Holles Blog

Natur

Morgens, wenn ich mit meinem Kaffee im Holzschuppen sitze und in die Landschaft schaue, sehe ich die hohen Gräser, die sich im Wind wiegen. Manchmal wehen Wolken von Pollenstaub über sie hinweg. Ich staune über die filigranen Formen ihrer Blüten. Dieser Anblick ist mir vergönnt, weil ich große Teile der wilden Wiese nur ein- bis zweimal im Jahr mit der Sense mähe. Ich gehe weit in der Zeit zurück, in unsere Sommer in Tirol. Auf meinen Streifzügen durch die Wiesen entdeckte ich Zittergras mit seinen bezaubernd schönen Blütenköpfen. Wer denkt sich diese Formen aus? Einmal fand ich einen großen Türkenbund. Meine Mutter schenkte mir ein Büchlein über die Pflanzen der Alpen und die entdeckte ich dann alle, wenn wir die umliegenden Berge bestiegen: Enzian, Alpenglöckchen, Edelweiß, Knabenkraut und viele andere. Das war mein erstes Pflanzenbestimmungsbuch. Ich freute mich auch über die kleinen grauen Kühe, deren Glockengeläut man von Weitem hören konnte.

In den schwierigsten Zeiten meines Lebens hat mir die Natur geholfen. Ich erinnere mich daran, daß ich in einer der vielen Krisenzeiten meiner ersten Ehe nach dem Nachtdienst mit dem Fahrrad nach Hause fuhr – es muss im Frühjahr oder Sommer gewesen sein – und plötzlich ganz bewusst den Gesang der Vögel wahrnahm. Und damit kam eine Gewissheit in mich, daß unter dem ganzen Alltagsstress und dem Dauerstreit mit meinem damaligen Mann eine andere Wirklichkeit lag, eine Schönheit, eine Liebe, die alles durchdringt und alles miteinander verbindet. Da konnte ich innerlich einen Schritt hinter meinen Ärger treten und wieder fühlen, was mich mit N. verband. Das hielt nie lange vor, aber in diesen Momenten fühlte ich mich vollständig.

Ende der 70er Jahre kamen die ersten Bücher von Carlos Castaneda zu mir: Das Leben des Don Juan und Die Reise nach Ixtlan. Sie haben mich damals in der Tiefe angesprochen und mir eine ganz neue Welt eröffnet. Oder vielleicht war sie gar nicht so neu, vielleicht rührte sie nur an etwas, was ich als Kind gespürt und über das ich nie mit einer Menschenseele gesprochen hatte: daß sich hinter der äußeren Welt eine andere verbirgt, zu der ich so gern Zugang haben wollte. N., der mich mit diesen Büchern bekannt gemacht hatte, und ich sprachen oft darüber. Wir waren beide gleichermaßen fasziniert. Den Tod als Begleiter erkennen, Leben im Bewusstsein, daß der Tod immer hinter uns steht, das war ein Kerngedanke aus diesen Büchern, der mich seitdem nie wieder verlassen hat. Auch der Tod ist Natur.

Kürzlich sprachen ein Freund und ich über Leben. Als ich einen Bergkristall in der Hand hielt und sagte, er sei lebendig, widersprach er mir und als ich beharrte, sagte er: „Aber nur ein bisschen.“ Solche Abstufungen kann ich nicht machen. Nur weil ich mit meinen Sinnen nicht in der Lage bin, die Lebensäußerungen eines Kristalls oder Steins wahrzunehmen, kann ich ihm nicht die Lebendigkeit absprechen. Und ist nicht das Silizium, daß den Bergkristall formt, auch in meinem Körper enthalten? Habe ich nicht alle Elemente in mir, Wasser, Erde, Luft und Feuer? Ute Schiran bezeichnete uns in unserer derzeitigen Lebensform gern als Schwammerl (ihre Muttersprache war das Bayrische). Das gefällt mir: die Pilze sind unterirdisch untereinander und mit anderen Wesenheiten verbunden. Alles ist miteinander verbunden.

Wenn ein Arzt sagt, eine Strahlenbehandlung wirke punktgenau auf den Tumor, kann ich mich nur wundern. Wie kann er so etwas behaupten? Nichts wirkt punktgenau, weil alles miteinander in Kontakt steht und sich mitteilt. Wenn eine Stelle im Gewebe des Lebens berührt wird, bewegt sich das ganze Gewebe. Das habe ich kürzlich selbst erlebt: Wegen anhaltender Schmerzen in der rechten Leistenbeuge, die von einer Fehlstellung in meiner unteren Wirbelsäule kommt, hatte ich eine Behandlung bei einer Schmerztherapeutin. Während sie an meiner Beckenregion arbeitete, spürte ich es bis in die Zehen meines rechten Fußes. Ich sagte es ihr und sie antwortete: „Ja, das sind die Faszien.“ Kürzlich habe ich von einem alternativ arbeitenden Arzt erfahren, daß man heute davon ausgeht, daß die Faszien, die unseren ganzen Körper durchziehen, Informationen weiterleiten.

Dazu fallen mir die Bienen ein: sie verständigen sich auf verschiedenen Wegen. Allgemein bekannt ist der Schwänzeltanz, mit dem sie sich Nektar- und Pollenquellen sowie mögliche neue Behausungen mitteilen. Sie kommunizieren ebenso wie andere Tiere, inklusive wir Menschen, auch über Pheromone. Darüber hinaus verständigen sie sich über ihre Waben, indem sie sie in Schwingungen versetzen. Das funktioniert aber nur bei Naturwabenbau ohne die Rähmchen, mit denen die meisten Imker arbeiten, um den Honig abschleudern zu können.  Ich stelle mir vor, wie in meinem Körper die Faszien ebenso wie die Waben der Bienen schwingen und sich auf diese Weise allen Zellen mitteilen.

Die Natur ist nichts, was sich außerhalb von mir befindet. Ich bin Natur. Ich bin Landschaft. Ich bin nie allein. Paradoxerweise kann ich das am besten wahrnehmen, wenn ich allein, das heißt ohne Menschen bin. Und diese Zeiten des Ohne-Menschen-Seins brauche ich immer wieder, um mich ganz zu fühlen.

