Holles Blog

Alles hinterfragen

Am Samstag fand wieder ein Kräuterkurs statt, gut besucht und mit Menschen, die ich als echte Bereicherung empfand: so offen und interessiert. Auch ein Mann war dabei, was sehr selten vorkommt. Er hat sich dann auch gleich nützlich gemacht und eins meiner Küchenmesser fachmännisch geschliffen. Das Wetter war mit uns, so daß wir nach der Wanderung im Garten sitzen und die mitgebrachten Sachen essen konnten.

Ich lese gerade das neue Buch von Wolf-Dieter Storl Der Weise vom Mont Aubert. Es handelt von seinem Lehrer Arthur Hermes, von dem er einiges über biologisch-dynamischen Landbau gelernt hat. Dieser Mann scheint ein kontroverser Typ gewesen zu sein. In einigem kann ich ihm folgen, in anderem gar nicht. Aber interessant und inspirierend ist das Buch allemal. Wolf-Dieter Storl bringt auch eigene Ansichten in dem Buch unter, auch zum aktuellen Zeitgeschehen und eine kann zwischen den Zeilen deutlich erkennen, wes Geistes Kind der Autor ist. Sehr schön zu sehen, daß er immer noch einer der Aufrechten ist.

Kürzlich hatte ich ein sehr langes Gespräch mit einer Frau, die ich vor drei Jahren kennengelernt habe, als sich die Maßnahmenkritiker formierten. Sie erzählte, daß sie immer in die Politik wollte, um den Punkt zu erleben, wo „es kippt“. Gemeint war der Moment, in dem ein gewählter Politiker, der vielleicht mit guten Absichten angetreten ist, anfängt korrupt zu werden und aufhört, den Wählern zu dienen. Denn das ist ja, was wir tagtäglich sehen: Menschen werden in Regierungen gewählt und fangen dann an, peu à peu all ihre Prinzipien (sofern sie die jemals hatten) zu verraten. Wie kommt es dazu? Ich habe die Vermutung, daß wenn Menschen auf der Einflussskala aufsteigen, eine sehr subtile Gehirnwäsche stattfindet. Wobei das mittlerweile ja schon geschieht, bevor Menschen überhaupt in die Parlamente kommen. Man schaue sich nur die Leute an, die eine Young Global Leadership-Ausbildung beim Weltwirtschaftsforum gemacht haben. Die Regierungen weltweit sind voll von ihnen. Wenn aber die Wirtschaftsunternehmen Politiker ausbilden, dann ist glasklar, wessen Interessen bedient werden. Was treibt eine Partei, die ursprünglich für radikalen Naturschutz und Pazifismus eingetreten ist, dazu, all das im Handstreich über Bord zu werfen: erst den Pazifismus und jetzt den Umweltschutz. Denn wenn für E-Mobilität Wälder in Südamerika gefällt und die Indigenen vertrieben werden, damit man Lithium für die Akkus von E-Bikes und E-Autos aus der Erde holen kann, wenn in Deutschland ebenfalls Wälder gefällt werden, um gigantische Windkraftanlagen an ihrer Stelle zu errichten, ist das der vorläufige Gipfel der Naturzerstörung. Und all das wird von der erwähnten Partei abgesegnet und als Energiewende ausgegeben.

Ich hinterfrage immer mehr auch die Geschichte vom menschengemachten Klimawandel und dem angeblich so bösen CO2. Ja, das Klima ändert sich, keine Frage. Das merken alle, die einen Garten haben. Aber inwieweit ist er menschengemacht? Und sind wir Normalbürger die Schuldigen? Ich habe daran mittlerweile erhebliche Zweifel. Und wie bereits an anderer Stelle erwähnt: ohne CO2 gibt es keine Pflanzen, also auch nichts zu essen, weder für uns Menschen noch für die anderen Tiere. Es gibt allerdings menschengemachte Wetterbeeinflussung, z. B. durch HAARP. Das ist eine nicht mehr neue Technologie, von den USA entwickelt als Mittel der Kriegsführung, mit der man den Jetstream beeinflusst und gezielt Dürren hervorrufen kann. Sie wird mittlerweile von etlichen Staaten verwendet. Die amerikanische ehemalige Ordensschwester und Wissenschaftlerin Rosalie Bertell hat darüber vor längerer Zeit ein Buch geschrieben. Nähere Infos hier: https://www.pbme-online.org/2022/06/14/zum-10-todestag-von-dr-rosalie-bertell/

Wolf-Dieter Storl weist in seinem neuen Buch noch auf einen anderen interessanten Gesichtspunkt hin: das Wetter könnte auch durch unsere Einstellungen und Stimmungen beeinflusst werden, in die eine oder andere Richtung. Davon ausgehend, daß die Erde ein Lebewesen ist, das auf die Stimmungen und Handlungen anderer Wesen reagiert, die auf und von ihr leben, finde ich das sogar ziemlich schlüssig.

Hinterfragen möchte ich auch die alte Geschichte vom Schädling Mensch. Ich habe sie selbst mal geglaubt und gedacht, daß es der Erde wahrscheinlich besser ginge, wenn wir Menschen verschwänden. Charles Eisenstein schrieb vor einiger Zeit dazu, daß die Erde als unsere Mutter traurig wäre, wenn wir verschwänden. Wie wäre die Vorstellung, daß wir Menschen uns auf der Planetin Erde mit einer Aufgabe inkarniert haben, so wie alle Wesen eine Aufgabe im Großen Ganzen erfüllen? Wenn wir alle Zellen eines gigantischen lebendigen Organismus sind, dann gehören wir hierher. Wieviel schöner wäre es, wenn wir uns selbst so sähen: als Wesen, die dem Lebendigen dienen und damit Freude und Schönheit in die Welt brächten?

