Wochenende in Hamburg

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Das letzte Wochenende machten wir einen Familienausflug nach Hamburg. Mein Sohn hatte für uns fünf eine Wohnung in Hamburg-Farmsen im Osten der Stadt gemietet. Ich war schon oft in dieser großen Stadt, meine Schwiegereltern lebten dort, meine Freundin I. ist vor wenigen Jahren dahin gezogen. Ich habe in Hamburg Körpertherapieseminare besucht und in Altona eine einjährige Permakulturausbildung besucht. Aber ich kann nicht behaupten, daß ich mich gut auskenne. Die Stadt ist einfach viel zu groß.

Am Abend unserer Ankunft nutzten wir die Zeit, bis die beiden Bonner ankamen, für einen ausgiebigen Spaziergang in einem schmalen Waldgelände nahe unserer Wohnung, durch das die Wandse floss. Der kleine Fluss stank leider ziemlich, aber die Landschaft mit ihren alten Bäumen und großen Teichen war sehr schön. K. und M. erprobten ihr Bouldergeschick an einer sehr dicken knorrigen Hainbuche und ich sah ihnen dabei zu.

Am Samstag fuhren wir ins Zentrum. Als wir in die U-Bahn stiegen, sah es zunächst nach freien Plätzen aus. Aber auf einem der Sitze lag ein frischer Kackhaufen, der vor sich hinstank. Wir verzogen uns wie auch die anderen Leute ans Ende des Wagens. Eine Frau klopfte solange an die Kabine, bis der Fahrer die Tür öffnete. Er wusste aber schon Bescheid und an einer Haltestelle mussten alle aussteigen, damit jemand zum Reinigen kommen konnte. Willkommen in Hamburg!

Im Schanzenviertel frühstückten wir. Es gab nur ein festes Ziel: das MARKK, das ich bisher unter dem Namen Völkerkundemuseum kannte. Offensichtlich ist das Wort Volk bzw. Völker nicht mehr politisch korrekt – ich komme nicht mehr hinterher, welche Worte man heute noch sagen darf und welche besser nicht. Ich war hier öfter zu interessanten Ausstellungen über Afrika und Indianer und finde den Begriff Völkerkundemuseum völlig passend. Dieses Mal gab es eine Ausstellung über Katzen. Da wir ja alle mit Katzen zusammenleben, war es natürlich naheliegend hierher zu kommen. Es gab viel zu sehen und zu bestaunen, z. B. eine Katzenmumie aus dem alten Ägypten. Auch Durga auf ihrem Tiger war vertreten, ebenso Exponate aus afrikanischen Ländern, Peru, Japan und anderen Ländern. Was aber fehlte und sowohl meiner Tochter als auch mir auffiel war die germanische Freya mit ihrem Katzenwagen. Auch hier wieder ein Beispiel für das Vergessen der eigenen Geschichte.

In der Eingangshalle des Museums stand eine große Basaltskulptur, die Rabenfrau Heelah von David Seven Deers. Und draußen auf der rechten Seite des Gebäudes stand sein großer Totempfahl, an dem er in den 90er Jahren gearbeitet und den er dann der Stadt geschenkt hatte. Bei seinem Anblick empfand ich eine große Freude, die ich nicht erklären kann. Hier ist genau der richtige Platz für Davids Geschenk.

Dann ließen wir uns durch die Stadt treiben, streiften durch Planten un Blomen und genossen die Pflanzenvielfalt. Später landeten wir auf dem Dom, dem großen Jahrmarkt auf dem Heiligengeistfeld. Wir tauchten ein in den Rummel, den Lärm, die Gerüche, aßen Fischbrötchen und gebrannte Mandeln. Katharina und Stefan fuhren mit der Geisterbahn; aus den Lautsprechern kam scheppernd Red Right Hand von Nick Cave and The Bad Seeds.

Am Abend und nach langer Pflastertreterei landeten wir schließlich bei einem afghanischen Restaurant vis-à-vis von der Roten Flora. Wir hatten vorher schon an unzähligen Restaurants vergeblich nach einem freien Tisch Ausschau gehalten. Auch hier mussten wir zunächst in einer Schlange warten, ehe uns ein Tisch zugewiesen wurde. Während wir aßen, flanierten Menschenmassen vorbei, ein nicht abreißender Strom.

Hamburg ist eine faszinierende Stadt mit viel Wasser und schönen Grünanlagen. Wohnen möchte ich hier allerdings nicht.


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