Nomaden

Der Kormoran saß am Löschteich und war sichtlich beunruhigt, als ich wenige Meter entfernt vorbeiging, blieb dann aber sitzen. Auf dem Rückweg war er immer noch da. Heute hatte ich eine andere Tierbegegnung, als ich ein Stück Wiese mit der Sense mähte: eine sehr kleine Ringelnatter schlängelte sich geschmeidig durchs Gras. Ich konnte deutlich die hellen Halbmonde an ihrem schwarzen Kopf erkennen.

Ich nutze die wenigen Tage, an denen es nicht regnet, um im Garten zu arbeiten. Was im letzten Jahr zu wenig war – Wasser – gibt es seit mittlerweile über einem Dreivierteljahr mehr als reichlich. Ich muss meine Beete nicht gießen, außer die Tomaten im Gewächshaus, aber dafür musste ich dieses Jahr meine Verhandlungen mit den reichlich vorhandenen Schnecken wieder aufnehmen. Sie mögen die frisch aufgegangene Saat lieber als die Pflanzen auf der Wiese. Ich töte sie nicht, das habe ich in den vielen Jahren nie getan, und die Methoden, die manche Gärtner anwenden, um sie zu vernichten, sind mir zuwider. Außerdem scheint ihre massive Verfolgung nur dazu geführt zu haben, daß sie ihre Nachkommenschaft vervielfacht haben. Das ist Selbstregulation. Wen es interessiert, wie ich mit ihnen umgehe, dem empfehle ich das Buch Schneckenflüstern statt Schneckenkorn von Hans-Peter Posavac. Vielleicht wollen die Schnecken uns darauf hinweisen, daß unsere Lebensweise nicht im Einklang mit der Natur ist.

Immer mehr habe ich die Vermutung, daß die Sesshaftigkeit, an die wir uns so gewöhnt haben, nicht unserer wahren Natur entspricht. Die längste Zeit hat Homo sapiens als Nomade gelebt, ist mit den Tieren gewandert. Es gibt noch indigene Völker, die das tun, aber ihnen wird zunehmend ihre Lebensweise unmöglich gemacht. Ob das die Sami im Polarkreis sind, die Stämme, die die südamerikanischen Regenwälder bewohnen oder afrikanische Nomadenvölker, überall wird ihnen ihr traditionelles und bewährtes Leben unmöglich gemacht, etwa weil sich auf ihrem Land Bodenschätze befinden, etwa Lithium. Wie wäre es, wieder mit leichtem Gepäck zu reisen, ohne Besitz zu sein und im Vertrauen darauf zu leben, daß die Natur uns alles gibt, was wir brauchen? Wie wäre es, sich wieder als Teil der Landschaft zu fühlen? Herrschaft ist nur möglich, wenn man Menschen in Siedlungen hält, in viereckigen Kästen, die uns von der Natur abschneiden.

Ich habe ein sehr interessantes Buch gelesen: Sand Talk – Das Wissen der Aborigines und die Krisen der modernen Welt von Tyson Yunkaporta. Der Autor ist selbst Aborigine, wobei er von sich selbst sagt, daß er neben einem richtigen Blackfella aussähe wie Nicole Kidman, also ziemlich weiß. Er macht keinen Hehl daraus, daß er sich indigenes Wissen stückweise wieder aneignen musste und beschreibt auch, wie er dazu in unzählige Gespräche, er nennt sie „Yarns“, und Treffen gebraucht hat. Die Aborigines haben wie alle Indigenen weltweit sehr viel Leid und Zerstörung durch die Weißen erfahren und tun es immer noch. Yunkaporta geht mit den Weißen hart ins Gericht, er hat dabei einen schön bissigen Humor. Ich hatte beim Lesen viel Spaß. Es gab auch einige Aha-Erlebnisse, wenn er unserer gewohnten Weltsicht eine völlig andere entgegensetzt. Beispiel: Warum ist auf den Landkarten der Norden immer oben? Weil das die Geographie der Herrenrasse ist: oben sind die, die sagen, was gut und richtig ist für den Rest der Menschheit. Für Aborigines ist aber Tasmanien, das im Süden von Australien liegt, oben. Auch fragt er, warum die Europäer so mies drauf sind, daß sie die ganze Erde beherrschen wollen: es müsse etwas Furchtbares in ihrer Geschichte geschehen sein. Gut gefallen hat mir auch, wie er Frauen sieht. Das hat so gar nichts mit dem Frauenbild zu tun, das wir in unserer Kultur mit der Muttermilch aufgesogen haben. Auch den Mythos von den jagenden Männern und den sammelnden Frauen zerpflückt er genüsslich. Oder daß die Aufgabe von Männern sei, Frauen zu beschützen. Dazu kann ich aus eigener Erfahrung sagen: wenn ich mich auf den Schutz von Männern verlassen hätte, dann wäre ich verlassen gewesen. Für ihn spricht auch, daß er sich mit Feminismus beschäftigt hat, um Frauen, besonders europäische Frauen, zu verstehen. So hat er die Schriften der Feministin Germaine Greer studiert. Welcher weiße Mann kann das schon von sich behaupten? Ute Schiran hat uns von einem Treffen mit Aboriginefrauen erzählt, bei dem es um deren Verständnis von Zeit ging. Das klang so anders, so geheimnisvoll, so unserem Denken entgegengesetzt und ich hätte gern mehr darüber erfahren. Yunkaportas Buch ist in meinen Augen absolut authentisch, ohne Verklärungen, da er auch die massiven Beschädigungen dieser uralten Kulturen beschreibt.

Ich bin vor einigen Jahren durch die Oya auf eine weiße Australierin gestoßen: Narelle Carter-Quinlan. Sie hat bei einer Aboriginefrau gelernt und bezieht ihr Wissen in ihre Arbeit als Yogalehrerin und Tänzerin mit ein. Sie hat eine Yogaform für Menschen mit Skoliose entwickelt und zieht Analogien zwischen Körper und Landschaft. Sehr spannend für mich, weil ich mit dieser Analogie stark in Resonanz gehe und weil ich seit meiner Geburt mit einer Skoliose lebe. Wer sich für ihre Arbeit interessiert: www.saltwatersonglines.com/wild-yoga-for-scoliosis-blog

Musik für den (inneren) Frieden

Ich habe lange geduldig darauf gewartet, daß Markus Stockhausen mit seinem Projekt Lange Töne für den Frieden in den Norden kommt. Am Pfingstsonntag war er in Plön mit einem neuen Format, einer Art Konzert-Workshop, zu dem ich mit meiner Tochter fuhr. Nach etwas mehr als drei Stunden kamen wir sehr beeindruckt wieder nach Hause.