 

Sehnsucht

Ich hatte das in meinem letzten Post empfohlene Buch Coronastaat kurz zur Seite gelegt, weil ein Mann aus meinem Umkreis mir ein Buch gegeben hat, was mich so in seinen Bann gezogen hat, daß ich es in wenigen Tagen durchgelesen hatte: Der Pferdejunge von Rupert Isaacson. Es ist von 2009 und handelt von der Heilung des autistischen Sohnes des Autors. Nachdem die Familie einen jahrelangen Leidensweg hinter sich hatte, ist sie in die Mongolei aufgebrochen, um dort bei Schamanen ihr Glück zu versuchen. Und sie hat es gefunden! Beim Lesen, vor allem als die Familie und die sie begleitenden Personen – Dolmetscher, ein Filmteam, Führer usw. – zu Pferd in die sibirische Taiga kamen und dort in einem Camp von Rentiernomaden den Schamanen antrafen, stieg eine große Sehnsucht in mir auf. Diese Sehnsucht ist alt und kommt immer dann, wenn ich Berichte über Rentiernomaden in Skandinavien und Sibirien lese. Es ist, als würde ein sehr alter Teil in mir berührt, einer, der sich an diese einfache und ursprüngliche Art von Leben erinnert. Und wie soviele Menschen in unserer Kultur habe ich eine starke Affinität zum Schamanentum, weil ich ahne, daß das etwas mit einer starken Verbindung mit der Natur und den geheimnisvollen Kräften zu tun hat, zu denen auch wir vor langer Zeit einmal Zugang hatten, als Menschen ihre Botschaften noch an den Wind weitergeben und mit Tieren und anderen Wesenheiten kommunizieren konnten. Vor etwa 2000 Jahren gab es auch bei uns in Mitteleuropa noch Menschen, die hinter die Dinge schauen konnten, die Seidkonas, die Weledas, Walas und Hagezussen. In der Edda gibt es noch Beschreibungen der alten Heil- und Zauberkünste. Aber mich zieht es noch weiter zurück, in die Welt der Jäger- und Sammlerkulturen, der Waldmenschen, die noch keine festen Häuser kannten, die mit den wilden Tieren zogen und für die alles belebt und beseelt war.

Ich glaube, daß wir die alten Fähigkeiten wieder in uns erwecken können. Und dann brauchen wir kein Internet und all den technischen Mist, der immer mehr zerstört und Menschen in eine virtuelle Realität führt, die sie letztlich dumm und unglücklich macht, weil sie zur äußersten Trennung von allem Lebendigen führt. Aber ich halte nichts von denjenigen, die ein paar Seminare gemacht haben und sich dann Schamane nennen. Davon habe ich einige kennengelernt und kann nur sagen: Nein danke! Um Schamane oder Seherin zu sein, braucht es mehr als ein paar Workshops.

Die Zwetschenernte reichte dieses Jahr nur für einen kleinen Kuchen

Zurück zum Buch: Der Schamane hat eine ziemlich große Summe von der Familie für seine Künste gefordert. Da fragte man sich zunächst, wieso ein Mann, der ein so bescheidenes Leben ohne großen Besitz führt, noch dazu in einer Umgebung, wo es nichts zu kaufen gibt, soviel Geld braucht. Dann aber stellt sich heraus, daß ein großer Teil dieses Geldes an die anderen Familien des Camps geht, damit kein Neid entsteht. Was für eine unglaublich andere Einstellung zu Besitz! Mittlerweile habe ich gehört, daß so ein Vorgehen nicht ungewöhnlich für indigene Völker ist und war: damit alle in Frieden leben können, wird geteilt. Besitz ist dann etwas Fließendes. Kein Neid, kein krampfhaftes Festhalten mehr, kein Horten, geschweige denn sowas Perverses wie Kredite und Zinsen. Die Erde macht es vor: sie gibt uns alles, was wir brauchen und alles kommt und geht in unendlichem Kreislauf.

Letzte Woche war ich in Hamburg. I , die mittlerweile dort in einem riesigen Neubaukomplex wohnt, hatte mich zu ihrem Geburtstag eingeladen. Ich habe gemerkt, daß ich so nicht leben könnte, in einem gigantischen Wohnkasten mit so vielen Menschen. In der S-Bahn schauten die meisten auf ihre Smartphones, es war bedrückend. Die ganze Stadt fühlt sich bedrückend an. Vielleicht liegt das auch an der elektromagnetischen Strahlung, die mittlerweile von überall herkommt. Vor vielen Jahren tauchten einmal ganz plötzlich die Worte „Diese Welt wird untergehen“ in mir auf und ich wusste, daß sie wahr waren. Ja, sie wird untergehen und sie muss untergehen, weil es so einfach nicht weitergehen kann.  Und es wird keinen Guru, keinen Führerin, keine erleuchtete Gestalt geben, der oder die uns rettet. Wir selbst müssen es tun, jeder einzelne von uns ist gefragt. Es geht darum, endlich erwachsen zu werden, davon bin ich überzeugt.

Wer Englisch verstehen kann, dem lege ich ein Video mit Charles Eisenstein ans Herz, indem es auch um diese Themen geht:

https://charleseisenstein.substack.com/p/visions-for-a-more-beautiful-world?publication_id=427455&post_id=136351437&isFreemail=true

„We are offered a choice“ (Charles Eisenstein). Wir entscheiden, wohin wir gehen.

Gute Lektüre

 

Mein Sohn und seine Freundin waren ein paar Tage zu Besuch. Während in anderen Teilen Europas große Hitze herrscht, haben wir hier im Norden durchwachsenes Wetter mit sehr viel Regen und teilweise herbstlichen Temperaturen. Das geht jetzt seit Juni so. Ich beschwere mich aber nicht, weil der Regen gut für die Erde ist. Man muss sich einfach kleidungsmäßig und mental drauf einstellen. Wir hatten jedenfalls eine gute Zeit und waren am Samstagabend in Holtenau im Schiffercafé am Tiessenkai, wo wir Fisch gegessen und den Kreuzfahrt- und Frachtschiffen zugesehen haben, die in der Förde fuhren. Schöner Platz mit toller Aussicht!

