Quelle

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Am ersten Tag unserer Rhönwanderung kamen wir an zwei Quellen vorbei: dem Goldbrunnen und der Ulsterquelle. Anders als in den letzten Jahren rann das Wasser  nur als bescheidenes Rinnsal aus dem Berg. Aber wir freuten uns über das gute Wasser und tranken mit Genuss. In den folgenden Tagen fand sich keine Quelle mehr und viele der Bachläufe, die normalerweise die Ulster speisen, waren trocken.

Auch hier im Norden ist es unvermindert heiß. Die Bienen im TBH haben Mühe, die Waben am Schmelzen und Abbrechen zu hindern. Die Landschaft ist eine einzige Steppe. Der Klimawandel ist also da. Aber es werden weiter Autos gebaut, und der Flugverkehr nimmt zu. Mein Kollege H. hat mir mittlerweile schlüssig erklärt, warum Deutschland nichts dafür tut, die Bahn zu einem kostengünstigen und häufig fahrenden öffentlichen Verkehrsmittel zu machen: in unserem Land werden Autos produziert. Regierungsmitglieder sitzen in den Aufsichtsräten z. B. von VW. Sie haben schlicht kein Interesse daran, den Verkehr auf den Straßen überflüssig zu machen. Wieder einmal muss man also nicht die Nase über Trump rümpfen, weil der den Klimawandel ignoriert.

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Heute bin ich aus einem der beschissensten Nachtdienste meines Berufslebens gekommen. Da auf meiner Station mittlerweile auch gerontopsychiatrische Patienten untergebracht sind, war ich damit beschäftigt, sie mehrmals in der Nacht vom Bett in den Rollstuhl und vom Rollstuhl aufs Klo zu wuchten. Das verursachte  jedes Mal gigantische Schweißausbrüche. In den letzten Nächten hatte ich schon stundenlang Wespen mit Hilfe eines Glases gefangen und nach draußen gesetzt. Sie wohnen in den alten Mauern und kommen durch jede Ritze rein. Ich ließ die Fenster zu und schwitzte mehr als in der Sauna. Zwischendurch versorgte ich mehr schlecht als recht die neuaufgenommenen Suchtpatienten, putzte das Dienstzimmer, weil heute die Hygienekommission für ihren Kontrollgang angekündigt war und versuchte zwischendurch noch, die anstehenden Routinearbeiten wie Medikamente stellen zu erledigen. Als ich mich um 2:30 das erste Mal hinsetzte um eine Kleinigkeit zu futtern, klingelte ein Patient, der nicht mehr aus der Toilette kam. Das Schloss hatte sich verkantet, weder ich noch mein netter Kollege von der Nachbarstation konnten etwas ausrichten. Die zwei Kieler Schlüsseldienste, die laut Internet 24 h am Tag verfügbar waren, gingen nicht ans Telefon. Schließlich rief ich die Feuerwehr an. Die schickten drei Männer mit viel Werkzeug vorbei, das sie in der folgenden halben Stunde erfolglos einsetzten. Dann sagte einer von ihnen, daß man die Tür leider zerstören müsse. „Nur zu“, sagte ich und fand die ganze Sache mittlerweile schon witzig. Daß auf einer geschlossenen psychiatrischen Station Türen und Fenster stark gesichert sein müssen, ist klar. Aber daß sogar Klotüren nicht mehr geöffnet werden können, habe ich noch nicht erlebt. Nach etwa einer Stunde kam der Patient wieder von der Toilette. Ich habe so dermaßen die Schnauze voll von meinem Job!

Passend dazu hörte ich auf dem Heimweg im Radio ein Gespräch, in dem es darum ging, wie man den Pflege- und Erzieher*innenberuf attraktiver machen könnte. Man ist jetzt auf die Idee gekommen, daß eine bessere Bezahlung es richten könne. Ja, liebe Leute: mehr Geld ist nicht schlecht, aber das allein wird es nicht bringen. Der Arbeitsanfall und damit verbundene Zeitdruck ist so enorm, daß die motiviertesten Kolleg*innen nach wenigen Jahren keine Lust mehr haben. Wir müssen ja mittlerweile fast jeden Handgriff dokumentieren und verbringen in der Regel wesentlich mehr Zeit am Rechner als mit den Patienten. Man kann sich nur wünschen, daß man im Alter einen schnellen Tod findet, statt irgendwelchen Menschen zur Last zu fallen.

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