Markus Stockhausen ist ein feingliedriger und feinsinniger Mann. Diese beiden Attribute fallen mir zu ihm ein. Er sprach über den Frieden, über das Ende des Alten und den Beginn einer neuen Zeit, die viele von uns mehr und mehr fühlen können, über das Wahrnehmen, über den inneren Frieden, ohne den es keinen Frieden im Außen gibt. Er erwähnte auch die letzten vier Jahre und spätestens da wusste man, wes Geistes Kind er ist (was man auch auf seiner Homepage erfahren kann, wenn man liest, womit er sich außer der Musik noch beschäftigt). Aber eigentlich sprach er gar nicht viel. Er stellte Fragen, die dann unbeantwortet weiterwirken konnten. Dann spielte er auf Flügelhorn und  Trompete, animierte uns, Töne von uns zu geben, begleitete das auf dem Flügel, machte eine kleine Übung mit den fünf Vokalen, ermunterte uns, der vorm Fenster singenden Amsel zu lauschen und zwischendurch gab es ganz viel Stille.

Die gesummten, gesungenen oder anderweitig hervorgebrachten Töne kamen immer freier, dazu Bewegungen; Markus regte uns an, alle Begrenzungen zu lassen. Anfangs fühlte ich noch ein Widerstreben in mir. Ich hatte Rückenschmerzen und fühlte mich etwas behindert. Aber dann kam ich mehr und mehr in einen Flow, als wir in zwei konzentrischen Kreisen standen und summten, sangten, schnalzten, stampften, klatschten und allmählich und wie von selbst ein vielstimmiger Zusammenklang entstand, der sich veränderte, anschwoll, abebbte und wieder in Stille mündete.

Das ist eine Form von Magie. Ich bin mit Kunst aufgewachsen. Mein Vater hatte Kunst studiert und ist mit mir in alle verfügbaren Museen gegangen, hat mir Malmaterial gegeben und ab und zu einen Rat. Aber wie enorm wichtig Kunst ist, habe ich bewusst erst durch die von Künstlern initierte Aktion #allesdichtmachen begriffen.

Zum Schluss regte Markus Stockhausen an, daß man noch ein wenig zusammensitzen und sich austauschen könne. Ich hatte nicht viel zu sagen, war noch sehr mit Nachfühlen beschäftigt. Aber ich konnte ihm Danke für seine schöne Arbeit sagen.

Zur gleichen Zeit, über Pfingsten, fand in Österreich das von Heinrich Staudinger initiierte Pfingstsymposium statt, mit Eugen Drewermann als Hauptredner. Für diesen aufrechten, klugen, alten Mann, der so unerschrocken seinen Mund aufmacht und die Wahrheit ausspricht, habe ich in den letzten Jahren viel Sympathie entwickelt. Auch bei diesem Treffen ging es um den Frieden. Es ist ja beides im Feld: der Krieg und der Frieden. Für den Krieg wird derzeit sehr getrommelt, auch und gerade von Menschen, von denen ich das nie geglaubt hätte. Ich finde, daß all die, die jetzt laut sagen, daß Frieden nur durch Waffen hergestellt werden, die sollen von mir aus an die Front gehen und den Krieg führen, den sie so notwendig finden. Aber dann gibt es die klaren Köpfe, die sagen: wir haben dieses Spiel viele tausend Jahre gespielt. Wir wollen es nicht mehr. Das Spiel ist aus. Wir wollen das machen, wofür wir hierher gekommen sind, für ein schönes Leben auf einer schönen Planetin.

Am Sonntag bekam ich mal wieder Besuch…

…von der Hindernisbereiterin, dieser Wesenheit, die gern Steine in den Weg legt. Ich hatte mir vorgenommen, einen langen Gang zu machen und den Mai zu begrüßen. Gerade als ich soweit war, fing es an zu gießen. Das ist eigentlich nichts Neues, schließlich regnet es seit einem Dreivierteljahr unterbrochen von wenigen Tagen, an denen eine die Ahnung bekommt, daß es noch eine Sonne gibt. Aber ich hatte leichtfertigerweise geglaubt, daß nach ein paar regenfreien und sogar sonnigen Tagen jetzt endlich eine Wende im ewig nassen und kalten Wetter geschieht.

Däumchen drehen ist nicht so mein Ding. Also setzte ich mich an die Nähmaschine. Kaum hatte ich eine halbe Naht genäht, ließ die Nadel sich nicht mehr bewegen. Ich musste leider Gewalt anwenden und sie abbrechen. Dann tat ich alles, was ich konnte, um die Maschine wieder in Gang zu bringen, mit dem Resultat, daß ein paar Stiche möglich waren und die Maschine von Neuem streikte. Nachdem ich längere Zeit mit etlichen vergeblichen Versuchen verbracht hatte, musste ich das Nähprojekt entnervt aufgeben.

Ich beschloss trotz Regen und warm angezogen meinen Gang zu machen. Bewegung ist für mich eine relativ sichere Methode schlechte Laune loszuwerden. Vorbei an der Esche, in der letztes Jahr noch ein Bienenvolk lebte, möglicherweise ein Schwarm meiner Bienen von meinen Völkern. Die Bienen sind mittlerweile tot, die Öffnung ist vielleicht von einem Tier erweitert worden und darin konnte ich eine Wabe entdecken. Dann ging es zu den Teichen, die mittlerweile mehr als voll sind. Dort hob sich meine Laune schlagartig, denn ich hörte den melancholischen Chor von Unken. In den fast fünfzehn Jahren, die ich hier mittlerweile lebe, hat es in diesen Teichen noch nie Unken gegeben. Aber jetzt! Seit ich das erste Mal vor vielen Jahren in Meck-Pomm zum ersten Mal in meinem Leben die seltsame und berührende Musik dieser Tiere gehört habe, bin ich hinter ihnen her. Was für ein Glück! Dann ging ich in den Wald mit der alten hohlen Eiche und den Streuobstwiesen. Der Tümpel, in dem ich letztes Jahr Unken gefunden hatte, war verlandet, aber ein Stück weiter hörte ich sie wieder. Ein kleiner Teich, in dem weißes Schaumkraut wuchs und ein Entenpärchen gründelte, war ihr neues Quartier. Übrigens hat es während der ganzen langen Zeit, die ich unterwegs war, kein bisschen geregnet.