Von meinem Sohn habe ich zwei Bücher bekommen, die ich beide empfehlen kann:

Materialermüdung ist ein Roman von Dietrich Brüggemann. Der Autor ist Regisseur u. a. von wenigstens einem Tatort und einer der Initiatoren der Aktion #allesdichtmachen, die ich sehr mutig und gelungen fand. Viele der Künstler, die sich an dieser Aktion beteiligt hatten, mussten dafür erhebliche Nachteile in Kauf nehmen. Dietrich Brüggemann bekam eine Absage von dem Verlag, bei dem sein Buch eigentlich veröffentlicht werden sollte. Er hat dann aber glücklicherweise einen neuen gefunden, denn dieser Roman ist wirklich gut zu lesen. Er befasst sich auf unterhaltsame Weise mit all den Verrücktheiten unserer Zeit und nimmt zu meinem großen Vergnügen den immer unerträglicheren Wokismus sehr fein auf die Schippe.

Das zweite Buch habe ich gerade erst angefangen, kann aber jetzt schon sagen, daß es ein Schatz ist: Coronastaat von Alexander Christ. Alexander Christ ist der Pressesprecher der Anwälte für Aufklärung. Er ist selbst Anwalt und hat seit Beginn der Coronamaßnahmen Einschränkungen unserer Grundrechte mit scharfen Augen und wachem Verstand beobachtet, anwaltliche Hilfe geleistet und war Zeuge der ungeheuren Brutalität der Polizei bei den Demonstrationen der Maßnahmenkritiker in Berlin. Er hat nicht nur Jura sondern auch Philosophie studiert, was man dem Buch anmerkt. Es ist nicht immer leicht zu lesen, aber mir gefällt die Offenheit, mit der er seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema beschreibt. Ich freue mich, daß es Menschen gibt, die den Mut haben aufzustehen und laut zu sagen: Hier ist ein großes Unrecht geschehen – und geschieht immer noch. Und bevor die ganze Sache aufgearbeitet wird, ist kein Verzeihen möglich. Er befasst sich auch mit der erschreckenden Obrigkeitshörigkeit eines großen Teils der Deutschen. Nix gelernt aus 33 – 45! Es wird Zeit, daß wir alle erwachsen werden, dann brauchen wir keine mehr, die uns sagen, was für uns gut und richtig ist.

Alexander Christ hat seinem Buch einen Satz von Kurt Tucholsky vorangestellt, dem ich aus ganzem Herzen zustimmen kann:

„Denn nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“

Synchronizitäten

Einige brauchen dicke Mauern (Château de Spesbourg)

Vorgestern schrieb ich über Kerstin Chavents Artikel über Tiere, in dem auch die Schlange angeführt wurde. Gestern Morgen beim Öffnen der Gartenpforte huschte eine Ringelnatter in den Polsterbeinwell; ich konnte gerade noch ihren Schwanz sehen. Als ich wenig später draußen war,  schlängelte sich diese Ringelnatter über die Stufen vor der Haustür; ich konnte deutlich die weißen Halbmonde an ihrem Kopf erkennen. Ich freute mich sehr und dachte: „Aller guten Dinge sind drei.“ Wenig später sah ich die Schlange wieder vor dem Haus. Dieses Mal verschwand sie unter der großen Salbeipflanze. Und es gab sogar noch eine vierte Begegnung, auch wieder vorm Haus. Es war, als hätte die Schlange Kerstin Chavents und meine Wertschätzung mitbekommen und wollte sich auf diese Weise erkenntlich zeigen. Wie auch immer, es gibt ja diese Märchen, wo eine Schlange in der Nähe von Menschen wohnt und von diesen mit einem Schälchen Milch versorgt wird. Wenn man sie schlecht behandelte oder tötete, kam Unglück über das Haus. Interessant finde ich auch, daß die Schlange in den Märchen oft von einem Kind versorgt wird. Das ist doch eine viel schlüssigere Geschichte als die von Eva und der Schlange, die zur Erbsünde geführt haben soll.

Gestern fuhr ich mit dem Fahrrad zum Kiesgrubenbiotop, um Pflanzen für meinen diesjährigen Kräuterbuschen zu sammeln. Ich traf dort einen Fasan, der sich beeilte wegzukommen, als er mich sah. Verständlich: es standen mindestens vier Hochsitze auf dem Areal, einer davon war umgestürzt. Jedes Jahr ändert sich dort die Vegetation ein wenig. Als ich vor mehr als 10 Jahren diesen Ort entdeckte, wurde an einer Stelle noch Kies abgebaut. Huflattich bedeckte einen großen Teil des Geländes und machte seinem Ruf als Pionierpflanze, die kaputte Böden regeneriert, alle Ehre. Huflattich regeneriert auch entzündete Bronchialschleimhäute und ist eine hervorragende Heilpflanze bei Bronchitis und Raucherhusten. Ich weiß, wovon ich rede: ich war mal starke Raucherin. In den folgenden Jahren kamen andere Pflanzen: Schlafmohn, Karden, Riesenbärenklau, Beinwell, Tausendgüldenkraut, Schafgarbe, Johanniskraut, Frauenmantel, Zahnwurz, Beifuß, Königskerze, roter und weißer Fingerhut. Einige davon haben sich gehalten, andere verschwanden bald wieder wie der gelbblühende, duftende Honigklee, der sich dort nur einen Sommer hielt.

Als ich meinen Strauß fast zusammenhatte und auf dem Weg zu meinem am Tor angeschlossenen Fahrrad war, entdeckte ich eine einzelne Eisenkrautpflanze. Noch eine Synchronizität wie mein Erlebnis mit der Ringelnatter. Ich habe zwei Eisenkrautpflanzen im Garten, die ich vor einigen Jahren in einer Wildpflanzengärtnerei gekauft habe. Aber ich hatte noch nie wildwachsendes Eisenkraut gesehen. Dann entdeckte ich diese Pflanze im Wald um den Odilienberg, wo sie massenweise auf den Wegen wuchs. Und jetzt fand ich sie hier! Sie musste dann natürlich auch in meinen Kräuterbuschen. Eisenkraut wurde früher nicht nur als Heilpflanze geschätzt sondern zu Friedensverhandlungen und Vertragsabschlüssen mitgenommen. Ihr botanischer Name Verbena ist vom lateinischen Verbum (Wort) abgeleitet. Eisenkraut war also die Pflanze, die bezeugte, daß das Wort galt. Wer zu schwierigen Verhandlungen ging, sollte ein Amulett aus Eisenkraut bei sich tragen.

