Katzengeschichte

Vorgestern verschwand meine Katze. Gegen 5 Uhr nachmittags wollte sie raus und war noch nicht zurück, als ich ins Bett ging. Das ist sehr ungewöhnlich. Ich ließ das Schlafzimmerfenster so weit auf, daß ich sie würde hören können, wenn sie reinwollte. Sie kennt das so seit vielen Jahren. Aber sie meldete sich nicht. Stattdessen saß der junge Nachbarkater, der meinem Lenchen den Hof macht, die ganze Nacht zwischen  Schlafzimmerfenster und Schuppen und rief nach ihr. Manchmal glaubte ich Lenchen zu hören, aber dann schien es doch nur der Kater zu sein. Ich konnte lange nicht einschlafen und machte mir große Sorgen.

Morgens trank ich wie immer Kaffee im Holzschuppen, da hörte ich wieder einen Ruf, der wie Lenchen klang, aus Richtung Schuppen. Ich öffnete die Tür vom Schuppen meiner Nachbarn, aber da war sie nicht. Ich schaute nicht in meinen Schuppen, weil ich mir sicher war, daß ich ihn nicht betreten hatte, nachdem ich die Katze rausgelassen hatte. Ich streifte durch das kleine Wäldchen am Dorfrand, ich ging zu meinen Nachbarn, die alle in ihre Schuppen schauten. Keine Katze zu sehen. Ich machte mir sehr große Sorgen. Vor fast genau fünf Jahren musste ich meine liebe Skadi einschläfern lassen, weil sie innerhalb von wenigen Tagen zunehmend serienweise cerebrale Krampfanfälle bekommen hatte. Sie war erst drei Jahre und sieben Monate alt und ich habe um sie getrauert wie um einen sehr nahestehenden Menschen. Ich hatte Angst, nochmal einen so großen Schmerz fühlen wie damals. Ich musste auch an den Kater meiner Nachbarin denken, der vor einigen Jahren elendig an Rattengift gestorben ist. Ich versuchte mit mäßigem Erfolg, meinen Horrorvorstellungen mit langem tiefen Atem entgegenzuwirken und mich mit meinen Sinnen im gegenwärtigen Moment zu verankern.

Als ich den Abwasch machte, fiel mir auf, daß der Nachbarkater auf den Stufen vor der Schuppentür saß und durch die Türritze schaute. War mein Lenchen etwa doch im Schuppen? Aber das konnte doch gar nicht sein. Nachmittags folgte ich endlich einem plötzlichen Impuls und öffnete die Schuppentür. Und da kam Lenchen mir entgegengesprungen. Meine Erleichterung war riesengroß, aber ebenso meine Fassungslosigkeit angesichts der Einsicht, daß ich mehrmals in all den Stunden den Hinweis bekommen hatte, daß sie sich im Schuppen befindet und ich nicht darauf gehört hatte. Mir fiel dann auch ein, daß ich am Nachmittag doch einmal im Schuppen gewesen war, um etwas zu holen. Da muss sie sich unbemerkt reingeschlichen haben.

Hühner und Hahn aus der Nachbarschaft zu Besuch

Faschismus

Heute gab es mal eine Pause vom Dauergrau der letzten Monate. Der Himmel klarte dank stürmischer Winde im Lauf des Vormittags auf, die Sonne schien von ihrer schon deutlich höheren Bahn über den Südhimmel und ich ging mit der Harke in den Garten, um die Bereiche von trockenem Laub zu befreien, auf denen die Krokusse und Schneeglöckchen schon in Wartestellung sind. Ein Nachbar kam mit dem Fahrrad vorbei und hielt für einen kleinen Schnack an. Es tut gut, draußen zu sein und den Körper ausgiebig zu bewegen.

Beim letzten Französischkurs berichteten einige, daß sie auf den Demonstrationen gegen rechts gewesen seien. Dann kam ich an die Reihe und erzählte, auch ich sei bei einer Kundgebung gewesen, allerdings einer von Bauern, Spediteuren, Gastronomen und Erzieherinnen in Lütjenburg. Gute Stimmung, alles sehr friedlich. Besonders die Rede der Erzieherin gefiel mir, weil sie einen ausführlichen Rundumschlag über die heutige Situation machte. Ich war die einzige, die sich zur Situation der Bauern äußerte. Ich bin es gewöhnt, gegen den Strom zu schwimmen. Angefangen habe ich damit, als ich mit fünfzehn politisiert wurde. Der Vietnamkrieg spielte dabei eine Rolle, die Auflehnung gegen die immer einschnürenderen Verbote meines Vaters, aber noch etwas anderes, was ich nicht richtig fassen kann. Es war wohl der Zeitgeist der 68iger Jahre.

Die Regierungsparteien haben zu den Demos gegen rechts aufgerufen. Das ist schon sehr seltsam. Früher wurde es bei uns im Westen als Merkmal einer Diktatur angeprangert, wenn die DDR-Regierung die Bevölkerung zu Demos aufrief. Die Herrschenden sind offensichtlich bereit, alle Register zu ziehen, weil sie ihre Felle davonschwimmen sehen. Wer mal andere Informationen als die geistige Monokultur der Leitmedien haben möchte, dem empfehle ich die Nachdenkseiten. Das ist ein Portal, auf dem freie Journalisten schreiben, man findet auch Berichte aus der internationalen Presse, die bei uns sonst nicht auftauchen. Auch die Diffamierungskampagne gegen die AfD wird dort unter die Lupe genommen, nicht weil die Nachdenkseiten diese Partei gut finden, sondern um ein faires Bild abzugeben. Wen es interessiert, der kann dort die Stichworte Correktiv und AfD eingeben. Sehr schön ist auch ein Interview mit Gabriele Gysi und Florian Warweg. Die Frau hat mir mit ihrer Lebendigkeit viel Freude gemacht. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und beweist einmal wieder, daß ehemalige DDR-Bürger oft ein größeres Gespür für totalitäre Tendenzen haben als wir Westdeutschen.

