Ein Freund, wesentlich jünger als ich, äußerte kürzlich seine Wut und Verzweiflung über die Passivität und das Desinteresse der meisten seiner Altersgenossen gegenüber der zunehmend zerstörerischen Maßnahmen der weltweiten Techno-Elite. Er dachte dabei sowohl an die Zustimmung des größten Teils der Bevölkerung zu den Coronamaßnahmen als auch aktuell an die vielen von der „westlichen Wertegemeinschaft“ angezettelten Kriege. Er kündigte an, er wolle sich jetzt aus Protestaktionen zurückziehen, es hätte ja alles keinen Zweck.
Ich kann ihn verstehen, halte aber seine angekündigten Konsequenzen nicht für richtig. Ja, es stimmt, daß wir in der Minderzahl sind. Ja, es stimmt, daß ein großer Teil der Bevölkerung schweigt und damit zustimmt, wie Ulrike Guérot einmal sagte. Ja, es stimmt, daß die Regierung, egal welche, Demonstrationen aussitzt und zunehmend Menschen sanktioniert, die ihre Wahrheit aussprechen. Wenn ich mich jeden Samstag zusammen mit anderen Menschen auf den Preetzer Markt stelle und ein Schild mit der Aufschrift „Frieden“, „Diplomatie“ usw. halte und gelegentliche Beschimpfungen über mich ergehen lasse, weiß ich, daß ich die Verantwortlichen nicht erreiche. Aber ich bin davon überzeugt, daß wir eine Energie ins morphogenetische Feld geben, die vielleicht irgendwann wie der Flügelschlag des Schmetterlings aus der bekannten Metapher der Chaosforschung eine Veränderung bewirkt.
Heute sind es vor allem die alten Menschen wie ich, die auf die Straße gehen. Aber es gibt auch ermutigende Zeichen von den Jüngeren: Schüler organisieren Schulstreiks gegen die drohende Wehrpflicht; den unten stehenden Aufkleber fand ich in der Nähe der Kieler Waldorfschule.

Es gibt einen weiteren Grund, warum ich auf der Straße stehe und hier schreibe: so kann ich mit dem manchmal fast unerträglichen Schmerz über die Zerstörung unserer schönen Erde umgehen. Es sind ja nicht allein die vielen Kriege, die von einer satanischen Elite geführt werden, es ist auch die zunehmende Zerstörung der Natur. Heute wurde mir ein Video geschickt, in dem ein Musiker sein Entsetzen über die mit riesigen Windrädern besetzte deutsche Landschaft verarbeitet: Song von Wilhelm Bembenek
Beim Anhören und -sehen kamen mir die Tränen. Ich weiß, daß es sehr schlimm ist, aber die Musik und die Bilder brachten den Schmerz an die Oberfläche. Ich musste an den Reinhardswald denken, einen der Wälder meiner Kindheit, in dem jetzt gigantische Windräder errichtet werden, gebaut aus Rohstoffen, für die die Natur außereuropäischer Länder ausgeplündert wird, z. B. Balsaholz; die gigantischen Stahlbetonfundamente verbleiben für Ewigkeiten in der Erde; sie müssen nach 20 Jahren erneuert werden; die Windräder führen zu lokalen Dürren, erzeugen gesundheitsschädlichen Infraschall usw. Die Rotorblätter sind bedeckt mit erschlagenen Insekten und schreddern Vögel. Das zu wissen und zu sehen tut so weh.
Und selbst wenn der letzte Quadratmeter Erde in Deutschland mit diesen Monstern zugebaut ist, wird es nicht ausreichen, um den Strom zu erzeugen, den wir brauchen. Der zunehmende Einsatz von KI macht alles noch schlimmer. Eine Bekannte, der gegenüber ich meine Kritik an Windrädern äußerte, fragte spitz: „Ja, willst du denn Kernkraft?“ Nee, will ich nicht. Aber ich kann nicht sehen, daß die fälschlicherweise so genannten „erneuerbaren Energien“ besser sind.

Der Freund, von dem ich oben berichtet habe, wünscht sich einen langen Blackout, der dazu führt, daß Menschen gezwungen sind, wieder zu einem einfachen Leben zurückzufinden. Etwas in mir wünscht sich das auch. Ich habe Holz zum Heizen, mein eigenes Gemüse, eine erfreuliche Nachbarschaft und wenn nötig meine Kräutermedizin.
Kürzlich stieß ich auf den englischen Autor und ehemaligen Umweltaktivisten Paul Kingsnorth und sein Büchlein Dunkle Ökologie. Darin plädiert er für die Rückkehr zur Handarbeit am Beispiel des Mähens mit der Sense. Darüber habe ich mich gefreut, mache ich doch genau das seit vielen Jahren. Im Haushalt benutze ich nur wenige elektrische Geräte. Ich habe z. B. ein manuell betreibbares Gerät zu Sahneschlagen (dauert exakt genauso lange wie mit dem elektrischen), zum Pürieren benutze ich die Flotte Lotte und zum Milchschäumen eine genialen Quirl aus einer Edelstahlspirale. Überhaupt ist Handarbeit viel menschengemäßer als die vielen Maschinen, die angeblich unser Leben besser machen. Als ich jung war, gab es nur sehr wenige dicke Menschen. Es gab keine Fitnessstudios, aber sehr viel körperliche Arbeit. Und abends konnte man sich meistens zufrieden nach getaner Arbeit ins Bett legen. Ich sage nicht, daß früher alles besser war, aber einiges schon.

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