Abends habe ich den Kräuterbuschen dann mit Salbei abgeräuchert und im Flur aufgehängt. Dort erinnert er daran, daß gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen ist.

Um Mitternacht ging ich in den Garten, um ein paar Perseiden zu entdecken. Die Sicht war klar, die Milchstraße spannte ihr Band von Nordost nach Südwest, ich konnte sogar das Reiterlein (Alcor) auf dem mittleren Deichselstern des großen Wagens erkennen, aber die Perseiden machten sich rar. Eine einzelne Sternschnuppe ließ sich blicken. Na immerhin!

Eigentlich…

…wollte ich heute einen internetfreien Tag einlegen und viel im Garten machen. Aber dann stellte ich fest, daß die Schlagsahne im Kühlschrank zur Neige ging und fuhr nach Lütjenburg, um welche zu kaufen. Natürlich ist es keine gute Idee, mit dem Auto 12 km hin und zurück nur wegen Sahne zu fahren, aber heute habe ich mir erlaubt, einer schlechten Idee zu folgen. Weder im Bioladen noch auf dem sehr vollen Markt noch im Reformhaus war Schlagsahne erhältlich. Also fuhr ich etwas missgestimmt zurück und hatte dann eine neue Idee: nämlich in der Selenter Flohmarkthalle nach einem Wäschekorb zu schauen. Ich fand tatsächlich einen sehr gut erhaltenen für 28 Euro.

Ich war schon länger auf der Suche nach einem Ersatz für meinen hässlichen Plastikwäschekorb in 70er Jahre Orange und hatte auch im Onlinehandel danach gesucht. Bei einem Ökoversand gab es relativ preiswerte, ich vermute made in China, denen man aber auf dem Foto schon ansah, daß sie schlecht verarbeitet waren. Ein anderer Anbieter wollte knapp 300 Euro, was vielleicht für Handarbeit ein angemessener Preis, aber für mich einfach zuviel ist. Ich finde den Gedanken, gebrauchte Dinge zu kaufen, sehr sinnvoll: es gibt ohnehin schon mehr als genug Gegenstände in der Welt, die weiterbenutzt werden können. Nur bei Kleidung bin ich noch nicht soweit auf Second Hand zurückzugreifen. Ich trage aber meine Kleidungsstücke in der Regel sehr viele Jahre, d. h. ich brauche sie oft richtig auf.

Dann fing es an aus Eimern zu schütten und damit hatten sich meine Gartenpläne erledigt. Ich setzte mich also vor den Laptop und bestellte ein Ersatzteil für meinen Kaminofen, eine Reinigungsplatte aus Gusseisen. Die alte war durch Hitze völlig verformt und fing an sich aufzulösen. Anfang des Jahres hatte ich die bei dem Mann bestellt, der vor 13 Jahren meinen Ofen eingebaut hatte. Das war nicht einfach, denn er ist telefonisch praktisch nicht erreichbar, ruft auch nicht zurück, wenn man ihm eine Nachricht hinterlässt und hat nur eine Stunde in der Woche seinen Laden geöffnet. Er sagte mir gleich, daß es schwer sei, Ersatzteile zu bekommen. Dann hörte ich nichts mehr von ihm und konnte ihn auch nicht erreichen. Als meine Geduld im Mai zu Ende war, bestellte ich das Teil bei einem Ofenanbieter in Kiel. Dort ging es professioneller zu; meine Bestellung wurde am Computer aufgenommen und ich hatte Hoffnung. Nichts geschah. Irgendwann fragte ich nach und erfuhr, daß man auf die Lieferung warte. Als ich gestern im Internet nach dem Teil forschte, wurde ich sofort fündig und erfuhr, daß es lieferbar sei. Warum ich das so ausführlich erzähle? Ich versuche so oft wie möglich den Einzelhandel zu unterstützen. Den ganz großen Onlineanbieter, dessen Namen jeder kennt, umgehe ich konsequent. In diesem Fall handelt es sich um einen Ofenanbieter aus Meck-Pom. Was ich nun nicht begreife: warum können die beiden Unternehmen, die ich ursprünglich beauftragt habe, das Ersatzteil nicht bekommen? Rätselhaft.

Während vor dem Fenster der Regen fiel, surfte ich ein wenig herum und stieß auf Texte, die ich weiterempfehlen möchte: blog.bastian-barucker.de/im-gespraech-mit-klimaaktivisten-verstaendnis-fuer-die-letzte-generation/

Sehr lesenswert, weil völlig ohne Polemik und alle Seiten sehr offen ausleuchtend. Ich bin es zunehmend leid, im Internet und auch im privatem Kontext dem Dauergeschimpfe auf die „Anderen“ zu begegnen. Ja, es gibt eine Menge Gründe, wütend und empört zu sein und die vergangenen dreieinhalb Jahre haben diese Gefühlszustände noch potenziert. Aber es ist immer das gleiche unheilvolle Muster: dort ist der Feind und hier sind die Guten. Das sagen dann alle und es kann rein logisch nicht stimmen. Außerdem bedienen wir mit dieser Haltung die Absichten derer, die uns beherrschen. Bastian Barucker hat sich also mit den Klimaaktivisten unterhalten, jeder kam zu Wort und jedem wurde zugehört. So kann sich etwas Neues entwickeln.

Auch die wunderbare Kerstin Chavent hat wieder schöne Texte verfasst, z. B. diesen hier: bewusstseinimwandel.blogspot.com/2023/07/verlorene-macht.html

Es geht um die ehemals als heilig angesehenen Tiere Schlange, Ratte und Spinne. Daß die drei nun gerade in unserer Kultur gefürchtet und als vernichtenswert angesehen werden, hat seinen Ursprung in der christlichen Religion. Ich habe viele Spinnen als Mitbewohnerinnen und weiß, daß ihr Anblick für einige meiner Besucherinnen eine Herausforderung ist. Wenn mir ab und zu im Garten oder auf meinen Wanderungen eine Ringelnatter begegnet, freue ich mich. Tja, und Ratten gibt es hier auch. Ich möchte sie nicht im Haus haben, aber ich weiß, daß sie überaus kluge und soziale Tiere sind und bisher halten wir respektvoll Abstand.