Von Ulrike Guérot – ehemalige Professorin der Uni Bonn, die 2023 ihren Job wegen ihrer kritischen Einstellung zu den Corona-Maßnahmen verloren hat – habe ich kürzlich eine kurze und sehr gelungene Erklärung des Faschismus in einem kleinen Videoausschnitt gesehen. Ich gebe es mal mit meinen eigenen Worten wieder (wer das Video sehen will, muss googeln; ich habe den Link nicht): Faschismus ist abgeleitet von den fasces, italienisch für Rutenbündel, das ein Symbol der Faschisten unter Mussolini war. Das bedeutet, wir bündeln uns um eine Idee bzw. Ideologie und wer dieser Idee nicht folgt, bleibt draußen vor, gehört nicht dazu. Faschismus bedeutet also kurz und knapp Ausgrenzung. Diese Ausgrenzung hat per se weder etwas mit rechts oder links zu tun; sie geschieht immer dann, wenn eine Gruppe von Menschen der Meinung ist, ihre Sicht auf die Dinge sei die einzig richtige. Wer das anders sieht, wird dann eben ausgegrenzt, schlimmstenfalls vernichtet. Und genau das sehen wir seit 2020: erst waren es die Maßnahmenkritiker, wenig später die Ungeimpften, mittlerweile sind es die, die den menschengemachten Klimawandel anzweifeln (wozu auch etliche Meteorologen gehören) und diejenigen, die sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und den Genozid an den Palästinensern äußern. Und natürlich diejenigen, die als Protest gegen die Regierungspolitik eine rechte Partei wählen wollen.

Das sieht dann so aus, wie ich es bei den Montagsspaziergängen in Kiel gegen die Coronamaßnahmen erlebt habe: am Straßenrand stand die Antifa und schrie uns an: „Nazis raus, Nazis raus“. Da habe ich angefangen, die Welt nicht mehr zu verstehen. Ich fühle mich als Anarchistin seit meiner Jugend dem äußeren linken Spektrum zugehörig. Nun war ich also Nazi. Man kann das auch eine Projektion nennen. Denn die Antifa macht genau das, was sie uns, den „Nazis“ vorwirft: aufs Übelste ausgrenzen. Alle Angebote zum Gespräch wurden abgelehnt, Andersdenkende bekamen Kacke vor die Tür gelegt, ihre Autos wurden demoliert, sie wurden niedergeschrieen. Eigentlich kein Wunder: Wer sich Antifaschist nennt, hat ja den Faschismus schon im Namen nach der Devise: Wir sind die Guten, die Anderen die Schlechten. Na, dann gute Nacht! Wir leben in sehr wilden Zeiten und es braucht eine Menge Nervenstärke um damit umzugehen.

Und übrigens ist es doch schon bezeichnend, daß den Demos gegen rechts sehr große mediale Aufmerksamkeit geschenkt wird, aber die zunehmend eskalierenden Bauernproteste in Frankreich, Belgien , Deutschland, mittlerweile auch Portugal nur sehr wenig Beachtung zukommt.

Mein Lenchen findet Politik doof, hat sie gesagt. Vielleicht hat sie ja recht.

Die Lösung kommt von unten

Ich bin davon überzeugt, daß die Lösung all unserer Probleme nie von oben, von keinem Führer, keiner Partei, keiner Regierung und keiner Ideologie kommen kann.

Das Buch von Stephen Buhner inspiriert mich sehr. So spricht er vom deep self, dem tiefen Selbst. In meiner lange zurückliegenden Körpertherapieausbildung wurde viel vom höheren Selbst gesprochen. Das kennen wohl alle, die sich irgendwie mit Spiritualität beschäftigen, als die innere Instanz, die mit höheren Ebenen verbunden ist und uns von daher beraten kann. Ich konnte mich mit diesem Konzept nie richtig anfreunden, wohl deshalb, weil ich eine starke Aversion gegen Hierarchien habe und der Begriff höheres Selbst nahelegt, daß das Obere besser, richtiger, klüger usw. ist. Sicherlich hat diese Abneigung auch etwas mit dem monotheistischen Gotteskonzept zu tun, das uns in unserer Kultur so gründlich eingetrichtert wurde und daß zu soviel Leid und Elend geführt hat.