Am nächsten Tag fuhr ich nach Kiel. Dort gibt es einen Mann, der in seiner Hinterhofwerkstatt Nähmaschinen repariert. Er saß fluchend an einer Overlockmaschine und sagte: „Was will man auch von einer Maschine erwarten, die es bei Aldi für 150 Euro gibt.“ Dann nahm er sich meine Maschine vor. Die ist so alt wie mein Sohn, nämlich 50 Jahre und in grellem 70er-Jahre Orange. Meistens funktioniert sie einwandfrei und ich nehme an, daß sie mich überlebt. Das Problem war in weniger als zehn Minuten behoben. Ich wurde nach meinem Beruf befragt und dann bekam ich einen Teil seines wilden Lebens erzählt. Ich erfuhr, daß er nichts von Ärzten hält, außer von Zahnärzten und Unfallchirurgen. Das hat er mit Professor Christian Schubert, Psychoneuroimmunologe in Innsbruck, gemeinsam. In einem Video hörte ich ihn kürzlich auf Schärfste mit seiner Zunft ins Gericht gehen. Die C-Zeit habe ihm gezeigt, daß Schulmedizin tötet und die einzigen Mediziner, denen er noch eine Existenzberechtigung einräumt, seien Zahnärzte und Chirurgen, weil die Handwerker seien. Ich bin in dieser Hinsicht weitgehend seiner Ansicht, frage mich allerdings, wie er zu seiner eigenen Tätigkeit als Mediziner steht. Zurück zu meinem Nähmaschinenmechaniker: er zückte sein Smartphone und zeigte mir viele Fotos von seinen Enkelkindern, die in einer Falknerei die Gelegenheit hatten, Eulen und Greifvögel auf ihrer Hand sitzen zu lassen. Da wäre ich auch gern dabei gewesen. Dann betrat ein Mann in Biker-Kleidung die Werkstatt. Auf seinem Helm befand sich direkt über seiner Stirn das von Dollarnoten bekannte Auge der Vorsehung auf einer Pyramide. „Interessanter Helm“, sagte ich. Er gab mir die Hand. Das gefiel mir. Es ist ja nicht selbstverständlich, daß mir ein wildfremder Mann einfach die Hand gibt, schon gar nicht seit den letzten Jahren.

Alles in allem hat mir die Hindernisbereiterin also ein paar interessante Erlebnisse beschert. Vielleicht sollte ich es zu einer spirituellen Disziplin machen, alle Hindernisse auf meinem Weg als Chancen für die Erweiterung meines Wahrnehmungsfeldes zu nutzen. Ohnehin scheinen ja nur Menschen Wert auf gerade und hindernisfreie Wege zu legen, dabei sind die doch eigentlich meistens die langweiligsten. Meine Katze jedenfalls geht nie gerade Wege. Sie ändert ständig ihre Richtung und entdeckt überall neue interessante Sachen, die erst mal beschnuppert und beobachtet werden müssen. Meistens liegt sie allerdings irgendwo herum und pflegt ihre Traumzeiten.

Können 100 Ärzte lügen?

Vor zwei Wochen sah ich mir den Film Können 100 Ärzte lügen? an. So ein Film kommt in kein Kino. Er wurde in der Geschäftsstelle der Partei dieBasis in Kiel gezeigt und der Regisseur Kai Stuht finanziert sich nur über Spenden. Im Hof stand ein Mannschaftswagen der Polizei. Die Antifa hatte Störaktionen angekündigt. Es gehört zu den Absurditäten dieser Zeit, daß eine Partei wie dieBasis, die sich aus der Querdenkerbewegung heraus gebildet hat, als rechts eingestuft und von den Antifaschisten mit ziemlich rabiaten Methoden bekämpft wird. Wer sich die Mühe macht, das Selbstverständnis von dieBasis auf ihrer Homepage nachzulesen, wird da nicht Rechtes finden. Es genügt, kritisch gegenüber den Maßnahmen und der fälschlich als Impfung bezeichneten Genspritze zu sein, dann ist man rechts. Kleiner Exkurs: Ulrike Guérot, die ihren Job als Professorin wegen ihrer Kritik verloren hat, hat eine bündige Definition des Wortes Faschismus geliefert. Der Begriff stammt vom italienischen fascio (Bündel). Das Symbol ist ein Rutenbündel, in dessen Mitte ein Beil steckt. Das Beil ist die Idee, um die sich Menschen herum bündeln. Alle die, die sich dieser Idee nicht anschließen, sind ausgeschlossen. Diese Definition kann also auf alle gesellschaftlichen Gruppierungen angewendet werden, die sich einer Idee bzw. Ideologie verschreiben und Andersdenkende ausschließen. Also sind auch Antifaschisten im Grunde Faschisten. Faschismus ist Ausschluss von Vielfalt. Und den haben wir in den letzten Jahren reichlich erlebt. Mittlerweile trifft es nicht mehr die Querdenker, die Maßnahmenkritiker oder „Impf“verweigerer, sondern diejenigen, die Frieden ohne Waffen fordern. Mit anderen Worten ist heutzutage das Ausgrenzen en vogue. Exkurs Ende, zurück zum Film.