 

Tiergeschichten

Jetzt bin ich seit einer Woche wieder zu Hause und denke noch oft ans Elsass zurück. Ich würde gern wieder dahin fahren und dort in Ruhe die alten Stätten und die Pflanzen erkunden.

In der Nähe unseres Dorfes trafen wir bei einem Gehöft auf eine sehr kleine rot-weiß getigerte Katze, vielleicht vier Wochen alt, die uns begrüßte, um meine Beine strich und dann auf Schritt und Tritt folgte. Dann zeigten sich auch ihre Geschwister, die auf einem Holzstapel zwischen Obstbäumen saßen und nicht so zutraulich wie ihr kleiner Bruder oder ihre kleine Schwester waren. Ihre Mutter beobachete uns von Weitem. Nachdem wir ausführlich mit dem kleinen Wesen geschmust hatten, setzten wir unseren Weg fort und das Tier folgte uns. Ich fing an mir Sorgen zu machen. Würde es uns immer weiter begleiten? Und wie würde es zurück zu seiner Familie kommen? Ich weiß ja, daß Katzen einen enormen Orientierungssinn haben, aber diese war so klein und schien uns immer weiter folgen zu wollen. Dann hörten wir lautes Rufen: eins der Katzengeschwister kam hinter uns her und rief. Das Kleine drehte um und ging zu seiner Familie zurück. Es war so schön und rührend, daß dieses Tier keine Scheu vor uns Menschen hatte.

Der Maennelstein, von dem wir bis zum Schwarzwald sehen konnten

Auf der Suche nach dem Jardin des Fées haben wir uns verirrt. Vielleicht lag es an ungenügender Ausschilderung, vielleicht hatten wir beide etwas übersehen, vielleicht wollten die Feen uns nicht empfangen, jedenfalls entschieden wir am späten Nachmittag den Rückweg anzutreten. Wir hatten uns mittlerweile weit von unserem Ausgangspunkt im Ort Lutzelhouse entfernt und kamen unbeabsichtigt am Rande von Urmatt wieder in bewohntes Gebiet. Von dort ging es dann nochmal mit müden Füßen auf Asphaltstraßen einige Kilometer Richtung Auto. An einer Straßenkreuzung entdeckte K. einen Spatz auf der Straße. Er lag auf dem Bauch, einen Flügel seltsam abgespreizt, und atmete sichtbar. Einen Schritt weiter lag der nächste Spatz auf dem Rücken, die kleine Füße angewinkelt. Auch er atmete und sah uns blinzelnd aus glänzenden Augen an. Was war geschehen? Vermutlich waren beide gegen ein vorbeifahrendes Auto geflogen. Sollten oder konnten wir etwas tun? Ich war so erschöpft und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und sagte zu K.: „Wir können sie hier nur in Ruhe sterben lassen.“ Wir gingen weiter, jede mit schweren Gedanken. Meine Tochter fragte: „Wäre es nicht besser gewesen, die beiden an die Seite zu legen, damit kein Auto über sie fährt?“ Ja, vielleicht. Vielleicht auch nicht. K. schlug vor, die Vögel in Sicherheit zu bringen, wenn wir mit dem Auto an dieser Stelle vorbeikämen. Das war nach etwa 20 Minuten. Beide Vögel waren verschwunden. Keine toten Vögel, keine Spur auf dem Asphalt. Langsam kam zögernde Erleichterung: sehr wahrscheinlich hatten die Tiere sich wieder berappelt und waren weggeflogen. Ich habe das vor einigen Jahren mal mit einem Buntspecht erlebt, der mit lautem Knall gegen eins meiner Küchenfenster geflogen war und draußen im Kies lag, lebendig, aber sichtlich benommen. Glücklicherweise hielt sich die Katze drinnen auf. Ab und zu sah ich nach dem Vogel, der schwer atmete und offensichtlich damit beschäftigt war, sich wieder zu sortieren. Irgendwann war er dann weg.

Andlau

 

Elsass

Die Heidenmauer – le mur païen

2008 war ich im Rahmen des Lehrgangs bei Alma mater im Elsass, um dort die Spuren vorchristlicher Stätten zu besuchen. Wir machten damals vom Odilienberg, dem heiligen Berg der Elsässer, Ausflüge und zum Abschluss ein schönes Schnitterinritual unterhalb des Odilienklosters.

Genau im gleichen Zeitraum, nur 15 Jahre später habe ich dieses Jahr mit meiner Tochter diese Stätten besucht. Wenn ich unsere Reise mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich sagen: „Anstrengend.“ Das fing schon mit der Anreise per Auto an (bedauerlicherweise ist die Deutsche Bahn mittlerweile gar keine Option mehr; zu unzuverlässig und unberechenbar): Baustellen und Staus ohne Ende. Wir machten Zwischenstation in Bonn bei meinem Sohn, anders wäre es gar nicht gegangen. In Frankreich wurde es dann angenehmer auf der Autobahn, die uns an Straßburg vorbeiführte. Das letzte Mal war ich 1994 in Frankreich. Mittlerweile funktionieren die Péagestationen, an denen Maut bezahlt werden muss, vollautomatisch. Irgendwie finde ich das traurig. Nach all den Staus entschieden wir uns, die Rückfahrt nachts zu machen. Aber aus unerklärlichen Gründen landeten wir in Köln statt auf der A1 in Leverkusen und es dauerte, bis wir wieder auf dem richtigen Weg waren. Dann kam mitten in der Nacht wieder ein Stau mit absolutem Stillstand. Ein großer Abschleppwagen bahnte sich seinen Weg durch die drei vollbesetzten Spuren. Irgendwann ging es dann weiter. Es regnete sehr stark, so daß schnelles Fahren gar nicht möglich war. Ab Münster war es dann trocken und wir konnten endlich ohne Behinderung nach Hause fahren. Für die  Zukunft stellt sich die Frage, wie man noch verreisen kann: weder Auto noch Bahn sind eine gute Lösung, Fliegen macht auch keine Freude. Sicher ist die Ferienzeit besonders ungeeignet für Urlaube, aber da muss ich mich nach meiner Tochter richten, die berufsbedingt nur in den Ferien reisen kann.

