Beziehung

Das gute selbstgebackene Roggenbrot

In Hessen ging ich nach dem Mittag- oder Abendessen in den Wald. Ich kam an einer Wiese vorbei und hörte den jubilierenden Gesang einer Lerche. Wenig später konnte ich sie auch sehen, wie sie über der Wiese auf- und niederflog. Als ich Kind war, gehörten Lerchen zum Frühling und Sommer. Sie waren überall, wo es Wiesen gab. Daß sie dabei sind zu verschwinden, habe ich erst bemerkt,, als ich vor etwa zehn Jahren mal wieder eine hörte und sah, ganz in meiner Nähe in einem Kiesgrubenbiotop. Aber seit einigen Jahren ist sie auch dort verschwunden. Das ist sehr traurig. Diese kleinen Vögel sind für mich der Inbegriff der großen Freude über die Schönheit der Erde: dieser ekstatische Gesang, das Tanzen in der Luft – es ist die reinste Lebensfreude, ein überquellendes Dankeslied an Mutter Erde und ihre Fülle. Es gibt kaum noch naturbelassene Wiesen, in denen sie brüten können.

Noch etwas anderes verschwindet. Vom Zug aus konnte ich, während wir durch Niedersachsen fuhren, sehen, daß die Wälder meiner Kindheit sterben. Es waren Fichten, Hunderte, Tausende toter Fichten, an denen wir vorbeifuhren. Ich habe Bilder vom Harz gesehen, wo man jetzt an einigen Stellen dazu übergegangen ist, den Wald sich selbst zu überlassen, das Sterben geschehen zu lassen und zuzusehen, wie er sich mit anderer Vegetation von selbst erneuert. Das halte ich für die einzig richtige Antwort auf das große Sterben: sich nicht mehr einzumischen, sondern der Selbstregulation zu vertrauen. Ich weiß, daß das Sterben seine Ursache in den Monokulturen, der Trockenheit und dem Befall mit Borkenkäfern hat und daß alles miteinander zusammenhängt.

Meine grünen Verbündeten

Mich beschäftigt immer noch das extreme Verhalten der Teilnehmerin meines letzten Kräuterkurses. Sie hat mir zum Schluss, bevor ich sie wegschickte, noch gesagt, daß sie etwas anderes erwartet hätte. Nun, wenn sie meine Homepage oder den Flyer gelesen hätte (was sie angeblich getan hat) oder wenn sie mir zugehört hätte (was sie nicht getan hat), wäre ihr schon zu Beginn klar geworden, daß ich nicht die richtige Lehrerin für sie bin.

Mir kommt es in meinen Kursen darauf an, Menschen zu vermitteln, wie sie mit den Pflanzen in Beziehung treten können. Dazu braucht es die Bereitschaft sich einzulassen und alle Sinne einzusetzen. Von meiner Seite gibt es ein breites Angebot an Geschichten, Mythen, Erfahrungsberichten mit den Pflanzen, auch Wissenschaftliches und zum Abschluss ein Skript mit den wichtigsten Informationen. Man kann Pflanzen benutzen wie Medikamente, also mit der Einstellung: ich will ein Mittel, was mir meine Krankheit, meine Beschwerden wegmacht. Diese Haltung kennen wir alle, sie ist verständlich. Mit dieser Haltung gehen wir auch in der Regel zum Arzt, der uns schnell von allem befreien soll, was uns plagt. Man bekommt dann Schlaftabletten, Tabletten gegen Schmerzen und Bluthochdruck, Antidepressiva und was heute noch so alles völlig normal geworden ist. Aber all diese Mittel helfen – im günstigsten Fall und längst nicht immer und jedem – nur gegen die Symptome. Sie können nicht heilen. Das gilt auch für Pflanzen, die anstelle der Erzeugnisse der Pharmaindustrie eingesetzt werden: vielleicht helfen sie vorübergehend, aber sie heilen nicht.

Damit Heilung geschehen kann, braucht es nach meiner Erfahrung Beziehung. Das heißt zuallererst Beziehung zu mir selbst, zu meinem Körper. Dabei können Fragen helfen: wozu brauche ich diese Krankheit? Ich glaube, daß jede Krankheit eine Aufgabe mit sich bringt, die erkannt werden will. Im Wort Aufgabe steckt das Aufgeben. Was möchte aufgegeben werden? Welche Einstellungen, welche alten Glaubenssätze sind nicht mehr angemessen? Dazu fällt mir wieder der Satz meines verstorbenen Freundes und ehemaligen Therapeuten Jans ein: „Die Seele sagt zum Körper: sag du’s ihr. Auf mich hört sie nicht.“ Im Fall einer Grippe oder meinetwegen auch Covid ist das einfach: die Aufgabe ist, sich ins Bett zu legen und der Weisheit des Körpers das Feld zu überlassen. Da Fieber, Gliederschmerzen und was man sonst noch an typischen Symptomen hat, den Verstand genialerweise weitgehend lahmlegen, kann der dabei auch nicht stören. Das ist Körperintelligenz! Bei anderen Krankheiten dauert das länger. Ich bin in meinem Leben nicht sehr oft, aber einige Male schwer krank gewesen. Das letzte Mal hat sich in meinem 28. Lebensjahr ereignet und es hat viele Jahre gebraucht, bis ich wieder richtig gesund war. Aber diese Zeit war so wichtig für mich und ich wäre nicht die, die ich bin, wenn ich sie nicht gehabt hätte. Im Rückblick weiß ich, daß sie zu meinem Seelenplan gehörte. Zurück zu den Pflanzen: wenn ich mir wünsche, daß die Pflanzen mir helfen in meinem Genesungsprozess, dann ist es gut, mit ihnen in Beziehung zu gehen, sie als lebendige Wesenheiten zu erkennen und von ihnen zu lernen. Man kann natürlich auch Bücher oder das Internet zu Rate ziehen: welche Pflanzen helfen bei diesen oder jenen Beschwerden? Das ist die gleiche Haltung wie bei der Einnahme von Tabletten. Kann man machen, aber es ist dann eben nur Symptombehandlung. Es ist die Konditionierung des Konsumierens. Es ist eine Frage der Entscheidung. Mein Weg ist ein anderer und ich finde ihn zutiefst befriedigend und erfüllend. Das ist das, was ich in meinen Kursen vermittle.

Etwas abgewandelte Aufforderung von Willem Christiaan Engel, Tänzer und Aktivist, der vor einigen Tagen aus der Untersuchungshaft in Rotterdam entlassen wurde

Und wer noch was anderes über den Ukrainekrieg lesen möchte als das Dauergeschrei der Mainstreammedien: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-deutschen-wollen-den-krieg-in-der-ukraine-gewinnen

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