Aber das tiefe Selbst gefällt mir. Damit assoziiere ich Wurzeln, Erde, aus der wir alle kommen, Grund, auf dem uns die Schwerkraft hält. Mir fällt dazu auch die Passage aus der Edda, der Mythologie unserer Urahnen, ein: Am Grunde des Weltenbaumes Yggdrasil leben die drei Nornen, uralte Gestalten aus dem Geschlecht der Riesen, älter als die Götter. Sie sind die Schicksalsschwestern, sie werfen und deuten die Runen, sie hüten den Urdbrunnen und gießen mit seinem lebendigen Wasser die Wurzeln des Baums. Und jeden Tag steigen die Götter herunter zu den drei Nornen und halten dort Rat. Von unten, von der Erde kommt das Wissen um das, was zu tun und zu lassen ist. Und von dort unten, von den Wurzeln wird das Wissen wieder nach oben in den Wipfel des Weltenbaumes gebracht. Heute fand ich bei Stephen Buhner eine Geschichte von einem Jungen, der sich in jahrelanger Übung ohne jegliche Anleitung einen Zaubertrick beibringt. Stephen Buhner zieht dann die Analogie zur heutigen Zeit mit ihren überwältigenden Problemen und sagt:“ …you will discover things that, for whatever reason, people have long believed are impossible…for centuries, even millenia perhaps. Every time that happens, we find ourselves just a bit further out of the rationalist and monotheist box. And just a bit closer to the solutions needed for this difficult time we are in. [… ] rather a solution built from the ground up, from the place our feet meet the soil, and truly from the soil itself.“ (…ihr werdet Dinge entdecken, von denen, aus welchem Grund auch immer, Menschen lange geglaubt haben, daß sie unmöglich sind … für Jahrhunderte, vielleicht sogar für Jahrtausende. Jedes Mal, wenn das geschieht, finden wir uns ein bisschen mehr außerhalb der rationalistischen und monotheistischen Schublade. Und ein bisschen näher an den Lösungen, die für diese schwierige Zeit, in der wir gerade sind, benötigt werden. [… ] eher eine Lösung, die sich vom Grund her bildet, von der Stelle, wo unsere Füße den Erdboden berühren und tatsächlich vom Erdboden selbst.)

Ja, das ruft eine starke Resonanz in mir hervor: wir sind es, die die notwendige Veränderung bringen, jeder einzelne von uns, indem wir wieder lernen, auf unsere innere Stimme zu hören und uns für die Weisheit von Gaia, von Mutter Erde öffnen. Das macht uns immun gegen die allgegenwärtige Manipulation. Das führt uns in die Freiheit.

 

 

 

Wer ist rechts?

Neulich nach dem Yoga saßen wir noch ein wenig zusammen und einer brachte die Rede auf die Demos gegen Rechts. Er begrüßte diese Aktionen, es sei schließlich notwendig, den Rechten mal zu zeigen, daß sie unerwünscht sind. Zustimmung kam von allen Seiten. Nur ich hielt die Klappe. Man wird ja heute geradezu reflexartig in die rechte Ecke gestellt, sobald man Kritik an der Regierung übt. Das habe ich wie viele andere Maßnahmenkritiker bei den Montagsspaziergängen während der Corona-Zeit erlebt, als die Antifa am Straßenrand stand und uns als Nazis und Antisemiten beschimpfte. Für mich ist das besonders befremdlich, weil ich mich seit meinem fünfzehnten Lebensjahr im äußersten linken, außerparlamentarischen Spektrum verorte. Ich hab’s bereits gesagt, daß ich keine Freundin der AfD bin. Aber ich sehe sie auch nicht als so dämonisch an, wie sie uns von den Leitmedien und der amtierenden Regierung verkauft werden. Ich habe keine Angst vor ihnen, wohl aber vor der regierenden rot-grün-gelben Einheitspartei. Ich habe mich also während des kurzen Gesprächs, an dem ich nicht teilgenommen habe, sehr unwohl gefühlt. Ich finde es sehr bedrückend, was seit mittlerweile vier Jahren geschieht: Andersdenkende werden gecancelt, verlieren ihre Jobs (z. B. Guérot und Kékule); die Youtube-Videos kritischer Wissenschaftler (ob es sich um Corona, die sogenannte Impfung oder den Klimawandel handelt) werden aus dem Internet gelöscht. Jüngstes Beispiel: ein kurzer Bericht auf MDR über Verunreinigungen im sogenannten Impfstoff wurden kurz nach der Ausstrahlung aus der Mediathek gelöscht und eine Aufarbeitung der Coronazeit im Bundestag findet nicht statt. Die einzigen, die sich dieses Themas angenommen haben, waren die Leute von der AfD. Was ist hier los? Das nennt ihr Demokratie?

Ich wurde an jenem Abend gefragt, wie weit mein Weg nach Kiel ist. Als ich sagte, daß es ungefähr dreißig Kilometer sind, war die Missbilligung deutlich zu spüren und ich bekam gleich den Rat mir doch ein E-Bike anzuschaffen. Auch das ist ein Thema, wo es erstaunlich viel Ignoranz gibt. Abgesehen davon, daß die Rohstoffe für die E-Mobilität aus anderen Kontinenten kommen, in denen Regenwälder für die Gewinnung von Lithium abgeholzt und die Indigenen von ihrem Land vertrieben werden, abgesehen davon, daß Windkraftanlagen mit ihren Verwirbelungen lokale Dürren verursachen, werden auch in Deutschland in großem Stil Wälder abgeholzt, um dort Windräder aufzustellen, deren hochgiftige Inhaltsstoffe nicht ökologisch entsorgt werden können. Und wie ich kürzlich erfahren habe, wird von unserer Regierung Naturschutz neuerdings als nachrangig vor Energiegewinnung eingestuft. Wenn wir all den Strom, der nicht nur für E-Mobilität sondern auch für die rasant zunehmende Digitalisierung gebraucht wird, aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen decken wollen, wird es in Deutschland keine freie Natur mehr geben. Das ist ein absolut dystopisches Szenario.