Aber natürlich gibt es auch Schönes zu berichten: von Ottrott aus, wo wir eine Ferienwohnung gemietet hatten, machten wir lange Wanderungen auf und um den Odilienberg und besuchten dort die Heidenmauer, die Odilienquelle, das Kloster, die Grotte des Druides, den Maennelfelsen, von dem aus wir bis zum Schwarzwald schauen konnten und eine Gedenkstätte, die an einen Flugzeugabsturz im Wald erinnert. In unserer Wohnung lag Infomaterial. Da wurden alle Steinsetzungen, die man im Umkreis findet, als keltischen Ursprungs datiert, das sei wissenschaftlich bewiesen. Ich musste lachen, weil es immer wieder die gleiche falsche Behauptung ist. Diese Steinsetzungen sind in vorkeltischer Zeit entstanden und die Heidenmauer, die sich über 10 km um den Odilienberg windet, ist auch keine Befestigungsanlage, da es damals keine Siedlungen im Umkreis gegeben hat. Befestigungen kamen wesentlich später, wie wir an den reichlich vorhandenen Burgen erkennen konnten, z. B. dem Château de Spesbourg und dem Château d’Andlau. Die meterdicken Mauern, die Türme, die Zinnen gibt es erst, seit es Herrschaft und Krieg gibt.

An einem der Tage fuhren wir nach Andlau, einem kleinen Ort, in dem eine überdimensionale romanische Kirche steht. Dort gibt es ein großes Gemälde von Richardis, einer Kaiserin aus dem Stamm der Merowinger, die einen Bären an ihrer Seite hat. Unter der Kirche befindet sich die Krypta. Auch dort findet sich eine Bärin aus Stein. Zu ihren Füßen gibt es eine Klappe aus Holz. Wenn man sie öffnet, kann man sich auf einen Felsen stellen und wenn eine die Hand gleichzeitig in das Maul der Bärin legt, ist ganz deutlich ein starker Energiestrom zu spüren. Die Legende sagt, daß die Bärin Richardis diesen Platz gezeigt hat, indem sie an dem Felsen gekratzt hat. Daraufhin hat Richardis dort eine Kirche bauen lassen. Es gibt etliche schamanische Elemente sowohl in der Geschichte von Richardis als auch der von Odilia. Aber all die alten Geschichten wurden in einem badenwürtenbergischen Kloster zu Märtyrergeschichten umgeschrieben. Das war die Strategie der Kirche, wenn die Bevölkerung an den alten Riten festhielt und nicht bereit war, eine Religion anzunehmen, die auf einem Menschenopfer beruht. Richardis hatte also eine verbündete Bärin und Odilia schlief auf einem Bärenfell und wurde mit der Heilung von Augenkrankheiten in Verbindung gebracht.

Der Wald in diesem Teil der Vogesen unterscheidet sich sehr vom norddeutschen Wald: vorherrschend sind Esskastanienbäume, Robinien, gelegentlich Walnussbäume und Stechpalmen, auch Tannen. Und es gab es reife Blaubeeren. Es gibt auch viele Fichtenmonokulturen, die wie bei uns in einem trostlosen Zustand sind. Es lagen unglaublich viele gefällte Bäume im Wald herum und stellenweise hatten Harvester den Boden verwüstet. Später erfuhren wir auf einer Infotafel, daß man möglichst schnell alle vom Borkenkäfer befallenen Fichten fällen und abtransportieren wolle. Ob das eine gute Idee ist, bezweifle ich. Mir leuchtet da eher ein, was Peter Wohlleben zum Thema Fichten und Borkenkäfer sagt: nicht die Borkenkäfer sind das Problem sondern die Monokulturen.  Man solle diese Bäume sterben lassen und dann den Wald sich selbst überlassen. Wie alle lebendigen Systeme werde er sich regenerieren.

Ich entdeckte eine Tollkirsche im Wald, Stechäpfel, viele riesige Wasserhanfpflanzen, Eisenkraut, das mitten auf den Wanderwegen wuchs und einiges mehr, was ich zu Hause nicht finde. Mein Pflanzenbestimmungsbuch hatte ich zu Hause gelassen, haderte damit aber nur kurz, weil ich auf diese Weise die unbekannten Pflanzen viel genauer betrachten musste, um innere Bilder für die spätere Bestimmung mitzunehmen.

Am Donnerstag besuchten wir den Markt von Obernai, einer nahegelegenen Kleinstadt. Der befand sich in einer Lindenallee auf den Remparts, die sich um die ganze Innenstadt ziehen und auf denen die alte Stadtmauer stand. Wir deckten uns mit Gemüse, Eiern und Käse ein. Ein Imker verkaufte Tannenhonig und ich kam mit ihm ins Gespräch – auf Französisch. Wir haben richtig gefachsimpelt und ich freute mich darüber, daß mein Französisch dank François‘ tollem Unterricht so gut geworden ist, daß ich mich recht flüssig unterhalten und die Menschen verstehen konnte. In der Altstadt von Obernai ließ uns ein lautes Klappern nach oben schauen und da saß ein Storchenpaar auf seinem Nest. Später sahen wir auch viele Störche auf einer Wiese.

