Über den Umgang mit domestizierten Tieren

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Am Sonntag war ich zu einem Treffen meines Imkervereins auf dem Bauckhof in Stütensen in der Lüneburger Heide. Nach dem Mittagessen gab es eine Führung durch das Hofgelände: die Gewächshäuser, die Gemüseflächen, den Stall und schließlich die Bienen von A., die sie als Siebenstern angeordnet hat. Im Stall flogen die Rauchschwalben ein und aus. Bei uns im Norden sind sie noch nicht angekommen.

Der Bauckhof ist ein Demeterbetrieb, der aus drei Höfen und einer Mühle im benachbarten Rosche besteht. Jeder, der im Bioladen einkauft, kennt seine Produkte. Zu den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft gehört, daß die Kühe ihre Hörner behalten. Das ist bei anderen biologischen Anbauverbänden nicht immer der Fall. Als ich ein Kind war, gab es noch keine enthornten Kühe. Irgendwann fing dann das Enthornen an, um Verletzungen und Blutspuren in der Milch zu verhindern. J., der Bauer, der uns führte, erklärte, daß Kühe als Herdentiere genug Platz brauchen, damit schwächere Tiere stärkeren ausweichen können. Wenn nicht genug Platz ist, kommt es zu Rangeleien bis zu blutigen Verletzungen. Die Lösung sind größere Ställe mit breiten Gängen.

Es gab auch Kälbchen: einige waren in einem Extraabteil untergebracht; ein Kalb befand sich bei seiner Mutter. Ich fragte, wann die Kälbchen von ihren Müttern getrennt werden. In der konventionellen Tierhaltung geschieht das kurz nach der Geburt. J. erklärte mir, daß einige Kälbchen bei ihren Müttern oder Ammenkühen bleiben, andere werden drei Tage nach der Geburt getrennt. Warum so unterschiedlich verfahren wird, hat er zwar erklärt, aber richtig verstanden habe ich es nicht.

Nebenan gab es die Schafe mit ihren Lämmchen. Dann ging es in den Schweinestall. Schweine sind lustige Tiere. Sie schnupperten mit ihren feuchten Steckdosennasen an meiner Hand, einige lagen eng aneinander geschmiegt im Stall. Ich glaube, daß die Tiere es hier wesentlich besser haben als bei konventionellen Bauern, aber ganz artgerecht finde ich auch diese Tierhaltung nicht. Schweine statt Beton Erde unter ihren Hufen zum Durchwühlen und eine Suhle, in der sie sich wälzen können. Und Kühe müssten eigentlich ganzjährig auf der Weide sein. Mir ist klar, daß unter solchen für die Tiere guten Bedingungen das Melken schwierig wird. Ich weiß von befreundeten Biobauern, daß man heutzutage eine größere Anzahl von Kühen braucht, damit der Betrieb rentabel ist. Da zeigt sich einmal mehr, daß unser kapitalistisches Wirtschaftssystem und artgerechtes Leben, übrigens auch für Menschen, nicht zusammenpassen.

J. war nicht gut auf Wölfe zu sprechen. Wildschweine kämen aus Angst vor ihnen immer näher an das Dorf heran und wühlten die Felder durch. Mich würde interessieren, wie der Umgang in Ländern wie Italien mit Wölfen ist, wo sie nie ausgerottet wurden wie in Deutschland. Ich verstehe sehr gut, daß es für einen Schäfer ganz furchtbar ist, wenn er seine Schafe totgebissen auf der Weide findet. Dennoch haben auch Wölfe ein Recht zu leben und der Umgang mit wilden Tieren erfordert eine andere Geisteshaltung. Aber auch der Umgang mit domestizierten Tieren muss meines Erachtens neu gedacht werden. Uns europäischen Menschen ist unsere eigene Wildheit gründlich abtrainiert worden, deshalb ist vielen von uns alles Wilde nicht geheuer.

„Wenn ein Land wild genug für Wölfe ist, dann ist es auch wild genug für die menschliche Seele.“ Sigurd Olsen, The singing Wilderness, 1945 (Zitat aus Susanne Fischer-Rizzis Buch Mit Tieren verbunden)

Die Heldenreise des Bürgers…

…heißt das Buch, das ich gerade gelesen habe. Vom Autor Raymond Unger hatte ich bereits das Buch Die Heimat der Wölfe gelesen, in dem er die Geschichte seiner Familie erzählt mit besonderem Augenmerk auf derenTraumata durch Krieg und Vertreibung. In der Heldenreise, die den Untertitel Vom Untertan zum Souverän hat, vergleicht der Autor am Beispiel des Zeitgeschehens, besonders der Coronazeit, die staats- und wissenschaftsgläubige Haltung von ca. 80 Prozent der Bürger mit der eines von seinen Eltern abhängigen Kindes. Nur 20 Prozent der Menschen in unserem Land waren in der Lage dem allgemeinen Druck, die Maßnahmen zu befolgen und sich ein ungeprüftes Mittel spritzen zu lassen, zu widerstehen und dafür teilweise erhebliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Der Autor hat unter anderem als Therapeut gearbeitet und orientiert sich sehr an C. G. Jung und Viktor Frankl. Das Kapitel über die C-Zeit hat meine Wut über die Ungeheuerlichkeiten, die man uns angetan hat, wieder an die Oberfläche gebracht. So einfach verzeihen, wie Herr Spahn sich das vorstellt, kann ich solange nicht, wie die Verantwortlichen nicht wirklich Verantwortung für ihre Taten übernehmen.

Maatin beim Bouldern


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