Wenn ein Großteil der Bürger der BRD mit dem Finger auf die vermeintlich Rechten und Klimasünder zeigt, weist sie – wie ein alter Spruch sagt – mit drei Fingern auf sich selbst zurück. Denn diese Haltung impliziert doch, daß auf der einen Seite die Guten sind und auf der anderen eben die Nazis. Das ist nicht nur extrem überheblich und selbstgerecht sondern auch ebenso gefährlich. Sind denn die Leute, die jetzt AfD wählen wollen, alle dumm oder geisteskrank? Das glaube ich kaum. Sie sind wohl eher extrem unzufrieden mit dem, was in den letzten vier Jahren passiert ist. Natürlich wird auch die AfD nichts daran ändern; keine Partei wird das, weil es den tiefen Staat gibt, der weltweit die Fäden zieht.

Was ich mir wünsche: ein Gespräch zwischen den beiden Lagern, bei dem man sich richtig zuhört, ohne gleich Schnappatmung zu bekommen, wenn etwas Unliebsames gesagt wird. Nach meiner Erfahrung können echte Gespräche dazu beitragen, daß der Andere als Mensch mit Sorgen und Bedürfnissen wahrgenommen wird, nicht als Feind. Das wäre schon mal ein Anfang.

Und noch etwas: ich bin nicht damit einverstanden, daß meine Steuern für den Ausbau von Radwegen in Peru und für Waffenlieferungen an die Ukraine verpulvert werden, um nur zwei Beispiele zu nennen. Stattdessen fände ich es angemessen, wenn man sie z. B. für die Sanierung der Deutschen Bahn verwendete.

Wer eine andere Sicht auf die Demos gegen Rechts erfahren möchte, dem empfehle ich den Beitrag „Aufstand der Anständigen? Oder doch eher Doppelmoral?“ vom 22.1. 2024 auf nachdenkseiten.de. Überhaupt finden auf den Nachdenkseiten diejenigen, die dem Leitmedien nicht mehr glauben, einiges Lesenswertes. Sie machen vor, wie guter Journalismus sein kann.

Noch eine Empfehlung: ich lese gerade Stephen Harrod Buhners letztes Buch Becoming Vegetalista. Er beschreibt darin, wie er auf den Weg zum „grünen Mann“ gekommen ist. In vielem finde ich mich wieder, wenn auch mein Weg anders verlaufen ist als seiner. Aber der Ruf der Erde, den er vernommen hat, den habe ich auch gehört, vor langer Zeit. Diesem Ruf zu folgen macht einen zum Außenseiter, aber wer ihn einmal gehört hat, muss ihm folgen. Sehr eindrücklich geschrieben, allerdings zur Zeit noch nicht auf Deutsch verfügbar.

Warmes Gefühl

Heute fuhr ich ans Meer und machte dort einen langen Gang. Der Sturm, der kürzlich aus dem Osten kam, hat die Küstenlinie neu geformt: ich konnte die Gewalt des anflutenden Wassers angesichts der Spuren ahnen. An einer Stelle waren Ziegelsteine und Betonteile an der Abruchkante zu sehen, offensichtlich von Menschen angeordnet. Hier hat vielleicht mal ein Stall oder Ähnliches gestanden. Das Meer nimmt sich Jahr für Jahr Land zurück und erinnert uns so daran, daß nichts ewig besteht, daß alles dem Fluss von Werden und Vergehen folgt. An einigen Stellen, wo vor ein paar Jahren der Strand neu gestaltet wurde, hat die Flut die großen Steine verschoben und den groben Kies über die deichartige Aufschüttung auf den Acker geworfen. Jetzt werden die Stellen frei, wo man den Boden mit dickem Vlies bedeckt hat, vielleicht um unerwünschten Bewuchs zu unterbinden. Das Vlies ist nun zerrissen und zur Seite geweht, zu Zivilisationsmüll geworden.

Als ich wieder bei meinem Auto war, fand ich hinter dem Scheibenwischer einen Zettel, auf dem ein Mann seinen Wunsch äußerte mal mit mir zusammen am Strand spazieren zu gehen. Unterschrieben und mit seiner Handynummer versehen. Nun bin ich in einem Alter, wo mich diese Art von Kontaktaufnahme ziemlich überrascht. Auf dem Rückweg fühlte ich tief in mich hinein, ob ich den Unbekannten per SMS mal fragen sollte, wer er eigentlich sei. Denn ich hatte bei meiner Ankunft nur einen Mann auf dem Parkplatz gesehen, weißhaarig und dickbäuchig. Kurz hatte ich gedacht, es könne ein Mann sein, den ich kenne. Die SMS verwarf ich schnell – dann hätte er meine Handynummer – und es zog mich nichts zu einem gemeinsamen Spaziergang. Erstaunt bin ich aber immer noch: der Mann auf dem Parkplatz kann nicht viel von mir erkannt haben, denn ich war warm eingepackt und hatte mir mein weißes Wolltuch so um den Kopf gebunden, daß nur mein Gesicht und mein Haaransatz zu sehen waren.

