Das Buch von Stephen Buhner zieht mich völlig in seinen Band; ich komme schnell damit voran. Richtig gezündet hat es im Kapitel Guilt and Shame. Ja, die Schuld, Begleiterin unseres Kulturkreises seit ungefähr 2000 Jahren. Wir Menschen sind immer an irgendwas schuld: am Klimawandel, am Holocaust, am Artensterben – wir kennen das, wir haben es mit der Muttermilch zu uns genommen.
Stephen Buhner bringt diese Geschiche sehr klug und knackig auf den Punkt und zerlegt sie zugleich. Wir können nur die Verantwortung für unsere direkten Taten übernehmen und davon hat jeder und jede einzelne so einige im Gepäck. ich fühlte mich sehr bestätigt, als er beschreibt, wie die Erinnerungen an die eigenen schlechten Taten in der Vergangenheit mit zunehmendem Alter häufiger auftreten und der Schmerz darüber nicht weniger wird. Ja, so erlebe ich das auch.
Beim Lesen kam ich auf die Kollektivschuld, mit der ich als Deutsche einigermaßen vertraut bin. Ich erinnere mich an die vielen Urlaube in Frankreich, in denen ich möglichst nicht als Deutsche erkannt werden wollte. Einmal hörte ich, wie im Bus Leute sich über die blöden boches ausließen. Sie hatten gehört, daß wir untereinander deutsch sprachen. Ich verstehe mittlerweile, welchen Hass die Franzosen auf die deutschen Besatzer gehabt haben müssen, aber ich bin nicht dafür verantwortlich.
Und ich glaube auch nicht an Kollektivschuld. Ich glaube, daß es außer den Deutschen noch andere Nationen gab und gibt, die schlimmste Verbrechen gegenüber Menschen verübten und immer noch verüben.

Ich steige aus dem Schuldkult aus. Ich bin es auch leid, immer mit einer unterschwelligen Scham, weil ich Deutsche bin, rumzulaufen. Nationalismus ist mir fremd, aber es gibt einiges, was ich am Deutschsein mag: das Genaue und Gründliche, die präzise Sprache und die Landschaften vom Meer bis an die Berge (solange sie noch nicht von Windrädern zerstört werden). Und wir haben einige kluge Leute gehabt: Hildegard von Bingen, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Engels, Christa Wolf, um nur einige wenige zu nennen.
In meiner Abschlussarbeit bei Alma mater habe ich mich mit den drei Nornen befasst, Urd, Werdandi und Skuld. Der Name Skuld klingt nicht zufällig wie Schuld. In diesem Sinne ist Schuld die Konsequenz meines Handelns,


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