Stürmische Zeiten

Ich komme gut klar mit dem Lockdown, weil ich gern allein bin und es dafür kaum einen schöneren Ort als mein kleines Dorf gibt. Aber es ist auch schön, mal wieder unter Menschen zu sein und in einen anderen kleinen Kosmos einzutauchen. Ich habe ein paar Tage in Flensburg verbracht. Am Samstag gingen wir durch eine schöne Schneelandschaft auf dem Gendarmenstien bis nach Dänemark. Mittendurch zieht sich der neue Zaun, der Wildschweine davon abhalten soll, nach Dänemark zu wandern. Kein organischer Holzzaun, kein dezenter Drahtzaun, sondern ein kompakter hässlicher Stahlzaun. Es scheint so, daß sogenannte Schutzmaßnahmen oft mit Hässlichkeit gepaart sind.

Am Sonntag fuhren wir dann ganz unbedarft in die Geltinger Birk. Die vielen Schneeverwehungen auf der Bundesstraße hätten uns Warnung sein können, auch die kleine Nebenstraßen, die alle von einer kompakten Eisschicht überzogen waren. Wir kamen an, stiegen aus dem Auto und ein eisiger Wind empfing uns. Die Ostsee schrie unter dem Sturm und wir waren in Nullkommanix völlig durchgefroren trotz eigentlich angemessener Kleidung. Der Gang war dann nach ca. 20 Minuten beendet und wir fanden erstaunlicherweise im nächstgelegenen Dorf eine offene öffentliche Toilette, die unsere Hintern vor dem Erfrieren rettete und sich über Spenden finanziert. Soviel Menschenfreundlichkeit muss man würdigen!

Am Montag fuhr ich wieder nach Hause. Während es in Flensburg fleißig am Schneien war, kam ich gut zu Hause an. Das Haus war eiskalt und für die nächsten Stunden saß ich am Feuer und hörte dem Sturm draußen zu, der pulvrigen Schnee gegen meine Haustür drückte und im Garten weiße bizarre Gebilde schuf. Wie schön, daß mal wieder richtiger Winter ist.

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