Am vorletzten Abend gingen wir essen: lecker und teuer. Ich aß Choucroute (Sauerkraut) mit Fisch. Sauerkraut ist typisch für das Elsass und die Kombination mit Fisch fand ich überraschend  gelungen. Später ging der Koch herum und fragte, wie es geschmeckt habe. Er sprach Deutsch und ich antwortete auf Französisch. Er wirkte gut gelaunt und tätschelte meinen Rücken. In Barr hatten wir eine seltsame Begegnung: ein älterer Mann sprach uns auf Deutsch an und forderte uns auf seinen Garten anzusehen. Das wollten wir nicht und ich sagte, daß wir einen Salon de thé (witzigerweise heißen die Cafés in Frankreich so) suchten. Er führte uns zu einem, redete dabei die ganze Zeit ein mir weitgehend unverständliches Deutsch, lachte seltsam und machte ebenso seltsame Sprüche über Deutsche („Die Deutschen sind da, dann ist alles klar“). Glücklicherweise folgte er uns nicht ins Café, wo wir Gâteau de myrtilles (Blaubeerkuchen) und Forêt noire (Schwarzwälder Kirschtorte) aßen. Kochen und backen können sie, die Franzosen! Ich fand die Leute fast überall sehr freundlich. Man grüßt sich auf den Wegen und der Straße mit „bonjour“ und einige setzten sogar ein „mesdames“ dazu, zum Abschied wünscht man sich „bonne journée“ oder „bonne soirée“. Ein alter Mann half mir an der Tankstelle mit dem Benzinschlauch, der sehr lang gezogen werden musste, weil meine Tanköffnung auf der falschen Seite war. Dabei verwickelte er mich in ein Gespräch über die horrenden Spritpreise, die den deutschen entsprechen.

Schönes und Trauriges

Draußen gewittert es

Gestern machte ich einen Gang durch die Landschaft. Der Weg hinter dem Gutsgelände ist mit alten Eichen, Kirschbäumen und Eschen gesäumt. Ich hörte ein Summen und schaute hoch: aus einem Loch in einer Esche flogen Bienen. Das hat mich sehr erfreut, zumal ich seit vielen Jahren auf der Suche nach wilden Bienen bin. Vielleicht ist es einer der Schwärme aus meinen beiden Völkern, den ich nicht einfangen konnte. Wahrscheinlich sogar, denn die wenigsten Imker lassen ihre Völker schwärmen. Die Bienen haben sich einen guten Platz ausgesucht, weil weit und breit kein Gift gespritzt wird. Viel Glück für euch, ihr lieben Bienen!

Der Weg führt zwischen zwei Teichen hindurch. Dort wurde vor einiger Zeit das Wasser abgelassen. Das habe ich bei anderen Teichen im Umkreis schon öfter gesehen, sie füllten sich aber irgendwann wieder. Ich weiß nicht, warum man das macht. Diese beiden Teiche jedenfalls sind mittlerweile knochentrocken und die Zu- und Abflüsse ebenso. Wo sind die Seeadleer, die Schwäne, die Blässhühner, die Silberreiher, die Ringelnattern, die hier alle gewohnt haben, geblieben? Ein neu aufgestelltes Schild informiert darüber, daß es Probleme beim Wiederaufstauen der Gewässer gegeben habe und man sich um Abhilfe bemühe.

Am Feldrand saß eine Krähe, die mal hier, mal da herumpickte. Sie flog nicht auf, als ich näher kam. Ich ging langsam und sie machte ein paar Hüpfer von mir weg. Als ich an ihr vorbei ging, sahen wir uns an und ich sah die Angst in ihren Augen. Offensichtlich konnte sie nicht fliegen. Im Weitergehen dachte ich darüber nach, ob und wie ich ihr helfen könne. Sie einfangen und zum Tierarzt bringen? Aber beim Einfangen würde ich ihr noch mehr Angst machen und es vielleicht auch gar nicht schaffen, sie zu greifen. Zum Tierarzt könnte ich sie erst morgen bringen, weil ja Sonntag war. Und wie sollte ich sie zu Hause unterbringen und vor der Katze schützen? Ist es überhaupt richtig, mich in das Schicksal dieses Tieres einzumischen? Habe ich ihr Einverständnis? Würde ich ihr mit meiner Hilfe nicht vielleicht noch mehr Schaden zu fügen? Ich musste an ein lange zurückliegendes Ereignis denken: an der dänischen Nordseeküste fand ich eine offensichtlich kranke Möwe, die im Sand lag. Ich nahm sie auf und brachte sie in die Dünen. Der Freund, mit dem ich unterwegs war, rügte mich dafür. Er sagte, daß die Möwe am Strand von der Flut geholt worden wäre und das wäre sicher ein gnädigeres Ende für sie gewesen. Er hatte recht! Wieder so ein Beispiel von: Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut.

Ich unternahm also nichts und schaute mich im Weitergehen immer wieder nach ihr um. Obwohl ich meine Entscheidung, sie sich selbst zu überlassen, getroffen hatte, machte mich das alles traurig. Ich konnte nur die Helferwesen aus der Anderswelt um Unterstützung für sie bitten.

Möglicherweise eine Hühnerkralle, die ich im Wald gefunden habe

Zum Thema Helfen: viele Menschen haben mittlerweile eine Patientenverfügung, was ich auch sinnvoll finde. Allerdings heißt das nicht, daß man sich daran hält. Wenn z. B. jemand tot umfällt, wird der Rettungsdienst gerufen und  setzt einen Defibrillator ein, um den Menschen zu reanimieren. Oder hilfreiche Passanten versuchen sich in Herz-Druck-Massage. Erst viel später, im Krankenhaus, wird vielleicht mal in die Patientenverfügung geschaut, wo dann möglicherweise die Reanimation explizit ausgeschlossen wird. Ich habe als Krankenschwester einige Reanimationen an Patienten erlebt. Keiner hat danach das Bewusstsein wieder erlangt, auch wenn das Herz wieder angefangen hat zu schlagen. Eine Frau wurde im Urlaub reanimiert und kam dann zu uns in die Psychiatrie mit einem gewaltigen Hirnschaden. Sie konnte kaum sprechen und hatte ihr Gedächtnis verloren. Ich will nicht reanimiert werden. Ich habe auch keine Angst vor dem Tod. Ich weiß, daß es danach weitergeht, in einer anderen Dimension. Denn Energie geht nicht verloren.

Schachtelhalm, aus dem ich mir Tee mache. Der kann viel, unter anderem Aluminium aus dem Körper ausleiten und dabei helfen, kaputte Gelenkknorpel zu regenerieren.

