibiotikagabe nicht sinnvoll, was für ihn spricht. Ich vermute, daß mich da irgendein Insekt gestochen und einen Erreger reingebracht hat, auf den mein gutes Immunsystem deutlich reagiert. Ich schaue es mir jeden Tag mit Hilfe von zwei Spiegeln an und nehme Kardenwurzeltinktur, die ich im Februar zubereitet habe. Das kann nicht schaden.

Apropos Krankheit, ich möchte auf ein sehr schönes Buch von Kerstin Chavent hinweisen, das vor einiger Zeit in der Zeitung Demokratischer Widerstand empfohlen wurde: Die Waffen niederlegen – die Botschaft der Krebszellen verstehen. Der Titel hat mich elektrisiert und es geht um viel mehr als um die persönliche Krebserfahrung der Autorin. Es geht um unser Gesundheitssystem, das diesen Namen wirklich gar nicht verdient und darum, die Verantwortung für die eigene Heilung wieder zu sich selbst zurück zu nehmen. Während des Lesens habe ich mehrmals zurückgeblättert um nach dem Erscheinungsdatum zu schauen. Denn es war, als beschriebe die Autorin die letzen zweieinhalb Jahre mit ihrer grotesken Entmündigung der Bürger*innen. Aber nein, das Buch ist vor dem öffentlichen Auftritt des Virus erschienen.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf das Blog von Cambra Skadé, die mich mal wieder sehr erfreut hat: https://cambraskade.blog/2022/08/12/der-tanz-dieser-zeit/

„Der Stamm der Lebensliebenden“ – ja, dem fühle ich mich auch zugehörig. Vor einigen Tagen telefonierte ich mit einer ehemaligen Teilnehmerin meiner Kräuterkurse, die ich lange nicht gesehen habe und es stellte sich heraus, daß auch sie diesem Stamm angehört. Ebenso Charles Eisenstein, der ein neues Buch herausgegeben hat: The Coronation, zum C-Thema natürlich.

 

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