Das Holz ist gehackt und gestapelt
Beim gestrigen De Immen-Treffen hielt eins unserer Mitglieder, ein Tierarzt, einen Vortrag über das Thema „Bienenkrankheiten“. Dabei betonte er, daß es keine Heilmittel gibt und alle Versuche, Krankheitserreger wie z. B. die Varroamilbe oder die Erreger der Amerikanischen Faulbrut auszurotten, gescheitert sind. Diese Erkenntnis war nicht ganz neu für mich, aber sie von einem Arzt so knapp und bündig ausgesprochen zu hören, brachte mich dazu, länger darüber nachzudenken.
Ich habe mir meine Aufzeichnungen, die ich seit 2012 mit meinen ersten beiden Bienenvölkern angefangen habe, vorgenommen und festgestellt, daß keins der Völker länger als zweieinhalb Jahre gelebt hat. Einen Ableger, den mir ein befreundeter Imker geschenkt hat, hat sogar nur einen Winter überlebt. Ich habe die Bienen jahrelang mit verschiedenen Mitteln gegen die Varroa behandelt: Ameisensäure, Oxalsäure, Milchsäure, Thymol und zwei homöopathische Mittel. Irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen, den Bienen mit all diesen Maßnahmen Stress und Qual zu verursachen und hatte mittlerweile genug Informationen von Imkern, die einen völlig anderen Umgang mit den Bienen für notwendig hielten. Ich hatte auch erfahren, daß es unbehandelte gesunde und langlebige Bienenvölker gibt, auch in Deutschland. Während ich im Imkerkurs noch den Satz „Die Honigbiene kann heute nur mit der Hilfe der Menschen überleben“ gelernt und mir zu eigen gemacht hatte, sah ich irgendwann ein, daß er nicht stimmt und eher das Gegenteil zutrifft: Solange Menschen so massiv in das Leben der Bienen eingreifen, können sie nicht gesund werden. In den letzten drei Jahren habe ich gar nicht mehr behandelt, auch kein Zuckerwasser mehr zugefüttert und keinen Honig mehr entnommen. Ich habe die Bienen wie wilde Tiere behandelt – die sie ja sind – und ihnen lediglich eine Platz in meinem Garten angeboten. Auch die ungehandelten Bienen haben zweieinhalb Jahre überlebt. Es macht also keinen Unterschied, ob ich sie behandele oder nicht. Oder doch: Unbehandelt können sie stressfrei leben – und ich auch.
Wenn also Behandlungen nicht zur Gesundung der Bienen beitragen, wenn alle Bemühungen irgendwelche Krankheitserreger auszurotten, fehlgeschlagen sind, dann wird es Zeit, die Waffen niederzulegen. Der Krieg gegen die Varroa hat dazu geführt, daß diese kleinen Milben superresistent gegen alle Mittel geworden sind. Auch das ist nicht überraschend. Man kennt es von Antibiotika.
Kein Virus, kein Bakterium, kein Parasit konnte bisher vernichtet werden und die Absicht, genau das zu tun ist so größenwahnsinnig wie sich für einen Krieg mit Russland zu rüsten. „Der Erreger ist nichts, das Milieu ist alles“. Dieses Zitat wird Antoine Béschamp oder Claude Bernard, zwei französischen Ärzten zugeschrieben. Deren Erkenntnis hat sich aber nicht durchgesetzt, stattdessen ist man Louis Pasteur gefolgt, der den Mikroben die Schuld an Krankheiten gab. Wie kommt es dann aber, daß manche Menschen sich jeden Infekt einfangen und andere nicht? Und um bei den Bienen zu bleiben: wie kommt es, daß beim Gotlandexperiment ein sehr großer Teil der Bienenvölker gestorben ist, aber einige überlebt haben und das alles ohne jegliche Behandlung?
Es liegt doch nahe, daß dieses alte Konzept vom Feind, der bekämpft werden muss, grundfalsch ist. Und das übertrage ich jetzt ungeniert auch auf die derzeitige Situation in Europa, wo einige offensichtlich sehr gestörte Menschen fordern, Deutschland müsse kriegstüchtig werden.
Die Worte „die Waffen niederlegen“ habe ich übrigens von Kerstin Chavents Buch über ihre Brustkrebserkrankung geklaut.
Ich habe gerade ein wundervolles Buch gelesen: Bee Wisdom – Teachings from the Hive von Sandira Belia. Das gibt es leider nur auf Englisch und Französisch und wer es gern lesen möchte, sollte es direkt bei der Autorin über ihre Webseite beewisdom.earth bestellen. Die üblichen Anbieter im Internet verlangen stark überhöhte Preise dafür; Sandira nimmt deutlich weniger und hat es mir direkt, nachdem ich das Geld überwiesen hatte, mit ein paar freundlichen Worten zugeschickt. Sandira Belia kennt Bienen seit ihrer Kindheit und beim Lesen ihres mit schönen selbstgemalten Bildern ausgestatteten Buches kommt ihre Liebe und Bewunderung für diese Tiere deutlich rüber. Sie hat einen sehr weiten Blickwinkel, man könnte ihn spirituell oder vielleicht ganzheitlich nennen. Besonders die ihre Sicht auf die Varroa und den Tod haben es mir angetan. All das gehört zum Leben dazu, nichts geschieht einfach so. Jede Krankheit kann als eine in ein Tor in ein neues Land gesehen werden, als eine Chance umzudenken und alte Gewohnheiten abzulegen.