Als ich am letzten Mittwochabend durch die Dunkelheit nach Hause fuhr, sah ich von Weitem an der B 202 blinkende gelbe Lichter und eine Rauchsäule. Im Näherkommen erkannte ich sehr viele Trecker, die ordentlich aufgereiht auf einem Feld standen. In der Mitte brannte ein großes Lagerfeuer. Es war eine Szene des Friedens. Ich fühlte eine große Wärme in meinem Inneren. Ich weiß nicht, wohin die Proteste führen, die mittlerweile viel mehr sind als Bauernproteste. In der Gemeinde Süderbrarup haben sich sämtliche Bürgermeister per offenem Brief hinter die Bauern gestellt. Ich habe Bilder aus Lübeck gesehen, wo Passanten den Treckern zuwinkten. Das sind ermutigende Zeichen. Meine Vision ist, daß immer mehr Menschen aufwachen und nach Lebensformen suchen, mit denen sie unabhängig vom Staat und dessen Subventionen werden und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen. Denn kein Guru, kein Wissenschaftler, keine Partei wird uns retten. Es gibt niemanden, dem wir folgen können. Nur unserem eigenen Herzen und einer Ahnung, daß wir nicht auf die Erde gekommen sind, um beherrscht zu werden. Und zur Erinnerung: Die Bauernkriege haben vor 500 Jahren begonnen.

Bauernproteste

Um Missverständnissen vorzubeugen: ich habe weder etwas für Glyphosat spritzende Bauern noch für Massentierhaltung noch den Bauernverband übrig. Und schon gar nicht für die Agrarlobby. Aber von den Maßnahmen der Regierung sind auch Biobauern betroffen. Die haben in der letzten Zeit dank Inflation einen noch viel schwereren Stand als vorher. Ich bin mit Bauern befreundet, die in der Nähe einen Biolandhof mit Milchkühen betreiben; mittlerweile ist der Hof in der Hand des Jungbauern und eines Kompagnons. Und ich habe erlebt, wie ein Demeterhof seinen Marktstand in Kiel aufgeben musste, weil die Absätze in den letzten zwei Jahren so zurückgegangen sind, daß er Verluste gemacht hat. Auch mein Gemüsebauer in Kiel hat erhebliche Probleme, weil ihm ein großer Teil der Kundschaft wegen der ständig steigenden Preise wegbleibt. Wenn ich also heute lese, daß eine Frau, deren Bücher ich früher gern gelesen habe, in ihrem Blog sich nicht nur verächtlich über die Bauernproteste äußert sondern auch noch dazu aufruft, nur Bio zu kaufen, muss ich dazu folgendes sagen: als normalverdienende Einzelperson kann man sich Bio leisten. Als Familie mit einem oder mehr Kindern wird es schon schwieriger. Als Mensch, der von Grundsicherung lebt, wird es weitgehend unmöglich. Da bleiben dann nur noch Discounter. Die bieten zwar auch Bio an, aber das ist dann nicht zu vergleichen mit Sachen vom Markt oder aus dem Bioladen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Bio für Arme. Ich weiß das, weil ich selbst mal, obwohl voll berufstätig, jeden Monat knapp bei Kasse war, denn als Alleinerziehende musste ich außer Miete auch noch Kinderbetreuungskosten aufbringen.

Beim Bauernprotest entlädt sich eine große allgemeine Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik. Es sind ja nicht nur die Bauern, die mit ihren Treckern auf die Straße gehen. Betroffen von den Maßnahmen einer Regierung, die meilenweit vom Volk entfernt agiert, die zudem teilweise wie auch das Gros der Bundestagsabgeordneten aus Menschen besteht, die nie im Leben einen richtigen Beruf erlernt geschweige denn ausgeübt haben, sind auch die Gastronomen und andere Berufsgruppen. Man merkt es an den stark angehobenen Preisen: nach Weihnachten war ich mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn in Kiel Kaffee trinken: 5,60 Euro für einen Milchkaffee. Wer kann sich sowas leisten? Die Gastronomen sind aber gezwungen, die drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer 1:1 auf ihre Gäste umlegen.

Übrigens steht nach meiner Einschätzung ein großer Teil den Protesten wohlwollend gegenüber. Möglicherweise wird immer mehr Menschen in Deutschland (dem besten Deutschland aller Zeiten, nach den Worten unseres Bundespräsidenten. Ha ha!) klar, daß es da ein paar krasse Ungereimtheiten gibt: die Regierung muss sparen, wird gesagt. Aber die Liste der Ausgaben, die sie in allen möglichen Ländern in neokolonialistischer Weise tätigt, ist sehr lang. Ich nenne nur zwei Beispiele von vielen: die BRD finanziert eine mRNA-„Impfstoff“fabrik in Ruanda und sie schickt Waffen in die Ukraine. Aber für die absolut notwendige Sanierung der Deutschen Bahn gibts kein Geld. Das besonders Empörende daran ist, daß dieses Geld von unseren Steuern stammt. Nun ist das nichts Neues, sondern die Logik von Herrschaft. Aber neu ist, daß es immer mehr ins Auge springt. Das macht mir ein wenig Hoffnung, nachdem ich in den letzten drei Jahren den düsteren Eindruck gehabt, daß ein Großteil der  Deutschen ganz ihrem Ruf gerecht werden, obrigkeitshörig ( und mittlerweile auch wissenschaftshörig) zu sein, statt mal die eigenen Gehirnzellen zu benutzen.