Auch wenn für mich wenig Neues dabei war, finde ich den Film sehenswert. Es kamen sehr viele Ärzte zu Wort, die sich schon frühzeitig gegen den Umgang mit der angeblich so hochgefährlichen Krankheit kritisch geäußert hatten. Die meisten hatten teilweise schwerwiegende Repressalien erlebt: Hausdurchsuchungen durch mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten, weil sie Maskenatteste ausgestellt hatten, Beschlagnahmungen von Patientenakten, Verhaftungen, Gerichtsverfahren, Berufsverbote. All das, weil sie nicht dem staatlichen Narrativ sondern ihrem Gewissen gefolgt sind. Es wurde über die völlige Nutzlosigkeit von FFP2-Masken berichtet, die eigentlich als Staubschutzmasken gedacht sind und immer nur für kurze Zeit getragen werden sollten. Es wurde über die im Vorfeld absehbaren schwerwiegenden und irreversiblen Schäden durch die sogenannte Impfung gesprochen. Es wurde geschildert, wie von Seiten der Regierung ganz gezielt Angst erzeugt wurde, um die Bevölkerung besser manipulieren zu können: die berüchtigten Bilder von Bergamo, teilweise aus Vor-Coronazeiten und anderen Zusammenhängen stammend. Emer Cooke, Direktorin der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), die im EU-Parlament auf Befragen zugegeben hat, daß die mRNA-Genspritze weder Infektion noch Übertragung von Covid verhindern könne. Obwohl das der deutschen Regierung bekannt war, wurde trotzdem massiv für eine Impfpflicht getrommelt. Kurz gesagt: es wurde gelogen und betrogen, was das Zeug hielt. Nachdem mittlerweile die RKI-Files freigeklagt wurden, dank des mutigen Journalistenteams von Multipolar, bestätigt sich alles.

Während des Films kamen viele meiner damaligen Gefühle wieder an die Oberfläche: Angst vor Zwang und staatliche Willkür, Angst vor der Agenda, die hinter dieser ganzen miesen Show steht, Wut und Fassungslosigkeit über den Dreck, der in den Medien über den „Ungeimpften“ ausgeleert wurde. Und doch hadere ich nicht mit dieser Zeit, denn es gab immer eine Ahnung, wenn auch zeitweise sehr blass, daß dieser ganze geplante Irrsinn einen tieferen Sinn haben könnte: zumindest einen Teil der Menschheit aufzuwecken. Unterm Strich hat das für mich konkret dazu geführt, daß ich viele tolle Menschen kennengelernt habe, die neue Gedanken in die Welt gebracht haben; ich habe noch nie soviele Umarmungen bekommen und gegeben wie in den Zeiten des Kontaktverbotes; es haben sich Selbsthilfeinitiativen gebildet, die neue gesellschaftliche Modelle entwickeln, es haben sich neue Informationskanäle aufgetan, nachdem ich aufgehört habe, Zeitung zu lesen und Radio zu hören, weil klar wurde, daß dort nicht die Wahrheit berichtet wird; ich habe Läden gefunden, in denen es keine Plexiglasabschirmungen gab und wo ich ohne Maske einkaufen konnte; ich habe eine tolle Ärztin gefunden (auch wenn ich selten ärztliche Hilfe in Anspruch nehme, ist es enorm beruhigend, jemand Vertrauenswürdigen für den Notfall zu haben). Und diese Zeit hat in mir einen persönlichen Prozess in Gang gesetzt, der noch nicht abgeschlossen ist. Soviel kann ich schon sagen: mehr denn je weiß ich, warum ich mich ausgerechnet in dieser extrem ungemütlichen Zeit inkarniert habe. Und ich empfinde große Dankbarkeit gegenüber all den mutigen und standfesten Menschen, die klar und deutlich die Wahrheit gesagt haben. Unterm Strich: ich habe eine große Resilienz entwickelt. Eine Freundin hat vor langer Zeit mal zu mir gesagt: „Du bist nicht korrumpierbar.“ Ich glaube, das stimmt.

Nach dem Film half mir einer der Anwesenden in den Mantel. Es hat mal eine Zeit in meinem Leben gegeben, da hätte ich das doof gefunden, ein Relikt patriarchaler Manieren. Aber dieses Mal freute ich mich, weil ich darin eine freundliche Geste erkannte. Und ich glaube, daß die allermeisten Menschen eigentlich freundlich miteinander umgehen wollen. Wir sind doch Herdentiere und brauchen einander. Auch das hat die C-Zeit deutlich gemacht.

Als ich zu Hause war, fühlte ich einen grippalen Infekt herannahen. In den folgenden Tagen hatte ich dann heftigen Schnupfen und fühlte mich krank. Irgendwie fand ich das stimmig und auch lustig: ich habe die letzte Erkältung gehabt, als ich noch gearbeitet habe, also vor mindestens fünf oder sechs Jahren. Ich hatte während der ganzen C-Zeit keinen Infekt, keinen Husten, keinen Schnupfen, kein Fieber. Wenn mich Leute gefragt haben, wie ich das gemacht habe, habe ich gesagt: „Ich habe mich nicht spritzen lassen.“

Ich lese gerade ein Buch, das mich sehr anspricht: The Ascension Papers von Zingdad. Das ist eine Serie von Gesprächen, die Zingdad mit einem seiner Persönlichkeitsanteile führt. Kann ich nicht wirklich erklären. Beim Lesen könnte man auch denken, daß es sich um mediale Durchgaben handelt, aber Zingdad will das nicht so verstanden wissen. Es handelt sich also gewissermaßen um etwas Spirituelles. Wen es interessiert: zingdad.com. Auf der Homepage gibt es eine deutsche Übersetzung. Da ich aber nicht gern lange Texte auf dem Bildschirm lese, habe ich mir den ersten Band bei booklooker auf Englisch besorgt.

 

Ameisen

Ostern waren meine Tochter und mein Schwiegersohn bei mir. Bei nicht besonders freundlichem Wetter erkundeten wir ein Stück Landschaft in der Nähe, entdeckten unbekannte Wege und einen großen verwunschenen Teich. Lerchen sangen über den Feldern, ein Seeadlerpaar saß ganz nah in einem Baum und wurde von einem Kolkraben geärgert. Kraniche grasten auf einem Acker und ein Bach floss munter am Waldrand entlang. Inmitten all der Zerstörung gibt es immer noch viel Lebendiges. Ich fühle das auch in meinem Körper und verbringe jetzt viel Zeit im Garten, wo ich die Beete durchhacke, Kompost siebe und verteile und Samen in die Erde lege.

Abend sahen wir den Film Ein Mädchen aus dem Norden. Er spielt in der ersten Hälfte des Jahrhunderts und erzählt die Geschichte eines Sami-Mädchens, das seine Stammeszugehörigkeit und Tradition verlässt, um zu einer „richtigen“ Schwedin zu werden. Der Film spricht größtenteils durch seine Bilder und ist eindrucksvoll und tragisch zugleich. Im Grunde erzählt er die universelle Geschichte von den Einwanderern, die den Indigenen ihre Intelligenz absprechen und ihre Lebensweise entwerten. Sie hat sich auf allen Kontinenten ereignet und immer waren die Täter Europäer.

