Meine Katze verliert ihre Zähne
(Jetzt erst mal ohne Bild, weil ich das mit der Bildbearbeitung noch nicht richtig hinkriege)
Vor zwei Wochen bemerkte ich, daß meiner Katze der linke obere Eckzahn fehlte. Ich durfte ihr in den Mund schauen, konnte aber nicht erkennen, ob der Zahn abgebrochen oder rausgefallen war. Bekanntermaßen vermeide ich ja Ärzte, aber bei Tierproblemen komme ich mit meinen eigenen medizinischen Kenntnissen nicht weiter. Also brachte ich mein Lenchen zur Tierärztin. Die stellte fest, daß der Zahn abgebrochen und das Zahnfleisch schmerzhaft entzündet war. Sie hielt es für nötig, den Zahn unter Narkose zu entfernen.
Am Tag des OP-Termins war ich sehr angespannt. Ich hätte meiner Katze das alles gern erspart, wusste aber auch keine andere Lösung. Ich bin sicher, daß sie meine Anspannung sehr deutlich gespürt hat. Der Tag fing für sie ja auch ungewöhnlich an: sie durfte nicht raus und bekam auch nichts zu essen. Normalerweise lege ich ihr ein paar Leckerli in die Transportbox und brauche sie dann nur noch von hinten ein wenig zu schieben. Das klappte dieses Mal nicht. Sie wusste wohl, was ihr blühte und entwischte. Ich packte kräftig zu, sie entwischte wieder. Beim dritten Mal hielt ich sie mit aller Kraft und stopfte sie in die hochkant gestellte Transportbox. Ich war entsetzt über meine Brutalität und sagte unzählige Male: „Es tut mir leid.“ Ich habe mich sehr schlecht gefühlt.
Zwei Stunden nach dem Eingriff konnte ich sie wieder abholen. Der Kiefer meiner armen kleinen Katze musste aufgefräst werden, um an die Wurzel zu kommen. Außerdem hatte die Ärztin ihr zwei Backenzähne gezogen, die auch schon am Zerbröseln waren, den Zahnstein entfernt und die Krallen gekürzt. Ich erfuhr, daß meine Katze wohl schon länger an einer recht häufigen und schmerzhaften Krankheit namens FORL litt, bei der die Zähne sich auflösen, Ursache und Heilung unbekannt. Ich habe von alldem nichts mitbekommen. „Katzen sind Meister des Verbergens“, sagte die Tierärztin.
Lenchen war den ganzen Tag zugedröhnt und sah so aus, als verstände sie die Welt nicht mehr. Das lag weniger an der Narkose als am Morphin, das sie gegen die Schmerzen bekommen hatte. Abends kam sie wieder zu mir auf den Schoß und schmuste. Ich fühle mich immer noch schlecht, wenn ich an meine brutale Einpackaktion denke.
Zwei Tage später sollte ich mit ihr zur Kontrolle kommen. Ich schwor mir und ihr, daß es keine Gewalt mehr geben würde. Sollte ich sie nicht im Guten in die Box bekommen, müsste die Kontrolle eben ausfallen. Die Tierärztin hatte mir den Tipp gegeben, sie in ein Badetuch zu wickeln und dann in die Box zu legen. Aber als ich mit dem Tuch kam, haute Lenchen ab. Sie wusste genau, was ihr blühte. Dann fasste ich sie mit beiden Händen unter den Bauch und sie ließ sich ohne Widerstand von oben in die Box legen. Bei der Tierärztin wirkte sie sogar richtig entspannt. Welch eine Erleichterung!
Lenchen ist wieder guter Dinge, sehr schmusig und anhänglich. Ich sollte ihr wegen der Wunden im Mund Feuchtfutter geben. Damit brauche ich ihr aber nicht kommen. Sie nimmt nur Trockenfutter. Auf Anraten der Tierärztin sprühte ich das Trockenfutter mit Wasser ein, damit es pappig wurde. Das ging am Tag der Op, aber dann bestand Lenchen auf trockenem Trockenfutter und knackte es mit ihren verbliebenen Zähnchen.
Ich habe erfahren, daß Katzen auch ohne Zähne leben können, zumindest solange Menschen sie füttern. In freier Wildbahn würden sie allerdings verhungern. Ob mein kleines Lenchen in Zukunft keine Mäuse und Vögel mehr fangen wird?
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