Der Herbst ist da

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Der Herbst ist gekommen und wir haben ihn am Feuer im Garten gefeiert. Wir haben ein kleines Übergangsritual gemacht und uns für die Ernte bedankt. Die war wirklich gut in diesem Jahr: eine Fülle an Tomaten, Mangold, Bohnen, rote Bete, Endiviensalat, davor Erdbeeren und rote und schwarze Johannisbeeren. Die Kartoffeln waren ein bisschen klein, vielleicht wegen der Trockenheit. Dafür hat der Walnussbaum, den ich vor zehn Jahren gepflanzt habe, dieses Jahr die erste Nuss getragen und ich war schneller als das Eichhörnchen.

Ich liebe den Herbst, das ist so, seit ich ein Kind war. Vielleicht weil ich selbst ein Herbstkind bin. Er hat etwas Mystisches. Die Schwalben sind gezogen, es ist stiller draußen. Aber morgens singt der Zaunkönig im Knick; die Krähen und die Kraniche sind das ganze Jahr über zu hören und nachts ruft das Käuzchen. Wenn ich bei Dunkelheit noch mal rausgehe, kann ich das Krachen der Geweihe hören: die Damhirsche sind in der Brunft und machen ihre Kämpfe. Vielleicht ist das ihre Art von Ritual.

Heute gab es viel Regen und damit eine gute Gelegenheit das Obst zu verarbeiten. ich habe Apfelringe vorm Ofen zum Trocknen ausgebreitet; die nächsten Tage werde ich Apfelsirup einkochen und die duftenden Quitten verarbeiten. Vor kurzem hat mir mein Nachbar eine Menge Steinpilze gebracht. Einen Teil habe ich in Scheiben geschnitten und im Ofen getrocknet. Das sind befriedigende Arbeiten.

Eine neue Buchempfehlung: Der Wetiko-Wahn–Ausbeutung, Imperialismus und die Zerstörung der Lebenswelt (Eine indigene Geschichte der Zivilisation)von Jack D. Forbes. Der Autor war Angehöriger der nordamerikanischen Ureinwohner und beschreibt aus seiner indigenen Sicht, welch unheheure Gewalt und Zerstörung die Kolonisatoren angerichtet haben und immer noch anrichten. Er konzentriert sich dabei nicht allein auf die beiden Amerikas und ich war angenehm überrascht, welch umfangreiche Kenntnis er auch von der europäischen Geschichte hat. Wetiko ist eine kannibalische Wesenheit in der indianischen Mythologie, die einen Menschen besetzen kann und ansteckend wie ein Virus ist. Ein von Wetiko Befallener ist völlig maßlos, er kann nie genug haben, er geht über Leichen und zerstört letztlich sich selbst. Diese schwerwiegende Geisteskrankheit hat den größten Teil der westlichen Zivilisation befallen und äußert sich auch in Phänomenen wie Krieg, Imperialismus, Kapitalismus mit seiner Notwendigkeit, immer weiter zu expandieren. Das Buch hält den Europäern den Spiegel vor. Ich musste an einen jungen Chilenen denken, den ich vor einigen Jahren beim Permakulturkurs kennengelernt habe und der zu mir sagte: „Europa hat viel Schaden in Amerika angerichtet.“ Da konnte ich ihm ja nur zustimmen. Jack D. Forbes fügt Unmengen an Zeitzeugen- und Augenzeugenberichten ein und die waren für mich teilweise kaum zu ertragen. Dennoch finde ich das Buch sehr gut und wichtig.


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