Einige Tage später fuhren wir nach Bonn, um meinem Sohn und seiner Freundin einen Besuch in ihrem neuen Heim abzustatten. Das liegt zwar in der Stadt, aber mit einem Wald in Reichweite, den wir auch gleich erkundeten. Vielleicht gibt es Menschen, denen die freie Landschaft und das Meer überlebenswichtig ist – für mich ist es der Wald. Seit ich mich erinnern kann, bin ich ein Waldmensch. Ansonsten genoss ich das Familienleben, auch mit der erweiterten Familie, bestehend aus dem jüngeren Bruder meiner Kinder, dem Sohn einer meiner Nachfolgerinnen, der mit seiner Frau und den beiden Kindern vorbeikam. M. wurde dann gleich zum Fußballspielen verpflichtet.

 

Vor einigen Tagen fand ich Ameisen im Flur. Sie hatten den Weg durch eine Ritze in der Tür gefunden und saßen in einem dicken Pulk neben meinen Wanderschuhen. „Ich will euch hier nicht haben“, sagte ich zu ihnen, fegte sie auf ein Kehrblech und setzte sie raus. Dann träufelte ich Essig vor die Tür und in die Ritze zwischen Hauswand und oberster Stufe. Das soll abwehrend wirken. Eine Weile schien das zu helfen, dann kamen doch wieder Ameisen herein, wenn auch nur vereinzelt. Ich machte mir Sorgen, weil in der Duschkabine ein Eimer mit einem eingehängten Doppelsieb stand, durch das Honig aus zerkleinerten Waben tropfte. Die Waben stammten vom toten Bienenvolk, dessen Kasten ich kürzlich leergeräumt hatte. Es war nicht mehr viel Honig in den Waben – drei kleine Gläser, wie sich am Ende herausstellte – und den wollte ich nicht mit den Ameisen teilen. So gemeine Sachen wie Puderzucker mit Natron setze ich nicht ein; es steht mir nicht zu, diese kleinen Tiere zu töten.

Dann fiel mir etwas ein: vor längerer Zeit verbrachte ich mit I. zwei Wochen auf Skopelos in einem kleinen Haus in den Bergen. Gleich am ersten Tag fanden wir eine Ameisenstraße, die sich ihren Weg unter der Küchentür hindurch in die Spüle gebahnt hatte und dort unser benutztes Geschirr sauberleckte. Das gefiel uns beiden nicht. Also räumten wir von da an unser Geschirr, das wir einmal am Tag abspülten, in ein Außenwaschbecken auf der Terrasse. Die Ameisen verstanden sofort: sie ließen die Küche in Ruhe und machten sich über das Geschirr draußen her. Wir waren zufrieden und ich vermute die Ameisen auch.

Ich stellte also ein Tellerchen mit etwas Zucker neben die Eingangsstufen und wenig später waren die Ameisen dabei, die Zuckerkristalle abzutransportieren. Seitdem hat sich keine einzige mehr im Haus gezeigt. Es ist doch immer schön, wenn alle Beteiligten zufrieden sind.

 

Regentrude

Gestern war ich mal wieder beim Imkertreffen, dieses Mal auf Hof Weide bei Bimöhlen. Wie jedes Mal bin ich wieder mit schönen Inspirationen nach Hause gekommen. Ein Imkerkollege stellte einen neuen Bienenstock vor, den er nach dem Vorbild des Top Bar Hive gebaut hat, dabei aber die Isolierung und Größe der Waben berücksichtigt hat. Ich bin schon seit einigen Jahren auf der Suche nach einem anderen System, denn bei meinen beiden Top Bar Hives kommt es zu Wabenabrissen, wenn ich die Oberträger rausziehe. Außerdem müssen die Bienen im Winter zuviel Energie in das Aufwärmen stecken, weil die Holzwände einfach zu dünn sind. Viele Menschen haben sich in den letzten Jahren um Alternativen zu den gewöhnlichen Bienenstöcken bemüht. Aber entweder sind sie extrem teuer oder sie müssen hoch im Baum aufgehängt werden. Ich verfüge weder über hohe Bäume noch bin ich versierte Kletterkünstlerin. Vor einigen Jahren hat ein Baumkletterer versucht, mir diese Fertigkeit nahezubringen. Ich hatte irgendwann eine ca. 5 m hohe Astgabel erreicht und wusste, daß das nicht meine neue Sportart werden würde. Ich bin mehr fürs Bodenturnen geeignet. Der neuentworfene Bienenstock überzeugte mich jedoch in mehrfacher Hinsicht und mein handwerklich begabter Nachbar T. wird ihn mir nachbauen.

Das absolute Highlight waren zwei Geomanten, die als Referenten gekommen waren. Der Mann übernahm den theoretischen Part, seine Frau ging dann mit uns ins Gelände und gab bei strömendem Regen eine praktische Einführung. W. hatte uns in seinem Vortrag von den Elementargeistern und anderen Wesenheiten erzählt und daß sie sich irgendwann von uns zurückziehen oder gegen uns richten, wenn wir den Kontakt mit ihnen vernachlässigen. Das leuchtete mir sofort ein: wir leben in einer Zeit, in der die unsichtbare Welt für nicht-existent gehalten wird und Leute, die mit diesen Wesenheiten kommunizieren, mit einem Fuß in der Psychiatrie stehen oder wenigstens für spinnert gehalten werden. Er nannte als Bespiel für einen Elementargeist die Regentrude. Die kennt vielleicht der eine oder die andere als Gestalt aus dem gleichnamigen Märchen von Theodor Storm. Sie ist eine Wassergeistin, die eingeschlafen ist, weil die Menschen sich von ihr abgewandt haben. In der Folge ist es dann zu katastrophaler Dürre und großer Not gekommen. Eine jungen Frau gelangt an den richtigen Spruch, mit dem die Regentrude geweckt werden kann. Sie muss dann eine Reise in die Unterwelt antreten, wo sie die Regentrude findet und mit den passenden Worten weckt. Dann endlich kommt der lang ersehnte Regen wieder.

