Als ich erzählte, daß mein Sohn und meine Schwiegertochter mich eingeladen haben, mit ihnen Zeit auf Mallorca bei einem Freund und seiner Familie zu verbringen, gab es ein paar befremdete Kommentare. „Was, du nach Mallorca? Dafür bist du doch gar nicht der Typ.“ Ich war bis jetzt dreimal auf Mallorca, 2004 mit meiner Mutter im Nordosten, vor etwa zehn Jahren bei den Freunden meines Sohnes und jetzt wieder. Ich war nie am Ballermann und Sangria habe ich auch noch nie getrunken.
Wir wohnten in der Mitte der Insel, bei Sineu, auf einem großen Stück Land. Ich habe sehr komfortabel in einem kleinen Häuschen abseits vom Wohnhaus gelebt mit Blick auf die Tramuntana. Auf dem kargen steinigen Boden wuchsen winzigkleine Tausendgüldenkrautpflanzen. Es gab Olivenbäume, Mandelbäume mit grünen Früchten, Steineichen und Johannisbrotbäume. Um mich herum viel weites wildes Land, sich selbst überlassen. Die Regeln auf Mallorca sind streng: man darf nur bauen, wenn man ein sehr großes Gelände besitzt. MIr gefällt das.
Es ist schon richtig: auf Mallorca gibt es viele Deutsche. Überall wird Deutsch gesprochen. Da die Region um Sineu direkt in der Einflugschneise nach Palma liegt, hörte ich tagsüber und bis weit in die Nacht im Minutentakt die ziemlich tieffliegenden Fugzeuge. Das hat mich gestört.

Am Montag fuhren wir mit der Bahn von Sineu nach Palma und frühstückten neben der beeindruckenden Markthalle. Ich entdeckte interessante Gebäude und erfuhr, daß ihr Stil Modernisme heißt und zur gleichen Zeit wie der Jugendstil entstanden ist. Palma ist eine schöne und interessante Stadt mit engen Straßen und weiten Plätzen.

Wie immer im Ausland interessiere ich mich sehr für die Sprache. Auf Mallorca ist Katalán die Hauptsprache, dann erst das, was wir Spanisch nennen. Man kann es auf Straßenschildern und überall immer an erster Stelle finden. Es hat nur teilweise Ähnlichkeit mit Spanisch. Auf dem Markt von Sineu, wo wir am Mittwoch hinfuhren, unterhielten sich mein Sohn und eine Empanadaverkäuferin, die kaum noch Zähne im Mund hatte und sehr vergnügt aussah. Er sprach Iialienisch, sie Spanisch. Teilweise konnte ich ihnen sogar folgen. Im Café und im Laden versuchte ich so viel wie möglich Spanisch zu sprechen. Das reicht nicht für ein geordnetes Gespräch, aber das Nötige kann ich sagen und verstehen.
Am Freitag fuhren wir in den Osten der Insel in ein kleines Restaurant, in dem der Freund meines Sohnes für uns reserviert hatte. Wir saßen im kleinen Innenhof neben einem alten gemauerten Brunnen und durch ein helles Sonnensegel vor dem grellen Mittagslicht geschützt. Ob der Brunnen wohl noch Wasser enthält? Wir hatten ein Menu mit vielen Gängen, alle in sehr kleinen Portionen. Trotzdem schaffte ich das Dessert nur teilweise. Sehr gutes Essen, sehr angenehme Atmosphäre.
Natürlich waren wir auch am Strand und im Meer. Ich habe mir bei der Gelegenheit einen kleinen Sonnenbrand zugezogen. Der Strand war schön: nicht zu voll und man konnte nackt rumliegen und baden. Als wir später eine Kleinigkeit im Café an der Strandpromenade aßen, wurden wir auf Deutsch bedient. Wie mag das für die Mallorqiner sein, daß überall Deutsche auf ihrer Insel sind?

Samstagmorgen brachte mein Sohn mich zum Flughafen. Er hatte am Vortag vergeblich versucht, meine Reisetasche online nachzumelden. Also stand ich in einer unglaublich langen Schlange und sah der großen Uhr an der Wand zu. Aus mir unbekannten Gründen machte die Frau am Schalter dann ein Telefonat, füllte einen Zettel handschriftlich mit meinem Namen aus und brachte mich zu einem Kollegen zwecks weiterer Bearbeitung. Dort musste ich wieder warten. Ich musste 75 Euro für das Gepäck bezahlen, kam glatt durch die Sicherheitskontrolle und ging dann, so schnell ich konnte, den langen langen Weg zu meinem Gate, das ich eine Viertelstunde vor dem Abflug erreichte.Ich bin lange nicht geflogen und weiß jetzt, daß ich das nächste Mal nur Handgepäck mitnehmen werde. Von K., unserer Gastgeberin, habe ich den Tipp bekommen, alle dicken Kleidungsstücke und schwere Schuhe anzuziehen. Die Flugzeuge sind immer spartanischer ausgestattet: es gibt keinen Bildschirm mehr, auf dem Flughöhe und Position angezeigt werden, es gibt nichts mehr zu essen (was allerdings nicht unbedingt ein Verlust ist), das Personal spricht nur noch Englisch und man bekommt auch keine Zeitschriften mehr am Eingang. Flüge sind sehr billig geworden, aber alle Extras wie etwa Gepäck kosten. Ich fliege nicht gern und war froh, als ich pünktlich auf dem Hamburger Flughafen ankam. Mein Nachbar T. hatte mir vor der Abreise einen sehr guten Tipp gegeben: ich habe meinen Wagen vor dem Eingang des Abflugterminals dem Mitarbeiter einer Firma übergeben, die einen großen Parkplatz besitzt. Als ich mein Gepäck von Band geholt hatte, rief ich die Firma an und wenig später kam mein Auto. Dieser Service hat mich pro Tag ca. 14 Euro gekostet, im billigsten Parkhaus wäre es mehr als doppelt soviel gewesen.


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