Heute war ich mit dem Auto unterwegs und sah am Straßenrand Anzeichen des Protests: aufeinandergestapelte Heuballen mit Aufschriften wie „Mittelstand stärken“ und „Dialog statt Willkür“. Vor einem Restaurant dann Schilder, auf denen „7% bleibt“ und „Die Ampel muss weg“ stand. Ich sah rot-weiße Flatterbänder als Zeichen der Solidarität und habe mir jetzt auch welche am Auto angebracht.

Wir leben in einer Zeit des Zusammenbruchs. Das ist sehr ungemütlich. Aber dieses System ist nicht zu reformieren. Und manchmal, wenn es mir Herz und Magen zusammenzieht angesichts der Grausamkeiten und der zunehmenden Naturzerstörung um mich herum, muss ich mich erinnern, daß ich mir genau diese Zeit ausgesucht habe, um mich zu inkarnieren. Also gibt es eine Aufgabe zu erfüllen. Ich stehe nicht allein und das gibt mir Mut.

Übrigens passt Professor Reiner Mausfelds neues Buch „Hybris und Nemesis“ dazu: Wir erleben heute beides: die Hybris (Größenwahn) und die Nemesis (den gerechten Zorn). Welt-Herausgeber Stefan Aust erklärt in einem sehr aufschlussreichen Interview auf welt.de, warum die Befreiung von der KFZ-Steuer für landwirtschaftliche Fahrzeuge keine Subventionen sind.

 

 

„Wer Wind sät…

…wird Sturm ernten“. So steht es im Alten Testament. Und das sehen wir gerade. Am Montag fängt ein Generalstreik mit Bauern, Spediteuren, Verkehrsbetrieben und vielen anderen an. Ich habe viel an der deutschen Landwirtschaft auszusetzen, aber jetzt bin ich auf ihrer Seite. Man hat schon das böse Gefühl, daß die Politik die Landwirtschaft ganz abschaffen will. Seit Beginn der Coronazeit wird immer deutlicher, daß es dem Mittelstand ans Leder geht. Wenn das gelänge, blieben nur noch die herrschenden Eliten und Sklaven. Und genau das ist vermutlich der Plan.

Der Wirtschaftsminister entzog sich vor zwei Tagen am Hafen von Schüttsiel der Konfrontation mit einer großen Menge sehr wütender Bauern, indem seine Fähre den Rückwärtsgang einlegte. Nun ja, das ist die Rechnung für seine unverhohlen verächtliche Haltung gegenüber der eigenen Bevölkerung.

Seit ich mich für politisches Geschehen interessiere (seit ich 16 war), habe ich ein zunehmend kritisches Verhältnis zum Staat. Es gab in der Vergangenheit keine Regierung, die mir gefiel. Aber heute muss ich doch zugeben, daß es in den 70er und 80er Jahren noch Politiker gab, die einen gewissen Anstand hatten. Ich meine damit z. B. Willy Brandt und Helmut Schmidt. Das ist aber heute wohl gar nicht mehr gefragt. Politiker, die offensichtlich korrupt sind, können unbehelligt Ämter bekleiden; die Kosten für die Mautaffäre des ehemaligen Verkehrsminister tragen wir Steuerzahler. Verschwundene Unterlagen, verlorene Handys, Vergesslichkeit – all das wird weitgehend unter den Tisch gekehrt. Inkompetenz scheint Voraussetzung für den Aufstieg in ein hohes Amt zu sein. Nun weiß ich ja, daß die eigentlichen Drahtzieher weltweit im Schatten wirken. Aber wer sich für ein Regierungsamt zur Verfügung stellt, müsste schnell merken, daß er oder sie Erfüllungsgehilfe einer superreichen Elite ist.

Ich habe nicht viel für die AfD übrig, aber daß sie zunehmend mehr Sympathien bei einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung gewinnt, ist ein Ausdruck tiefer Unzufriedenheit. Wenn dann von einigen Ministern Rufe nach Verbot dieser Partei laut werden, wird deutlich, daß wir eine Scheindemokratie sind. Ich sehe die AfD nicht als Gefahr: sollte sie sich an einer zukünftigen Regierung beteiligen, wird sie denselben Mist machen wie ihre Vorgänger. Die wirkliche Gefahr kommt nicht von rechten Parteien, sondern aus der Mitte. Von Ignazio Silone stammt der Spruch: „Der neue Faschismus wird nicht sagen, ich bin der Faschismus. Er wird sagen: ich bin der Antifaschismus.“ Das haben wir in den letzten Jahren schmerzhaft erfahren müssen, als wir bei den Montagsspaziergängen von der Polizei vor der Antifa beschützt werden mussten. Ein Merkmal von Faschismus ist, daß es nur noch eine Wahrheit gibt und daß Andersdenkende gecancelt, angegriffen, mundtot gemacht werden. Auch der heute gerade leider bei vielen jüngeren Menschen so angesagte Wokismus hat faschistoide Züge. Ich habe Ansätze davon leider auch bei der lange sehr geschätzten Zeitschrift Oya gesehen (die ich mittlerweile gekündigt habe).

Und zur künstlich geschürten Angst vor dem Klimawandel: wenn öffentlich behauptet wird, das Jahr 2023 sei das heißeste Jahr seit 125.000 Jahren, kann ich mich nur sehr wundern. Laut Internet begannen regelmäßige Temperaturaufzeichnungen 1654, also erst vor 379 Jahren. Und zur Zeit der Wikinger war Grönland eine grüne Insel, daher der Name. Warum fallen solche Unstimmigkeiten so wenigen auf?

