Kreise

Sehr begeistert war ich vom Interview mit Bastian Barucker im Rahmen des Online-Kongresses Die Reise deines Lebens. Er ist Wildnispägagoge und Prozessbegleiter und im Coronawiderstand aktiv. Er schilderte, wie er im Jahr 2020 ahnte, daß etwas nicht stimmte, als ihm klar wurde, daß mit Angst gearbeitet wurde. Das wurde ja auch später offiziell, als eine Mitarbeiterin des Bundesinnenministeriums ein Schreiben leakte, aus dem hervorging, daß man der Bevölkerung ordentlich Angst machen solle. Ich weiß selbst aus meiner Arbeit im Krankenhaus, daß gerade in Notfällen die Devise „Ruhe bewahren“ das A und O ist. Sobald jemand Panik schürt, gerät alles aus dem Ruder. Ruhe bewahren ist professionelles Verhalten. Einen Arzt, der seinen Patienten Angst macht, etwa um sie von einer Behandlung zu überzeugen, sollte man sofort verlassen. Nun arbeiten alle Regierungen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, mit Angstmacherei. Ich denke da z. B. an den Kalten Krieg. Ein Volk in Angst kann man prima manipulieren. Wie gut das funktioniert, können wir seit zwei Jahren beobachten. Angst setzt das eigenständige Denken außer Kraft und fährt nebenbei auch noch das Immunsystem runter. Als Nächstes wird dann ein Sündenbock eingeführt: in der beginnenden Neuzeit die Hexen, später die Juden, während meiner Kindheit und Jugend die Kommunisten, jetzt die Ungeimpften und die Russen. Aber ich schweife ab, ich wollte ja was von dem Interview berichten.

Bastian Barucker hat ein Jahr mit einer Gruppe von Menschen im Wald gelebt und dort mit ihnen einen radikal ehrlichen Umgang gelernt. Dabei wurde das Sprechen in Kreisen praktiziert: jeder darf reden, bis er oder sie alles gesagt hat, die anderen hören zu. Dann spricht der Nächste. Kein Ping Pong, wie wir das aus unseren Gesprächen kennen, wo weniger das Zuhören praktiziert und mehr die Haltung gilt: ich habe was Wichtiges zu sagen und das muss sofort raus. Ich habe selbst solche Redekreise erlebt und sie unterscheiden sich wesentlich von unserer Kommunikationskultur. Wir sind das nicht gewöhnt und eine wird vielleicht schnell ungeduldig, wenn sie warten muss, bis die Reihe an sie kommt, aber ich habe dabei erlebt, daß Sachen, die ich dringend sagen wollte, ihre Wichtigkeit verloren. Das unvoreingenommene Zuhören schafft einen Raum, in dem die sprechende Person ganz und gar wahrgenommen werden kann. Und das ist doch das, was wir brauchen und oft von Kindheit an nicht gehabt haben.

Bastian Barucker sagte, daß Indigene um die Wichtigkeit wissen, den Minderheiten zuzuhören, also denen, die abweichende Meinungen und Wahrnehmungen haben. Die sind nämlich die ersten, die spüren, wenn etwas schief läuft. Hierzulande werden Minderheiten mittlerweile als Nazis oder Schwurbler entwertet und dürfen sich seit zwei Jahren in den Mainstreammedien nicht mehr äußern oder werden sofort rausgekickt, wenn sie es versehentlich doch mal tun. Das letzte Beispiel ist Lisa Fitz, die sich mittlerweile auf den Nachdenkseiten äußert. Scharfsinnige Frau übrigens!

Gefallen hat mir auch, daß es keinerlei Polemik in diesem tollen Interview gab. Stattdessen sogar ein gewisses Mitgefühl für diejenigen unter den Politikern, die jetzt immer gnadenloser und irrationaler agieren. Wieviel Angst vor Machtverlust steckt hinter diesem Verhalten. Welche seelische Verzerrung, wenn Menschen sich um jeden Preis an Macht klammern. Ich bin ohnehin dafür, daß Politiker nicht länger als zwei Jahre in irgendwelchen Regierungen sitzen dürfen. Die Anfälligkeit für Korruption steigt mit dem Dienstalter, das ist ein Erfahrungswert. Nach Ablauf dieser zwei Jahre müssen sie sich dann vielleicht mit ihrer inneren Leere auseinandersetzen. Das ist sicherlich schmerzhaft, aber es wäre eine Chance, sich selbst besser kennenzulernen und weiterzuentwickeln.

Interessant auch, was er zur Traumaheilung sagte. Es gehe in seinen Augen gar nicht darum, das Trauma zu heilen, wobei offen blieb, was unter Heilung in diesem Zusammenhang zu verstehen sei. Er meinte, es gehe darum, das Trauma und seinen Einfluss auf Denken, Weltbild und Verhalten zu verstehen, also bewusst zu machen. Dann könne sich aus einer traumatischen Erfahrung eine besondere Fähigkeit entwickeln. Das sehe ich genauso: eine Person, die in ihrem Leben starke Ohnmachtsgefühle angesichts von Gängelung und Zwang erlebt hat, kann dann möglicherweise wesentlich eher als andere merken, wenn sich Zwangsstrukturen bilden. Und ich glaube, das geht über individuelles Erleben hinaus: daß die Menschen aus der ehemaligen DDR im Schnitt viel kritischer gegenüber der Coronapolitik und dementsprechend auch widerständiger sind, hat sicher damit zu tun, daß sie nicht nur eine Diktatur sondern im Anschluss noch die Ausplünderung durch die Treuhand erlebt haben, also nach der Wende so richtig übel verarscht wurden. Die glauben nicht mehr jeden Schwachsinn, der ihnen serviert wird.

Heute Morgen fuhr ich mit dem Fahrrad nach Bellin zur Müllsammelaktion. Dabei lernte ich eine Frau aus Bauersdorf kennen, mit der ich mich richtig gut unterhalten habe, während wir die Strecke zwischen Bellin und Friedeburg säuberten. Anschließend gab es Kaffee und Kuchen bei schönstem Sonnenschein vorm Dorfgemeinschaftshaus und noch ein ganz tolles Gespräch mit der Frau vom ehemaligen Bürgermeister. Die kleinen Kinder meiner Nachbarn setzten sich zu mir auf die Bank, darüber habe ich mich auch gefreut. Anschließend ackerte ich im Garten. Es wehte allerdings ein eisiger Nordwind.

Ein Merkmal von totalitären Systemen ist ihre völlgie Humorlosigkeit. Da ist doch Lachen eine subversive Handlung! Hier gibt es was zu lachen: https://www.dankefueralles.de/

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