Wie wäre es, die Geschichte vom Klimawandel mal von dieser Perspektive aus zu denken? Wir haben uns mit unserem mechanistischen und reduktionistischen Denken soweit von der Natur entfernt, daß uns nur noch mechanistische und reduktionistische Lösungen einfallen, die alle keine wirklichen Lösungen sind, wie z. B. die Windkraft, die in gigantischem Maß Natur zerstört. Wie wäre es, wenn wir die unsichtbaren Wesenheiten wieder in unser Leben hineinnehmen würden, vielleicht zunächst nur, indem wir sie für möglich halten? Mir macht dieser Ansatz jedenfalls richtig Freude und ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt, in der Wald und Wiesen für mich voller Geheimnisse waren, die es zu entdecken galt. Ich habe auch schon ein paar Ideen, wie ich der Regentrude einen Platz in meiner Nähe einrichten könnte.

Die Regentrude hat Gemeinsamkeiten mit meiner Lieblingsgöttin Frau Holle. Theodor Storm hatte offensichtlich tiefe Verbindungen zu alten mythologischen Schichten des Nordens. Das zeigt sich ebenso in seiner Novelle vom Schimmelreiter.

Noch etwas zum Lachen: ich habe mich gestern auf Weg nach Bimöhlen verfahren, weil ich die Wegbeschreibung nur flüchtig gelesen hatte und eine Abfahrt zu früh genommen habe. Ich habe es irgendwann gemerkt und dann im zweiten Anlauf den richtigen Weg gefunden. Ab und zu sind Menschen verwundert, wie ich denn ohne Navi auskomme. Na ja, ich kann Karten lesen. Das scheint eine aussterbende Fähigkeit zu sein. Meine Verspätung war nicht allzu groß, aber lange nach mir kamen zwei Teilnehmer, die angaben, ihr Navi habe sie in die Irre geführt. Zugegeben war ich ein bisschen schadenfroh.

Sehr treffender Artikel auf Manova: www.manova.news/artikel/die-umwelt-lugner

 

 

Ostara

Am Sonntag feierten wir Ostara. Das astronomisch korrekte Datum wäre der 20. März, aber Sonntag ist einfach besser für diejenigen  geeignet, die arbeiten müssen. Dieses Mal war der Mann einer Teilnehmerin mit dabei. Er hatte sich ziemlich spontan dazu entschieden und ich habe zugestimmt. Er ist ein freundlicher und offener Mensch, der vor einigen Jahren schon mal an einem Ritual teilgenommen hat. Es ist für mich ungewohnt, Männer dabei zu haben. Die Rituale, die ich gestalte, sind schon recht frauenzentriert. Ich schließe keine Männer aus, aber in der Regel sind sie nicht sonderlich interessiert. Vielleicht hat es auch damit zu tun, daß ich kein Interesse von ihnen erwarte.

Ich hatte mich kurzfristig für einen ganz neuen Platz auf einem Hügel inmitten einer großen Wiese entschieden, weil mir am Vorabend eingefallen war, daß mein Lieblingsplatz auf einer kleinen Halbinsel Wildschweinrevier ist. Ich fürchte mich nicht vor Wildschweinen und begegne auf meinen Gängen ab und zu welchen. Aber jetzt ist die Zeit, wo sie ihre Kinder zur Welt bringen und Wildschweinmütter können sehr unangenehm werden, wenn sie sich durch Menschen bedroht fühlen. Die große Wiese erwies sich als toller Platz. Wir feierten auf einem Hügel, von dem man rundum weit in die Landschaft sehen konnte. Direkt über uns stand der halbe zunehmende Mond und wir konnten der Sonne beim Untergehen genau im Westen zusehen.

Was schöne Plätze betrifft, verrate ich sie nicht an dieser Stelle. Wenn viele Menschen von schönen und interessanten Orten erfahren, dauert es oft nicht lange und sie werden verdorben durch diejenigen, die sich angezogen fühlen. Natürlich könnte man argumentieren, daß auch ich von schönen Plätzen durch andere erfahren habe – manche habe ich allerdings auch selbst entdeckt – aber ich übernehme Verantwortung für diese Fleckchen Erde, indem ich sie so gut ich kann beschütze. Kürzlich bekam ich eine Anfrage aus dem Nachbardorf, wo sich Bärlauch befindet. Bei mir im Garten wächst welcher, den ich vor einigen Jahren gepflanzt habe und der sich seitdem ausbreitet. Aber den brauche ich selber. Ich weiß im Umkreis keine Stelle, wo er wild wächst und wenn, dann würde ich sie nicht verraten sondern sagen: „Mach dich selber auf die Suche.“ Das krasseste Beispiel, wie ein Platz verdorben wurde, habe ich bei den Alignements von Carnac erlebt: Mitte der 80er Jahre war ich mit meinem damaligen Freund K. und meiner Tochter das erste Mal dort. Ich wusste bis dahin nichts von diesem Ort und habe es K., der aus Nordirland stammte, zu verdanken, daß ich ihn kennengelernt habe. Wir hatten dort ein magisches Erlebnis, das uns beide nachhaltig beeindruckt hat. Anfang der 90er war ich mit meiner Tochter noch einmal da und erlebte wieder etwas ganz Zauberhaftes. Bei beiden Besuchen war der Campingplatz, auf dem wir unser Zelt aufgebaut hatten, nur mäßig besucht und Carnac ein fast verschlafener Ort. Das dritte und letzte Mal war ich 1994 da. Mittlerweile schoben sich Menschenmassen durch den Ort, der Campingplatz war proppenvoll und dann stellte auch noch eine französische Familie ihr Zelt so dicht an meins, daß die Häringe sich berührten. Das Schlimmste aber waren die Metallzäune, mit denen man die Alignements von Ménec und Kermario umgeben hatte. Es gab auch ein neugebautes Museum an den Feldern mit den großen Menhiren. Man konnte die Alignements nur gegen Eintrittsgeld und in Gruppen besuchen. Die magische Atmosphäre war dahin; die großen Energien, die sich innerhalb dieser gigantischen Steinfelder bewegten, waren spürbar eingesperrt. Ich bin nie wieder dagewesen; für mich war dieser Ort, den ich so geliebt hatte, verdorben. Ähnliches ist mit Stonehenge in Südengland passiert, Und nachdem Hape Kerkeling ein Buch über seine Pilgerschaft auf dem Jakobsweg geschrieben hatte, wollten plötzlich alle dahin. Ich habe von Menschen gehört, die erzählten, es ginge dort mittlerweile wie auf dem Rummelplatz zu und Busladungen voller Chinesen trieben sich da mit ihren Kameras herum.