Im Zeichen des Kampfes gegen den Klimawandel wird weltweit großflächig Natur vernichtet: Regenwälder für das für die E-Mobilität erforderliche Lithium, die Gewässer im Kongo mit Zyankali für den Abbau von Gold und hierzulande werden gerade gesunde Wälder abgeholzt, um Windkraftanlagen zu errichten. Neulich war ich als Protokollführerin bei einem Treffen von Anwohnern mit Mitarbeitern einer Firma, die eine Photovoltaikanlage direkt vor deren Grundstücken  bauen will. Dort wurden so gruselige Sachen geäußert wie: Die Photovoltaikanlage ist gut für die Natur, weil dadurch Flächen aus der intensiven Landwirtschaft herausgenommen würden. Und man müsse sich daran gewöhnen, weil das eben ein zivilisatorischer Fortschritt sei. Da kann ich nur zynisch sagen: Demnächst wird gesagt, man müsse sich daran gewöhnen, Scheiße zu fressen.

Ja, ich bin genauso wütend wie die Bauern. Trotzdem ist es gut, sich um einen klaren Kopf zu bemühen und vielleicht noch wichtiger: ein offenes Herz zu haben. Da verweise ich wieder mal auf Charles Eisenstein, siehe letzter Post.

„Die alte Geschichte muss sterben, …

…bevor die neue geboren werden kann.“

Dieser Satz stammt von Charles Eisenstein und ich finde ihn so wahr. Das ganze Gespräch von Charles Eisenstein und Benjamin Life findet ihr hier: charleseisensteindeutsch.substack.com/p/wir-schopfer-einer-neuen-kultur?publication_id=1341042&post_id=140278371&isFreemail=true&r=15gyzq

Ein neues Jahr

Die schönen Krippenfiguren stammen ursprünglich von meinen Schwiegereltern. Mein Ex-Mann hat sie an meine Tochter weitergegeben und sie hat sie bei mir aufgebaut. Auch wenn ich mich nicht als Christin verstehe (obwohl ich die Lehren des Mannes aus Nazareth für wichtig und richtig halte), finde ich so etwas schön. Weihnachten wurde lange vor Jesus gefeiert, als Geburt des neuen Lichts. Und alle Bräuche, die wir heute als christlich ansehen, sind viel älter als die Kirchen. Das Tannengrün, die Kerzen, das Festessen, die Geschenke – alles wurde von den Kirchen vereinnahmt, als Zugeständnis an die Menschen, die die alten schönen Bräuche beibehalten wollten.

Am 22.Dezember feierte ich mit zwei Freundinnen die Wintersonnenwende und über Weihnachten waren Tochter und Schwiegersohn bei mir. Wir hatten eine schöne und friedliche Zeit. Eine unserer Traditionen ist es abends einen Film zu gucken. Einer davon war JFK Revisited – die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy, eine Dokumentation von Oliver Stone. Ich war 10 Jahre, als John F. Kennedy erschossen wurde und habe mitbekommen, mit welchem Entsetzen meine Eltern darauf reagiert haben. Für sie war der amerikanische Präsident ein Hoffnungsträger, was ich mittlerweile gut verstehen kann. Daß er sehr wahrscheinlich mit seiner Ankündigung, die CIA zu zerschlagen, sein eigenes Todesurteil gesprochen hat, habe ich erst durch diesen Film erfahren. Die Umstände seines Todes waren lange Zeit ziemlich fragwürdig: der angebliche Einzeltäter Lee Harvey Oswald wurde wenige Tage nach dem Attentat erschossen, 1968 wurde dann auch der jüngere Bruder Robert F. Kennedy erschossen, als er sich im Vorwahlkampf für die Präsidentschaft befand. Das gibt zu denken. Jedenfalls hat mich dieser Film in meine Kindheit und meine damaligen Gefühle zurück geführt.

Es regnet hier seit Anfang November. Die trockenen Tage sind gezählt. An Sylvester machte ich einen langen Gang und sah, daß die Teiche wieder gefüllt sind. Das ist erfreulich. Vor einem Jahr hat der neue Pächter das Wasser abgelassen und wegen des trockenen Frühjahrs sind sie seitdem nicht mehr vollgelaufen. Die vielen Wasservögel, die dort ihr Zuhause hatten, mussten sich neue Plätze suchen. Die Erde trocknete aus und war von breiten Rissen durchzogen. Als dann wieder Regen kam, fingen Reet und Rohrkolben an zu wachsen, was nicht gut für die Teichökologie ist.