Gurus

Vor mehr als einem Jahr habe ich mich von meinem Kundalini-Yoga-Kurs abgemeldet, an dem ich 17 Jahre teilgenommen hatte. Der Anlass war die 2G-Regelung, die mich vom Yoga ausschloss. Ich fing dann im letzten Sommer mit Hatha-Yoga in meiner Nähe an, was mir neue Erfahrungen bescherte. Gleichzeitig wurde meine Sehnsucht nach Kundalini-Yoga immer größer: mir fehlten das Mantrasingen und die Meditationen, die besondere Atmosphäre und die ruhige und besondere Art meines Yogalehrers. Am letzten Donnerstag ging ich das erste Mal wieder zu ihm und es war einfach schön. Während wir unsere Übungen machten, standen die Glastüren wegen des schwülen Wetters weit auf und dann kam endlich das Gewitter. Ich genoss das Rauschen des Regens nach all den Wochen der extremen Trockenheit, ich genoss die Mantras und die Kriya (Übungsreihe) und fuhr mit einem satten und wohligen Gefühl nach Hause.

Es regnete dann auch das ganze Wochenende, das ich bei K. und M. in Flensburg verbrachte, und ich freute mich: endlich Wasser! Meine Regentonnen sind wieder voll, der Garten ist gut getränkt, alle Pflanzen sehen gut aus. Mein Sohn kam für zwei Tage vorbei. Als er das üppige Basilikum vor der Haustür entdeckte, schlug er vor, ligurisches Pesto zu machen. Wir sahen uns einen kleinen Film mit der Köchin Samin Nosrat an, in dem sie von einer italienischen Frau im Pestomachen unterwiesen wurde – im Mörser. Mein Sohn mörserte die Zedernüsse (Ersatz für Pinienkerne), das Basilikum und Salz, während ich den Pecorino rieb. Nicht alles sind Originalzutaten; wir nahmen halt, was da war. Dann kam noch Olivenöl dazu. Ich habe nie ein so gutes Pesto gegessen. Ich kaufe kein Pesto im Glas, weil da immer Sachen drin sind, die ich nicht essen möchte und die da auch nicht reingehören, z. B. Verdickungsmittel. Im Frühjahr leiste ich mir ab und zu Bärlauchpesto vom Freiburger Olivenstand auf dem Markt, was selbstgemacht und ziemlich lecker ist. Aber dieses hatte ein besonders feines Aroma, sicher wegen der Frische, ich vermute aber, daß auch die Zubereitung im Mörser statt mit dem Pürierstab den Unterschied machte. Der Kontakt mit dem Metall lässt das Basilikum oxydieren.

Eine kleine Wildwiese auf dem Balkon in Flensburg, die von Insekten besucht wird

Beim Yoga kam die Rede auf Yogi Bhajan. Das ist der Mann, der Kundalini-Yoga in den Westen gebracht hat. Vor einigen Jahren wurde, ausgelöst durch das Buch einer seiner Schülerinnen, bekannt, daß er sie und wohl auch andere Frauen sexuell missbraucht hat. Seitdem wird dieses Thema in der Kundalini-Yoga-Szene aufgearbeitet. Wer sich dafür interessiert, kann sich ein Interview mit dem Hamburger Yogalehrer Satya Singh ansehen, daß ich sehr gut finde: www.youtube.com/watch?v=ctf58WV2MTQ. Mir gefällt Satya Singhs ruhige, reflektierte und ehrliche Art. Außerdem hat er Humor. Und mir gefällt, wie mit den Enthüllungen um Yogi Bhajan umgegangen wird. Hier scheint wirkliche Aufarbeitung stattzufinden, was ja sonst nicht üblich ist, siehe Missbrauchsfällte in der katholischen Kirche, um nur ein Beispiel zu nennen.

Daß ein Lehrer, Therapeut oder sich in einer vergleichbaren Machtposition befindende Mensch seine Schülerinnen, Klientinnen missbraucht, ist nicht neu und auch nicht selten. Ich weiß es aus der Körpertherapeutenszene und habe Frauen gekannt, die persönlich betroffen waren, ebenso Therapeuten, die ihre Klientinnen missbraucht haben. Ich selbst war nicht betroffen. Im Kundalini-Yoga gibt es klare Regeln, wie Sexualität zu gestalten ist: in einer lebenslänglich monogamen Beziehung, einmal im Monat. Nun, für Yogi Bhajan galten diese Regeln ganz offensichtlich nicht. Ich finde es immer höchst verdächtig, wenn Menschen Regeln für sexuelles Verhalten aufstellen. In unserem Kulturkreis hat das die katholische Kirche in der beginnenden Neuzeit gemacht (Missionarsstellung, Monogamie). In meiner Jugend war es noch üblich, unverheiratete Frauen zu ächten, die schwanger wurden. Die Männer, die sie geschwängert hatten, wurden aber nicht geächtet. Mir ist von meinem Vater eingebläut worden, daß mein Leben als sexuelles Wesen vorbei wäre, wenn ich vor der Ehe schwanger würde, weil mich dann kein Mann mehr ansehen würde.

Im Laufe meines bald 70jährigen Lebens habe ich das gelernt: der Versuch, Sexualität zu regulieren und zu tabuisieren, funktioniert nicht. Der Trieb ist eine gewaltige Kraft, die sich nicht in Ketten legen lässt. Irgendwann brechen die lange unterdrückten Bedürfnisse durch und suchen Erfüllung. Die Strategien, mit der diese wilde Kraft gezähmt werden soll, haben in den letzten zweitausend Jahren aber zu erheblichen Störungen bei Männern und Frauen ungeführt, zu Verzerrungen des sexuellen Verhaltens. Da ist viel Heilungsarbeit notwendig. Ich lese gerade das Buch Sacred Sex von Vivian Dittmar, das mir meine Tochter geschenkt hat. Ich mag die Art, wie sie sich dieses Themas annimmt. Sie ist so klar, so freundlich und sie verzichtet gänzlich auf Schuldzuweisungen an die Männer. Sehr angenehm!

Buchweizen