Imagozellen

H. sagte in einem unserer Videotelefonate, er suche nach einer Form des Widerstands, die den Prinzipien der asiatischen Kampfkünste folgte, indem sie die Energie des Gegners nutzt statt der eigenen. Ich habe darüber viel nachgedacht und finde die Idee ziemlich attraktiv. Vor langer Zeit habe ich mal auf der psychiatrischen Aufnahmestation erlebt, wie mein damaliger koreanischer Kollege, der Taekwondo praktizierte, eine Patientin zu Boden brachte, die auf uns beide losging. Ich stand neben ihm und habe keine Bewegung gesehen, aber die Frau lag plötzlich, übrigens ohne sich wehzutun. Sie war so verblüfft, daß ihre Rage völlig verflogen war.

Was kann also in Zeiten des zunehmenden Drucks, der Drohungen und immer massiveren Einschränkungen der Grundrechte getan werden? Widerstand bindet viel Energie, die besser anders eingesetzt werden könnte. Ich sehe da zur Zeit viele hoffnungsvolle Ansätze. Immer mehr Menschen organisieren sich in kleinen Gruppen, bilden Genossenschaften und Arbeitsgruppen, arbeiten an neuen Modellen für ein Gesundheitswesen, das wirklich diesen Namen verdient, visionieren ein Wirtschaften ohne Tauschlogik, stärken regionale Kreisläufe, bilden Initiativen für freie Schulen. Es ist einfach nur erfreulich. Nicht alles wird bleiben, nicht alles wird sich bewähren, aber auf jeden Fall werden neue Erfahrungen gemacht, die uns dann weiterbringen können. Diese kreativen Kräfte entsprechen für mich den Imagozellen im Raupenkokon, die in sich schon das Bild des Schmetterlings haben. Und es scheint mir auch sehr hilfreich zu sein, den Drohungen und dem Panikschüren einfach keine Beachtung mehr zu schenken. Ich fahre damit ganz gut, indem ich kaum noch Mainstreammedien konsumiere. In denen wimmelt es so dermaßen von Diffamierungen Desinformation und Hetze, das brauche ich nicht. Ich bin allerdings auch wählerisch bei den Alternativmedien und habe mittlerweile einige Übung beim Auswählen von für mich relevanten Informationen.

Ich bekomme in den letzten Wochen vermehrt Anfragen, ob ich wieder Kräuterkurse mache. Es besteht ein großes Bedürfnis, sich von der Schulmedizin unabhängiger zu machen. Das finde ich sehr erfreulich. Ja, ich werde dieses Jahr wieder Kräuterkurse anbieten und das demnächst auf meiner Homepage öffentlich machen. Die Winterwochen nutze ich gerade dazu mich weiterzubilden: die liebe I. hat mich auf die Gemmotherapie aufmerksam gemacht, also die Behandlung mit Zubereitungen aus Baum- und Strauchknospen, die pflanzliche Stammzellen enthalten. Ein sehr spannender Bereich. Bei meinen täglichen Spaziergängen schaue ich mir jetzt die Bäume noch genauer an und ganz besonders die Knospen, die schon alle angelegt sind und auf den richtigen Moment warten, sich dem Licht zu öffnen. Wie schön, daß es immer wieder etwas Neues zu lernen, zu entdecken und auszuprobieren gibt!

männliche Haselkätzchen

Widerstand muss in meinen Augen absolut gewaltfrei sein. Die Geschichte zeigt, daß alle Revolutionen letztlich gescheitert sind, wenn sie gewaltsam waren. Ob nach der französischen Revolution, in der ehemaligen Sowjetunion oder in China: aus anfänglich guten Ansätzen, die die unterdrückte und ausgebeutete große Mehrheit der Bevölkerung befreien wollten, sind dann neue totalitäre Systeme geworden. Das haben wir zur Genüge gehabt. Es reicht! Oder „Ya basta!“ wie die Zapatisten sagen. Ich bin davon überzeugt, daß wir jetzt die Chance haben, die schönere Welt zu erschaffen, „die unser Herz kennt“(Charles Eisenstein). Ich finde es ganz besonders wichtig, daß wir es uns auch schön machen und darauf achten, daß es uns gut geht. Da zitiere ich gern mal wieder die Anarchistin Emma Goldmann: „Eine Revolution, bei der ich nicht tanzen kann, ist nicht meine Revolution.“ So isses!

Übrigens ist die Freundin, die an Covid erkrankt war (ich habe davon berichtet), wieder gesund und munter. Sie hat mich besucht und mir ausführlich vom Verlauf ihrer Krankheit berichtet. Geholfen haben ihr Artemisia annua und homöopathische Medikamente, die ihr Hausarzt ihr nach Telefonkonsultationen verschrieben hat. Ich glaube, daß auch die völlige Akzeptanz ihrer Krankheit die Genesung erheblich gefördert hat.

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