Ich habe Weihnachten unter anderem einen schönen Kalender mit Fotos von Polarlichtern von I. bekommen. Wir waren zusammen in Schweden und sie weiß, wie scharf ich darauf bin, diese Himmelsphänomene zu sehen. 1994 habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Polarlichter in Finnland gesehen: grüne wabernde Vorhänge aus Licht, die sich über den ganzen Nordhimmel zogen. Einige Jahre später sah ich intensiv rotleuchtende Lichter, die ich nicht zuordnen konnte. Erst am nächsten Tag erfuhr ich, daß es sich um Polarlichter handelte. Seitdem schaue ich nachts öfter zum Nordhimmel. Ein weiteres schönes Geschenk ist das Buch über Schamanismus. Das ist ein Thema, das mich seit sehr langer Zeit begleitet. Ich glaube, daß es mit den Büchern von Carlos Castaneda begann, die mich in den 70er Jahren sehr beeinflusst haben. Neulich habe ich mich mal wieder mit der germanischen Mythologie befasst und auch dort eine Menge schamanische Elemente gefunden. Man sagt, daß Schamanen es heute schwer haben zu wirken, weil die alten Felder zerstört sind. Daß Felder eine große Rolle bei Heilungen spielen, glaube ich auch. Zum Beispiel haben die amerikanischen Ureinwohner kein Problem mit Krankheiten wie Syphilis gehabt. Aber als die Conquistadores diese Krankheit nach Europa brachten, wo sie sich schnell ausbreitete, halfen die Heilpflanzen, die die Ureinwohner benutzten, bei den Europäern nicht. Stattdessen wurde mit Quecksilber behandelt. Die meisten Infizierten starben dann nicht an der Syphilis sondern an Quecksilbervergiftung. Das war auch der Beginn der Schulfmedizin, die bis heute keine Hemmungen hat, sehr giftige Substanzen einzusetzen.

Auch wenn mir der Jahreswechsel nicht viel bedeutet, wünsche ich allen, die meine Texte lesen, ein erfreuliches Jahr. Mein persönlicher Wunsch für 2024 ist, daß wir weitergehen auf unserem Weg dem Lebendigen zu dienen und dabei Unterstützung aus allen Welten bekommen. So möge es sein.

Erfreuliches

In all dem Dauergrau des Himmels, dem ständigen Regen, den dunklen Tagen gibt es Momente des Lichts. Die Adventszeit ist schon eine besondere Zeit. In der Schule haben wir gelernt, daß Advent Ankunft bedeutet und gemeint war natürlich die Ankunft von Jesus. Aber lange vor seinem Erscheinen gab es bereits die Erwartung des neuen Lichts, das zur Wintersonnenwende wiedergeboren wird: das Lichtkind, das Feuerkind.

Vor zwei Tagen war ich zur Weihnachtsfeier der Gruppe von Menschen, die ich in den letzten drei Jahren kennengelernt habe. Jeder und jede hatte etwas fürs Buffet mitgebracht – das ist ein guter Brauch, den ich besser finde als Catering – und der Raum war schön hergerichtet. Wir hatten sogar einen Weihnachtsbaum. Der Abend war so schön, daß ich heute noch davon zehre: freundliche zugewandte Menschen, interessante Gespräche, viele Umarmungen und Küsse. Das ist das Erfreuliche an der finsteren Corona-Zeit: es haben Menschen zusammengefunden, die gespürt haben, was wirklich wichtig ist. Genau das: Kontakt, auch und gerade körperlich, Austausch, Lachen, gemeinsam essen und feiern, die eigenen Fähigkeiten einsetzen und damit dem Ganzen dienen. Leider hatte ich mich schon Richtung Bett aufgemacht, als zu später Stunde noch getanzt wurde. Das erfuhr ich am nächsten Tag. Ach, da wär ich gern dabei gewesen! Das wäre die Krönung auf dem gelungenen Abend gewesen.

Heute war einer der raren Tage, an denen die Sonne mal hervorschaute. Ich machte eine Runde, begrüßte die Bienen in der Esche hinter dem Gutsgelände. Sie werden jetzt dicht an dicht in der Wintertraube sitzen, sich gegenseitig wärmen und durch den Winter träumen. In den ausgetrockneten Teiche finden sich mittlerweile große Pfützen, im Vergleich dazu sind die abführenden Gräben mehr als voller Wasser. Also wäre noch mehr Regen wünschenswert. Oder eine schöne Schneeschicht. Ein Rabe rief vom Himmel. Ich sah ihm nach und er drehte einen großen Kreis über meinem Kopf. Raben kamen in meiner Kindheit nur in Erzählungen meines Opas und in Märchen vor. Ich wollte immer welche kennenlernen. In Schweden fand ich 1994 ein Rabennest in einer steilen Felswand, von der mich Preben, mein Survival-Lehrer abseilte. Und unten angekommen, lag direkt vor meinen Füßen eine große Rabenfeder, die ich als Geschenk mitnahm. Hier oben im Norden leben echte Raben, die ich jeden Tag hören und sehen kann. Mittlerweile fühle ich mich von ihnen wahrgenommen.

Der Bach im Wald, wo ich im Frühjahr bitteres Schaumkraut und Bachbunge pflücken kann, floss mit fröhlichen Lichtreflexen über die Steine. Liebes Wasser, fließ und fülle die Teiche, damit darin wieder Fische, Muscheln, Vögel und alle anderen leben können. Am Rand des Waldes, der sich in der Nähe der Wohnung meiner Großeltern befand, floß ein kleiner Fluss, die Aale. Wenn ich auf der Brücke stand und in das strudelnde, plätschernde Wasser schaute, sah ich grüne Haare, die in dichten langen Strähnen an den Steinen hingen, sich in den Strömungen bewegen. Ich weiß immer noch nicht, wie diese Wasserpflanze heißt, aber für mich sind sie Nixenhaare.

Mein Wetterbaum, eine große Esche, die direkt neben einer ebenso großen Eiche stand, ist gefällt worden und mit ihr auch noch ihre Schwestern an den Seiten. Wahrscheinlich wird das Holz als Brennholz verkauft. Im Wald fand ich Pilze, die mich ein wenig an Pfifferlinge erinnerten. Beim Gehen übte ich ab und zu den Eulenblick und fühlte mich als Teil der Landschaft.