Wandern im Elbsandsteingebirge

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Am Sonntag sind wir von unserem Wanderurlaub in der Sächsischen Schweiz zurückgekommen. Es war unser drittes Mal in dieser außergewöhnlichen Landschaft und auf dem Gelände unserer sehr freundlichen Vermieter. Die ersten beiden Tage fand ich ziemlich schwierig: wir gerieten mitten im Wald in ein Gewitter, das sich quasi aus dem Nichts über uns zusammengebraut hatte. Es war so ungemütlich, daß wir in unser Quartier zurückkehrten. Nachmittags wanderten wir dann zum Großen Zschirnstein. Die Luft war drückend, das Gehen auf den steil ansteigenden Wegen so anstrengend, daß ich an meiner Kondition zweifelte. Außerdem wurden wir von Bremsen verfolgt. Ich hatte schlechte Laune und fragte mich, was mich eigentlich geritten hatte, so eine anstrengende Tour zu machen statt mein Rentnerinnendasein zu genießen. Aber etwas in mir wollte weitergehen und ich wusste, daß meine Stimmung über kurz oder lang umschwenken würde.

So war es dann auch. K. und M. planten unsere täglichen Routen mit Karte und Handy. Sie üben seit einem Jahr Bouldern und wollten ihre Kletterkenntnisse an realen Felsen erproben. Ich hatte ein wenig Angst vor ihrem Ehrgeiz, zumal meine Tochter öfter sagte: „Du solltest an deinen Klettertechniken arbeiten.“ Ich wünschte mir Wege, auf denen ich gemütlich durch die Landschaft gehen konnte, aber natürlich war mir klar, daß ich dafür eigentlich woanders hätte hinfahren müssen. Auf keinen Fall wollte ich noch mal so etwas erleben wie auf der Rotkehlchenstiege im letzten Jahr, wo ich zeitweise nicht wusste, wie ich sie bewältigen sollte, aber auch nicht mehr zurückkonnte.

Kühles, klares Quellwasser tut so gut!

Man kann in dieser Felsenwelt nicht wandern ohne über kurz oder lang an eine Steiganlage zu kommen: senkrecht am Fels angebrachte Metallleitern, in den Stein gehauene Stufen, in die oft nur der vordere Teil des Fußes passte, schier endlose Treppen auf- und abwärts, enge Felsspalten, Metallketten zum Festhalten, Meine Tochter und mein Schwiegersohn freuten sich immer über diese zusätzlichen Herausforderungen. Da ich nicht am Fuß solcher Steiganlagen auf sie warten wollte (was auch nicht immer möglich war, weil einige nur in einer Richtung betreten werden konnten), machte ich alles mit. Ich habe schon im letzten Jahr festgestellt, daß sich meine Höhenangst stark reduziert hat. Aber auf den Stufen und Leitern sehe ich sowieso nicht nach rechts und links, möglichst auch nicht nach oben und schon gar nicht nach unten. Ich sehe nur stur auf die Stufen, eine nach der anderen. Und wenn ich dann so einen Auf- und Abstieg geschafft habe, fühlt es sich sehr gut an.

K. und M. fanden auch Felsen, an denen sie ihre Steigkünste ausprobieren konnten. Wir gingen auf unserem Lieblingspfad an den Felswänden entlang (nein, den verrate ich nicht). Dort war es völlig still, wie auch in den letzten beiden Jahren. Wir haben dort selten andere Menschen getroffen. Ab und zu ließen die Kolkraben, die dort leben, ihre sonoren Rufe durch die Felswände schallen. Einmal fanden wir Hufabdrücke, ich vermute von Rothirschen. Ich sah zum ersten Mal in meinem Leben eine Kreuzotter, die ein paar Augenblicke ruhig auf dem Weg lag und sich anschauen ließ.

Wir machten Pausen, hatten Proviant, Kaffee, Tee und Wasser dabei; wir wechselten uns mit den Rucksäcken ab. Aber abends waren wir immer ziemlich erledigt. Am dritten Tag vor dem Einschlafen spürte ich jeden Muskel in meinem Rücken und meinen Beinen. Am fünften Tag gingen wir in die Bad Schandauer Therme zum Saunieren. Das tat gut.

Zweimal fuhren wir in die tschechische Grenzstadt Hřensko zum Tanken. Das Benzin kostet dort ca. 50 Cent weniger als bei uns. Da lohnt sich ein Umweg allemal. Unser Vermieter hatte uns schon im letzten Jahr den Tipp gegeben. Die beiden luden uns zwei Tage vor der Rückreise zur Kartoffelsuppe ein. Wir saßen zusammen auf der Veranda, aßen die sehr leckere Suppe und unterhielten uns ganz offen und zwanglos. Ich finde die Geschichten interessant, die sie in ihrer langen Zeit in der DDR erlebt haben. Es war ein schöner Abend und zwei Tage später ein sehr herzlicher Abschied.


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