Gestern las ich von einer Frau, die in den Dolomiten Pilgertouren macht. Sie hat schöne Absichten, finde ich, und will der Erde etwas zurückgeben, nachdem Menschen seit langer Zeit von ihr immer nur nehmen. Aber ich befürchte, daß auch sie mit ihrer Arbeit den Massenandrang in den Alpen fördert.

Wir sind Erde

Stephen Buhners Buch Becoming Vegetalista habe ich mittlerweile durchgelesen und kann es allen Interessierten, die Englisch verstehen,  ans Herz legen. Es ist gleichzeitig Schilderung seines Werdegangs vom Mathematiker zum Freund der Pflanzenwesenheiten und sein Vermächtnis. In Einigem fand ich mich wieder, wenn ich auch von Anfang an einen ganz anderen Zugang zu Pflanzen hatte und anders als er bereits als Kind damit angefangen habe. Bei ihm war es ein LSD-Trip, der ihn letztendlich auf den Weg gebracht hat. Und während er immer wieder hervorhebt, welch schwere Arbeit und welcher Schmerz mit diesem Weg verbunden war, kann ich das so nicht auf mich übertragen. Ich stimme ihm aber darin zu, daß viele Schichten an Konditionierung durch ein lineares und mechanistisches Weltbild abgetragen werden müssen, bevor Menschen aus unserer Kultur eine lebendigen Zugang zu den grünen Völkern finden können. Denn darum geht es meiner Meinung nach. Gelegentlich kommen Menschen zu mir, die aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen mit der reduktionistischen Schuldmedizin die Präparate der Pharmaindustrie durch Pflanzen 1:1 übersetzen möchten. Aber darum geht es nicht. Es wäre nur eine weitere Variante des Reduktionismus.

Auf einen Satz gebracht geht es bei der Pflanzenmedizin um eine persönliche Beziehung zu den grünen Wesenheiten, die im Laufe der Zeit immer tiefer und immer klarer wird. Und dazu braucht es Zeit und Hingabe und lebenslängliches Lernen.

Am besten hat mir Stephen Buhners Epilog gefallen. In dem erzählt er die Geschichte einer Frau, die ihn aufsucht, weil sie dringend Hilfe für Körper und Seele braucht und mit seiner Unterstützung die Pflanze in der freien Natur entdeckt, die ihr umfassende Heilung geben kann. Sehr berührend fand ich auch, wie er schilderte, daß die Beziehung zu den heilenden Pflanzen eine gegenseitige ist. Der Satz „We are earth“ hat bei mir ein großes JA! ausgelöst. Nicht daß mir das neu wäre, aber es war so schön, noch einmal in aller Deutlichkeit erinnert zu werden. Leider ist Stephen Buhner im vorletzten Jahr gestorben, sonst hätte ich ihm eine Dankeschön-Mail geschickt.

Heute war ich bei meinem Zahnarzt zur alljährlichen Zahnreinigung. Weil ich früh dran war, konnte ich endlich mal in Ruhe in der anthroposophischen Zeitschrift Info 3, die in seinem Wartezimmer ausliegt, schmökern. Drei Statements zur AfD und den Demos gegen Rechts. Das erste mit dem Tenor: wie gut, daß soviele Menschen den Rechten zeigen, was Demokratie ist. Das zweite vom Chefredakteur Jens Heisterkamp, in dem er die AfD als Partei darstellt, die sich gegen Weiterentwicklung in der Gesellschaft sperrt. Soweit also nicht Neues. Aber das dritte von Alexander Capistran sprach mir direkt aus der Seele. Er versteht das Erstarken der AfD als Reaktion auf die fatale Regierungspolitik. Er beschreibt gut informiert, warum die AfD keine faschistische Partei ist. Und er befasst sich mit den Kategorien Links und Rechts, denen er die Adjektive „einschließend“ und „ausschließend“ zuordnet und beides noch weiter differenziert. Und schließlich kommt er zu dem Schluss, daß die vielen Menschen, die jetzt gegen Rechts auf die Straße gehen, eben auch eine stark ausschließende Einstellung haben, wenn man tief genug schaut. Ich muss sagen: diese Art von Journalismus gibt mir Hoffnung. Dagegen hat mir die Süddeutsche Zeitung, die mir kürzlich mal wieder in die Hände geriet, mit ihren klischeehaften und schlicht falschen Behauptungen Brechreiz gemacht.

Auf den Nachdenkseiten erschien heute ein guter Kommentar von Oskar Lafontaine zum gleichen Thema: Der Kampf gegen rechts und die Liebe zu Faschisten. Da seziert er die Doppelmoral unserer Regierenden, die keine Hemmungen haben, mit Faschisten zusammenzuarbeiten bzw. sie zu unterstützen und gleichzeitig eine nach demokratischen Regeln gewählte Partei in die Naziecke stellen. Er entlarvt auch den hier als Märtyrer hochstilisierten, mittlerweile verstorbenen Nawalny als lupenreinen Faschisten.

Zum Schluss noch mal in aller Deutlichkeit: nein, ich bin keine Freundin der AfD. Vor einigen Jahren noch habe ich Beifall geklatscht, als eine Bioladenkette in Kiel die Hirse, die ich immer gekauft habe, weil sie aus Deutschland und nicht aus China kam, aus ihrem Programm genommen hat, nachdem bekannt geworden war, daß der Produzent zur AfD gehörte. Mittlerweile habe ich dazu gelernt und finde diese Aktion falsch. Ich bin eben auch „work in progress“, wie es der Kundalini-Yogalehrer Satya Singh mal in einem Interview von sich selbst gesagt hat: ich lerne – hoffentlich – immer weiter, bis ich irgendwann wieder zurück zu Mutter Erde gehe (und vermutlich auch darüber hinaus).

Frieden

Den neuen Song von K.I.Z. finde ich ziemlich toll: Frieden

Zitat: „Na klar sind wir für Frieden, doch erst müssen wir gewinn’n.“ Sehr schön die Kriegsgeilheit unserer Regierenden auf den Punkt gebracht.

Auch in der Vergangenheit hat mir K.I.Z. schon Freude gemacht mit dem Song „Hurra, die Welt geht unter.“