Digitale Welt

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Das Foto zeigt die Bushaltestelle von Lammershagen mit Straßenkunst: erst war nur die Kloschüssel da, einige Tage später dann das Plüschtier. Leider wurde das Ganze mittlerweile wieder entfernt.

In den letzten Wochen war ich gezwungen, über die digitale Welt nachzudenken: erst hat mein Anbieter ohne Vorwarnung meine alte Mail-Adresse deaktiviert. Ich sage jetzt nicht, wer mein Anbieter ist, nur soviel: vor Jahren habe ich von der Telekom zum lokalen Provider Kielnet gewechselt. Die hatten einen richtig guten Service, waren angemessen in ihren Preisen und ich war zufrieden. Ein paar Jahre später wurde Kielnet von einem größeren Anbieter geschluckt. Das hat für mich zunächst nichts geändert. Bis Ostern: da konnte ich keine Mails mehr empfangen und abschicken.

Telefonische Rückfragen und schriftliche Aufforderungen brachten auch keine Lösung: ich solle mich an meinen Altanbieter wenden. Sehr witzig: mein Altanbieter ist seit Jahren der, der mir jetzt gerade den Zugang verweigert.

Dann fiel mir mein neues Handy runter und war nicht mehr zu bedienen. Nach einigem Gesuche fand ich schließlich einen Betrieb in Kiel, der es reparieren konnte. Das war insofern schwierig, weil es sich nicht um ein Smartphone sondern ein Sony Ericsson-Handy, Baujahr 2009, handelt, das meine Tochter mir bei Ebay besorgt hat: originalverpackt, aber eben nicht mehr aktuell. Ich will kein Smartphone. Mein altes Nokia-Handy habe ich 15 Jahre in Gebrauch gehabt und es funktioniert immer noch. Ich finde es pervers, alle drei Jahre ein neues Gerät zu kaufen, wie ich das bei vielen meiner jungen Kollegen sehe. Und ich brauche auch kein WhatsApp. Das können viele nicht verstehen, aber ich habe absolut keine Lust, die Geschäftsinteressen von Mark Zuckerberg oder anderen Internetgiganten zu bedienen.

Zunächst bin ich ziemlich hochgefahren, als weder Mails noch Handy funktionierten. Ich habe mich geärgert und malte mir aus, wieviel Zeit es jetzt wieder brauchen würde, alles neu zu konfigurieren, mir neue Mailadressen einzurichten, alle zu benachrichtigen, die das wissen müssen usw. Soviel Zeit, die ich gern für andere Sachen aufgewendet hätte. Dann kam ich wieder runter und dachte: Interessant! Es ist ja noch gar nicht lange her, daß ich weder Internet noch Handy hatte. Und jetzt fühle ich mich schon total abhängig.

Harald Welzer nennt das die „smarte Diktatur“.

Dann kamen auch schon die ersten Anrufe: wir können dich gar nicht mehr erreichen, was ist los?

Meine Tochter und ich sind jedenfalls davon überzeugt, daß das Digitale keine große Zukunft hat: zu aufwendig, zu teuer, zu zerstörerisch. Versteht mich nicht falsch: ich finde das Internet großartig. Aber es hat auch ganz extreme Schattenseiten.

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So sah es hier an Ostern aus.

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