Die Freiheit einer alleinstehenden Frau

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Der Kräuterkurs am Wochenende war sehr gelungen: wir waren auf magische Weise auf einer Wellenlänge und der Tag verlief in einem einzigen Flow. Die allermeisten Kräuterwanderungen sind erfreulich, aber diese war einfach besonders schön.

Ich hatte vor einigen Monaten eine Zeitlang Zweifel, ob ich weitermachen sollte. Die Anmeldungen stagnierten und ich fühlte mich lustlos; ich weiß nicht warum. Die Flyer mussten nachgedruckt werden, was ich dann schließlich in die Wege leitete mit dem Gedanken: es wird sich schon das Richtige ergeben. Samstag kam dann die Bestätigung und ich habe mein Netz von Frauen, die den Mut und Willen haben neue Wege zu gehen, erweitert. Dafür danke ich dem Leben.

Eine der Frauen, etwa in meinem Alter, erzählte mir, daß sie sich jetzt als alte Frau so frei wie nie zuvor fühlte. Ihre Kinder gehen schon lange eigene Wege, sie lebt allein und hat vor kurzem ihren Wohnort vom Süden Deutschlands hier in den Norden verlegt. Es gibt da einige Parallelen zu meinem Leben und Empfinden. Auch ich fühle mich sehr frei und glaube, daß es daran liegt, daß ich eine alte alleinlebende Frau mit Lebenserfahrung bin und im Grunde machen kann, was ich will. Ich muss keinem mehr gefallen, außer mir selbst. Ich bin keinem mehr verpflichtet, außer meiner eigenen Wahrheit.

Freiheit ist ein großes Thema, seit ich etwa fünfzehn Jahre alt war. Das hat wesentlich mit meinem Vater zu tun, der mich vor früher Schwangerschaft und anderen Gefahren, die mir durch den Kontakt mit Männern hätten begegnen können, beschützen wollte und mir aus dieser Besorgnis heraus die Freiheit nahm. Im Nachhinein bin ich meinem Vater dankbar, weil ich in dieser Zeit gelernt habe ungehorsam zu sein und Widerstand zu leisten. Ich habe gelernt Autoritäten zu misstrauen und keine Untertanin zu sein. Das war natürlich nicht, was mein Vater bezweckt hatte, aber es hat durchaus etwas Schicksalhaftes, daß ich genau diesen einengenden Vater hatte und er eine Tochter, die zur Rebellin wurde.

Auch in meinen beiden Ehen habe ich oft das Gefühl von Unfreiheit gehabt, sehr zum Kummer vor allem meines zweiten Mannes. Ich kann ihm auch gar nicht vorwerfen, daß er mir die Freiheit genommen hat – im Gegenteil. Aber es gab in mir oft dieses belastende Gefühl, Erwartungen erfüllen zu müssen, die ich nicht erfüllen konnte. Mir ist es wichtig zu sagen, daß ich mit ihm zumindest in den ersten neun Jahren unserer Beziehung ein großes Gefühl von Geborgenheit erlebt habe. Das kannte ich bis dahin so nicht und werde ihm dafür immer dankbar sein und ihn in guter Erinnerung behalten. Ich habe aber mittlerweile große Zweifel an dem bürgerlichen Konzept einer lebenslangen Beziehung. Es gibt solche Paare, ich habe eins davon lange miterleben dürfen, aber es scheint eine Ausnahme zu sein. Liebe ist nun mal frei und kann nicht kontrolliert werden.

Seit ich nicht mehr auf der Suche nach einem Mann bin, hatte ich seltsamerweise häufiger mit Männern zu tun, die sich eine Liebesbeziehung mit mir wünschten. Ich wollte aber keinen von ihnen und es war für mich jedes Mal sehr unangenehm, wenn ich mal wieder einem einen Korb geben musste. Ich möchte hier klarstellen, daß ich Männer mag – nicht jeden natürlich – und daß es gute Freunde gibt, mit denen ich mich auf schöne Weise austauschen und von ihnen inspirieren lassen kann. Und es gibt auch manchmal Momente, in denen ich eine vage Sehnsucht nach einem Gefährten spüre. Aber im Großen und Ganzen ist mein Leben so, wie ich es seit nunmehr neunzehn Jahren lebe, genau so, wie ich es will.

Interessanterweise gibt es in der germanischen Mythologie die Göttin Freyja, die genau diesen Archetypus der freien selbstbestimmten Frau verkörpert. Auch die pelasgische Göttin Eurynome entspricht diesem Typus.


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